von unserem Redaktionsmitglied 
Jutta Behr-Groh

Bamberg — Anfang Juli tauchte er im Stadtbild auf, der rote Bambergbus. Seitdem dreht das auffällige Fahrzeug täglich seine Runden‚ mal mehr, mal weniger gut besetzt, mal mit offenem Faltdach, mal geschlossen. Auf jeden Fall zur Zufriedenheit seiner Betreiber von der Tourist City Tour GmbH (TCT) aus Dülmen. Deren Geschäftsführer Jan Püttmann wohnt inzwischen in Bamberg. Rund 2000 Passagiere hätten sie in jedem der beiden ersten Monate gezählt, berichtet er auf Anfrage; das entspreche ihren Erwartungen.


Ein ehemaliger US-Schulbus

Der umlackierte ehemalige US-Schulbus mischt seit 1. Juli im Fremdenverkehr der Weltkulturerbestadt mit. Das Angebot der neuen Linie richtet sich in erster Linie an Touristen: Wie das blau-gelbe Vehikel der "Bamberger Bahnen" dreht der Bambergbus ganztags seine Runden auf einer festgelegten Route mit vielen Haltestellen. An jeder können die Fahrgäste ein- und aussteigen.
Angenommen wird das neue Angebot laut Püttmann vor allem von älteren Menschen, denen die Topographie und das Kopfsteinpflaster der Altstadt zu schaffen machen; und von Familien mit Kindern. Diese Zielgruppen hatte die TCT von Anfang an im Blick. Allerdings zeigte sich schnell, dass der Bus zu wenig Stauraum für Rollatoren und Kinderwagen bietet.
Die Lösung könnte ein geräumigeres Fahrzeug mit mehr als 24 Sitzplätzen sein, deutet der Geschäftsführer an. Länger soll es nicht sein, damit es in den Altstadtgassen um jede Ecke kommt - viel höher auch nicht.
In Münster bietet TCT Rundfahrten mit einem älteren Doppeldeckerbus an; angeblich mit großem Erfolg. In Bamberg war das Unternehmen mit dieser Idee glatt durchgefallen, als Püttmann sie im Frühjahr 2012 präsentierte: Einstimmig hatten die Mitglieder des Umweltsenats Touren mit einem Doppeldecker abgelehnt. Sie sahen auch keinen Bedarf für eine weitere Touristenlinie.
Die TCT GmbH ließ sich davon nicht entmutigen und erstritt die Genehmigung für ihren Linienverkehr. Die Richter des Verwaltungsgerichts Bayreuth hätten so gut wie alle Argumente der Stadt vom Tisch gewischt, erinnert sich Rathaus-Sprecherin Ulrike Siebenhaar. Die Verwaltungsrichter befanden zum Beispiel auch, dass die Nachfrage und nicht die Verwaltung darüber zu entscheiden hat, ob ein weiterer Anbieter von Stadtrundfahrten gebraucht wird, oder nicht. Kurzum: Bayreuth gab dem Unternehmen grünes Licht. Seit 1. Juli 2015 besitzt es eine auf zunächst zehn Jahre befristete Betriebsgenehmigung.


Genug potenzielle Fahrgäste

Das Touristen-Aufkommen in Bamberg ist nach Püttmanns Dafürhalten groß genug für einen Mitbewerber mehr. Er ist sicher, dass der rote Bus weder dem städtischen Verkehrsbetrieb noch der "Bamberger Bahnen" GmbH Fahrgäste "wegnimmt". Die Mitbewerber scheinen es ähnlich zu sehen.
Sie hätten keine Angst vor Konkurrenz, gibt etwa Ina Römer zu verstehen, die Betriebsleiterin der "Bamberger Bahnen" GmbH. Sie seien seit acht Jahren am Markt und etabliert, auch bei den Einheimischen. Ihr blau-gelbes Fahrzeug, das an die frühere Bamberger Straßenbahn erinnern soll und sechs der sieben Bamberger Hügel bedient, wird rund ums Jahr anscheinend so gut frequentiert, dass das Unternehmen bereits den Bau einer zweiten "Bahn" in Auftrag gegeben hat.
Außerdem fährt der neue Mitbewerber vorwiegend in der Talstadt. Der Domplatz ist die höchstgelegene Haltestelle des roten Bambergbusses. Dafür steuert er mit dem Hain und dem Stadtteil Wunderburg Ziele für Natur- und Bierfreunde an, die die "Bamberger Bahnen" links liegen lassen.
Kein Zufall, sagt Püttmann. Sie hätten ganz gezielt eine eher ergänzende Route ausgearbeitet. Fahrgästen, die zum Beispiel auf die Altenburg möchten, würden sie sogar ausdrücklich die "Bamberger Bahnen" empfehlen: "Das ist gar nicht so selten, dass Leute beides machen."
Mehr als Ergänzung denn als Konkurrenz versteht man den neuen Anbieter von Rundfahrten auch beim Verkehrsbetrieb der Stadtwerke. Man habe eine andere Zielgruppe, so Unternehmenssprecher Jan Giersberg.
Ob Zufall oder nicht: Seit diesem Sommer bewirbt der Verkehrsbetrieb seine Linie 910 auch als "Entdeckerlinie". Die Busse passieren auf ihrem Weg zum Michelsberg und weiter nach Wildensorg viele Sehenswürdigkeiten, für die die einheimischen Fahrgäste oft gar keinen Blick mehr haben. Neben dem normalen VGN-Fahrschein gibt es für den 910er jetzt jedenfalls auch spezielle Tages-Tickets, die das wiederholte Aus- und Einsteigen gestatten.
Zur Information der ortsunkundigen Fahrgäste wurde ein Faltblatt gedruckt, das unter anderem beim Tourismus-Service aufliegt. Es informiert über alle Hingucker entlang der Strecke. Denn Durchsagen wie in den ausgesprochenen Touristenbussen gibt es im Stadtbus nicht und wird es auch nicht geben. Giersberg dazu: "Wir wollen und können die einheimischen Fahrgäste nicht ständig beschallen."
Apropos: Über die Durchsagen im roten Bus liegen der Stadtverwaltung erste Beschwerden vor. Man hört sie weithin, wenn das Cabriodach geöffnet ist.