In Neunkirchen am Brand hat die ökumenische Initiative "Sternenkindergrab" eine gemeinsame Gedenk- und Grabstätte für Tot- und Fehlgeburten auf dem Friedhof initiiert. Als Sternenkind werden Kinder bezeichnet, insbesondere wenn sie vor, während oder bald nach der Geburt verstorben sind. Der Entwurf des Steinbildhauers Sebastian Bertholdt sieht ein rundes Feld als Grabstätte und eine Stele vor. Auf dem Feld können Trauernde Kerzen und Blumenschalen und einen kleinen Gedenkstein mit dem Namen des Kindes ablegen. Man kann ein Blütenband mit Schmetterlingen an der Stele anbringen. Am Pfingstmontag, 1. Juni, wird das Grab eingeweiht. Anja Lemberger, Ökumenebeauftragte der evangelischen Kirchengemeinde, berichtet im Interview vom Wert einer solchen Stätte.

Warum soll ein Sternenkindergrab in Neunkirchen entstehen?

Anja Lemberger: Für uns liegen die offiziellen Sternenkindergräber in Nürnberg, Fürth, Erlangen oder Forchheim viel zu weit entfernt, um einfach mal kurz vorbeizugehen. Auch die angebotenen Grabformen erscheinen für ein kleines Sternenkind viel zu groß und damit für die Familien auch viel zu teuer. Welche junge Familie hat schon ein Familiengrab? Daher haben sich die beiden Kirchengemeinden in Neunkirchen bereiterklärt, Spenden für die Grabstätte zu sammeln und einen Entwurf für das Grabmal eingereicht.

Auf wessen Initiative geht das zurück?

Wir sind selbst eine betroffene Familie. Für unser drittes Kind bekamen wir die Diagnose "Trisomie 18", was "nicht lebensfähig" bedeutet. Eine späte Lebendabtreibung haben wir nicht übers Herz gebracht. So hatten wir mehrere Wochen Zeit, uns mit dem Thema "Abschiednehmen" zu befassen. Im Oktober 2018 ist unsere Tochter Vera in der 20. Schwangerschaftswoche still geboren. Gerne hätten wir auch schon so ein Sternenkindergrab vorgefunden. Beim Gespräch für die Trauerfeier hat uns Pfarrer Axel Bertholdt sehr darin bestärkt, auch unser Umfeld mit zur Trauerfeier einzuladen. Schließlich war die Kirche zur Trauerfeier voll und wir bestatteten Vera im Beisein von Familie, Freunden, Nachbarn in einem Erdurnengrab am Neuen Friedhof. Was darauf folgte, hat uns sehr nachdenklich gemacht: Viele Leute haben uns die folgenden Wochen auf der Straße angesprochen und von ihren Sternenkind-Schicksalen erzählt. Als hätten wir mit Veras Beerdigung eine Lawine losgetreten.

Welche Reaktionen kamen von diesen Menschen?

Viele meinten, so hätten wir es auch gerne gehabt. Viele waren mit dem Tod am Anfang des Lebens überfordert und haben einfach das vorhandene Bestattungsangebot der Kliniken in Anspruch genommen, hätten es aber im Nachhinein gerne anders gehabt. In vielen Fällen war eine Bestattung gar nicht möglich gewesen. Trotzdem hätten die Hinterbliebenen gerne einen individuellen Trauerort. Auch ältere Generationen, noch nach vielen Jahren. epd