Ralf Naumann Ganz so alt wie das im 18. Jahrhundert neu erbaute Wasserschloss in Gleisenau sind die Fahrzeuge am Sonntag, 11. August, zwar nicht. Die Besucher bekommen beim mittlerweile zehnten Oldtimertreffen des Ebelsbacher Werberings und des Zeiler Automobilclubs (AMC) aber wieder zahlreiche zwei-, drei- und vierrädrigen Raritäten zu sehen, die bis 1989 gebaut wurden.

Alle Auto-, Bulldog- oder auch Motorradfreunde sind eingeladen, ab 11 Uhr ein paar gemütliche Stunden zu verbringen. Der Schlosspark ist die ideale Kulisse für die Fahrzeuge, auch die ruhige Atmosphäre lädt dazu ein, sich dem Fachsimpeln zu widmen.

Faszinierende Schicksale

Und schließlich hat ja jeder Oldtimer seine ganz eigene Geschichte, die es zu ergründen lohnt.

Übrigens: Als besonders wertvoll gelten genau jene Fahrzeuge, bei denen noch möglichst viele Originalteile und die Originalfarbe erhalten sind. Wer ein Fahrzeug nachlackiert, der muss das mindestens in der Originalfarbe tun. Und so gestaltet sich für einen Oldtimer-Besitzer auch die Restauration seines Gefährts als ein Abenteuer. Man muss kreativ auf vielen Ebenen sein.

Sich mit einem Oldtimer zu beschäftigen, das ist schon bei der Benutzung eines Werkzeuges eine Reise in eine ganz andere Zeit. Manches einst benutzte Werkzeug gibt es gar nicht mehr und ein Besitzer muss sich ein solches erst einmal herstellen. Faszinierend ist auch die Beschäftigung mit der Konstruktion, denn Ingenieure und Fahrzeughersteller gingen manchmal ganz anders an die Lösung für einen Antrieb heran. Bestes Beispiel ist das Motorrad "Ardie". Es hat einen Riemen aus Lederstücken, statt einer Kette. Ardie war ein deutscher Motorradhersteller aus Nürnberg. Er produzierte in den Jahren 1919 bis 1958, wie Wikipedia informiert. Spannend auch: Über viele Jahrzehnte hinweg war Nürnberg Zentrum der deutschen Zweiradindustrie. Die Nürnberger Motorradindustrie stand für motorsportlichen Erfolg, Innovation, Qualität.

Der Name "Ardie" geht auf den Gründer Arno Dietrich zurück. Zuerst stellte die Firma nur Einzylinder-Zweitaktmaschinen her. Wegen ihrer roten Lackierung und der Form des Tanks nannte man sie gerne auch "Ardie Minimax".

Doch Gründer Arno Dietrich starb am 9. September 1922 bei einer Testfahrt in Nürnberg. Der jüdische Rechtsanwalt Leo Bendit übernahm die Firma und machte aus ihr eine GmbH. Ab 1925 erweiterte er das Angebot um Motorräder, die mit britischen Motoren (verschiedener Hubräume) versehen waren. In dieser Firma baute auch der Autokonstrukteur Josef Ganz baute 1930 seinen ersten "Volkswagen"-Protoytypen, den "Ardie-Ganz". Die Nazis kamen und Bendit musste 1933 verkaufen. Die Fabrik ging an die Besitzer der "Dürkopp-Werke" in Bielefeld. Nun wurden keine britischen Motoren mehr importiert und "Ardie" kamen nur noch mit deutschen Motoren auf den Markt. Das Werk in der Nürnberger Preißlerstraße wurde 2013/14 zu einer Wohnanlage umgebaut. Bei solchen Geschichten ist es oft kein Wunder, dass Fahrzeug und Besitzer sind sehr verbunden miteinander sind. Die Veranstalter halten für jeden Teilnehmer, der mit einem Oldtimer anreist, einen Erinnerungsbutton bereit. Für das leibliche Wohl ist, wie Manfred Kuhn, der Vorsitzende des Ebelsbacher Werberings und Zweiter Vorsitzender des Automobilclubs verspricht, wieder bestens gesorgt. Weitere Informationen gibt es auf Anfrage unter der E-Mailadresse info@kuhn-elektromaschinen.com.