Seit 22 Jahren gibt es alljährlich am Sonntagabend des Altstadtfestes ein geistliches Konzert in der Stadtpfarrkirche St. Georg. Diese zur Tradition gewordene Gewohnheit setzte heuer aufs Neue der Höchstadter Künstler und Orgelvirtuose Gabriel Konjaev fort. Dabei erschloss Konjaev seinen Zuhörern die ganze Bandbreite seines Könnens.

Das umfangreiche Orgelwerk Johann Sebastian Bachs brachte der Organist als meisterhaften Programmeinstieg mit dem anspruchsvollen Präludium samt Fuge in Es-Dur zum Ausdruck. Dass die Barockkomponisten auch sehr meditative Musik hervorbrachten, stellte Konjaev mit der Choralbearbeitung "Vater unser im Himmelreich" von Georg Böhm unter Beweis. Den Trubel des rings um die Stadtpfarrkirche laufenden Altstadtfestes und die drückende Hitze konnte man spätestens jetzt bei dem zur Ruhe und Besinnlichkeit führenden Stück hinter sich lassen.

Bei der massiven, viersätzigen f-Moll Sonate des Romantikers Felix Mendelssohn Bartholdy schenkten sich Organist und Orgel nichts. Wie eine Wellenbewegung von der Orgelempore herab konnten die Konzertbesucher in der vollen Stadtpfarrkirche die dargebotene Musik nachempfinden - eine Welle, die dann am Hochaltar ihr Ziel fand, und das nicht nur akustisch.

Ins Zentrum des Konzertes stellte Gabriel Konjaev das Orgelwerk "Chomolungma", benannt nach der tibetischen Bezeichnung für den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest. Der in Schwabach geborene und in Castell als Kirchenmusiker wirkende Komponist Reiner Gaar kreierte seine zeitgenössische Orgelfantasie unter dem Eindruck einer Wanderung an dem bedeutendsten Berg der Welt, der mit seinen 8800 Metern von den Tibetanern als Muttergottheit angesehen wird. Klirrende Kälte, gigantische Eis- und Schneemassen, ohrenbetäubende Stürme, die dünner werdende Luft, Atemnot, stark wechselnder Herzrhythmus werden in musikalische Ausdrucksformen gebracht, die der neu sanierten Weise-Orgel in St. Georg sowie dem Organisten selbst alles abverlangten.

Eine Glaubenspositionierung

Das absolute Piano bis hin zu den Fortissimo-Abschnitten führte nun die Zuhörer nicht zum Thema "Muttergottheit". Ein christlicher Komponist und ein christlich darbietender Künstler schafften es, das Geheimnis der Schöpfung Gottes in Bewunderung und Naturverbundenheit sowie in einer Verantwortung gegenüber der Umwelt zu entschlüsseln. Im Zeitalter von Greta Thunberg ein thematischer Volltreffer und eine Glaubenspositionierung bewusster Christen hinsichtlich der Schöpfung und der Natur.

Nachdem die Zuhörer bei Jehan Alains zweiter Fantasie kurz hatten durchschnaufen können, folgte noch ein gewaltiger Abschluss: Mit dem Werk "Dieu parmi nous" (Gott ist unter uns) des 1992 verstorbenen französischen Komponisten Olivier Messiaen erklang eine in Noten gebrachte theologische Wucht. Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und die spürbare Nähe des Gottessohnes predigte Gabriel Konjaev über das Medium der Musik seiner Fangemeinde so eindrücklich wie nachdrücklich.

Die dankbaren Fans applaudierten mit stehend dargebrachten Ovationen noch eine Zugabe herbei und waren sich einig: Ein solcher Künstler stellt einen Gewinn und eine kulturelle Bereicherung für Höchstadt dar.

Konzerttour durch Georgien

Gabriel Konjaev, der kürzlich erst mit Weltklasse-Stars in der Schweiz auftrat, sitzt bereits auf gepackten Koffern. "Zurück zu den Wurzeln" tourt er konzertant in den kommenden 14 Tagen durch sein Heimatland Georgien. Deshalb verabschiedete Dekan Kilian Kemmer den Organisten mit den Worten: "Auf baldiges Wiederhören!" red