Teuschnitz — Stimmungsvolle Blasmusik der Stadtkapelle, zünftige Brotzeiten und süffiges Bier - nach einigen Prosts waren die vielen Besucher am Josefitag in "Starkbierfest-Form". Erstmals hatte die Feuerwehr Teuschnitz zu einem solchen Fest eingeladen, um einen Beitrag zum 625-jährigen Stadtbestehen zu leisten. Die Floriansjünger, aber auch Pfarrer Joachim Lindner als Fastenprediger schenkten den Gästen tüchtig ein. Mit Spannung schauten sie auf den Mann, der - im Franken-Outfit mit rot-weißer Flagge auf der Brust - in das Feuerwehr-Haus einzog und seinen Platz am Podium einnahm.
Teuschnitz sei, betonte Lindner gleich am Anfang, nicht der Nockherberg. Er sei auch keine Bavaria, Germania oder Frankonia, sondern ein waschechter Mittelfranke mit einer großen Klappe. Da nunmehr die Fastenzeit eingekehrt sei, dürfe er bei seiner Predigt einmal weiter ausholen.

Beginn bei Adam und Eva

Lindner fing zwar nicht mit der Erschaffung der Welt an, wohl aber mit Adam und Eva. Vier Kriterien unterschieden Adam vom heutigen Mann. "Er durfte Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Es fehlte ihm eine Rippe. Da er nicht geboren wurde, hatte er keinen Bauchnabel. Und er hatte keine Schwiegermutter", so der Pfarrer. In seiner Predigt spare er nicht mit schwarzem Humor und Satire. Beides wolle provozieren und verkrustete Denkmuster aufbrechen, achte aber auch Minderheiten, hüte sich vor Blasphemie und zeige Respekt vor anderen. Schenkelklopfer habe er für den Abend gestrichen.
Seinen Stoff fand Lindner direkt "vor der Haustüre". Vorlagen lieferten insbesondere Zeitungsmeldungen mit erstaunlichen Geschichten aus Teuschnitz und seiner Nachbarschaft. Nicht verschont blieb etwa Wickendorf. Es sei wahr, dass Wickendorf keine Autobahn wolle. Schließlich gebe es ja bereits einen gut ausgebauten zweispurigen Standstreifen durch den Ort. Und woran erkennt man in Teuschnitz auf Anhieb einen Wickendorfer? "Er fährt mit 30 durch die Stadt", neckte der Pfarrer.
Fortschrittlicher dagegen sei man in Tschirn. Dort gebe man der Feuerwehr bereits "grünes" Licht. Zudem erhalte in Tschirn der Ausspruch "Der Rubel rollt" mit der neuen rollenden Sparkassen-Geschäftsstelle eine ganz neue Bedeutung.
Ein dickes Lob zollte der Fastenprediger den Teuschnitzer Musikern, die offensichtlich gut auf ihren Pfarrer hörten. Kaum habe er gefrotzelt, dass sie immer das gleich anhätten, seien sie schon beim Faschingsumzug als Rittersleute gekommen. Einige Seitenhiebe auf die Musiker konnte er sich dann aber doch nicht verkneifen - mit Aussagen wie "Vier Musiker treffen sich, aber keinen Ton" oder "Wer kennt den Lebenslauf eines Musikers? - Er kommt auf die Welt, macht Pause und stirbt."

"Meide schmale Pfade"

Etwas Sorge bereite ihm sein nächster Besuch in Reichenbach. Wenn er zusammen mit Bürgermeisterin Gabriele Weber das nunmehr schuldenfreie Reichenbach besuche, müsse er aufpasse, was er anziehe. Schließlich stünden derzeit im Frankenwald die "Schwarzkittel" stark im Visier und Jäger hätten zu gemeindeübergreifenden Drückjagden aufgerufen. Aber auch für Teuschnitz gebe es eine einfache Lösung, von nun an keine roten Zahlen mehr zu schreiben. Er überreichte Bürgermeisterin Weber hierfür ein Geschenk - einen Kugelschreiber mit schwarzer Mine.
Für Beifall sorgten auch die Trinksprüche des Fastenpredigers, wie beispielsweise: "Befiehl dem Herrn deine Wege und sei ein guter Christ und meide schmale Pfade, wenn du besoffen bist." hs