Seit vielen Jahrzehnten unternimmt die 1883 gegründete Krieger- und Soldatenkameradschaft (KSK) Steinberg ihre traditionelle Kriegsgräber-Sammlung, bei der treue Sammler in den Häusern um Spenden für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bitten. Durch deren aufopferungsvollen Sammeldienst und der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung konnte dabei in den vergangenen Jahren stets ein Spendenergebnis von über 1000 Euro erzielt werden. Wegen Corona entschied jedoch die Vorstandschaft der KSK Steinberg, in diesem Jahr keine Haussammlung abzuhalten.

"Diese Entscheidung fiel uns schwer. Aber sie musste in Anbetracht der aktuellen Pandemie getroffen werden, um die Bevölkerung wie auch die ehrenamtlichen Sammler zu schützen", verdeutlicht Erster KSK-Vorsitzender Johannes Baier. Da die Deutsche Kriegsgräberfürsorge für ihre vielfältigen Aufgaben jedoch auf die Sammlungen angewiesen sei, wollte man den Volksbund in dieser so schwierigen Situation nicht im Stich lassen, zumal heuer mit einem großen Spendenverlust zu rechnen sei. Daher bat die Vorstandschaft die örtlichen Vereine, bei denen der Vorsitzende selbst Fürsprache hielt, um Spenden.

Dankenswerterweise spendeten acht Vereine jeweils 50 Euro sowie weitere vier Vereine jeweils 25 Euro, sodass insgesamt eine Summe von 500 Euro zusammenkam. Das Geld wurde von der KSK bei der Gemeindeverwaltung Wilhelmsthal zur Weiterleitung an die Deutsche Kriegsgräberfürsorge einbezahlt. "Wir konnten zwar heuer nicht - wie sonst - mit 1000 Euro helfen, aber mit einem doch stattlichen Betrag", zeigt sich der Vorsitzende - namens der Vorstandschaft - allen örtlichen Vereinen für ihre großherzigen Spenden dankbar. Es sei wichtig, dass die Tradition der Sammlung nicht abbreche.

Einen Ort zu haben, wo ein geliebter Angehöriger seine letzte Ruhe gefunden hat, sei - darin zeigt sich Baier sicher - für viele Menschen ein großer Trost in ihrer Trauer. Gleichzeitig seien Ruhestätten ein wichtiger Gedenk- und Mahnort für junge Menschen, um Geschichte zu begreifen und daraus Lehren zu ziehen. Der Volksbund wurde 1919 durch Heimkehrer, Witwen und Hinterbliebene ins Leben gerufen. Er ist damit eine der ersten Bürgerinitiativen in Deutschland. Derzeit pflegt die Organisation in 46 Ländern auf 832 Kriegsgräberstätten die Gräber von über 2,8 Millionen Toten beider Weltkriege. Seit 1989 wurden über 954 000 Kriegstote in Osteuropa aus gefährdeten Grablagen geborgen und würdig bestattet. Die Pflege eines Grabs für ein Jahr kostet sechs Euro. Mit den in Steinberg gespendeten 500 Euro können über 80 Gräber ein Jahr lang gepflegt oder 40 Umbettungen durchgeführt werden. hs