Ein Besuch im Baunacher Heimatmuseum? Das ist schon länger nicht mehr möglich. Während im Hintergrund schon seit mehreren Jahren die Bemühungen laufen, das Inventar digital zu erfassen, wird gerade auch ein neues Konzept erstellt. Ideen, wie es weitergehen soll, gibt es bereits. Und da sind spannende Ansätze dabei.

Von der Optik her ist das Gebäude des Heimatmuseums, das "Alte Rathaus", eines der schönsten in Baunach. 1744 wurde der Bau fertiggestellt, Baumeister war Justus Dientzenhofer, ein Sohn des bekannten Architekten Johann Dientzenhofer. Nicht nur als Rathaus wurde es genutzt, sondern auch als Schule, Lehrerwohnung oder Flüchtlingsunterkunft. 1982 zog die Stadtverwaltung auszog und fand gegenüber ihr neues Domizil.

Die Idee, ein Heimatmuseum zu etablieren, entstand Ende der 1970er Jahre, wie Heimatpfleger Reinhold Schweda dem Stadtrat in der jüngsten Sitzung berichtete. Baunach feierte damals das 1175. Jubiläum und zugleich 650 Jahre Stadtrecht. "Durch die vielen Veranstaltungen wurde vielen Bürgern überhaupt erst deutlich, welch große historische Vergangenheit die Stadt Baunach hat und dass es aber keine Stelle gibt, wo die Geschichte gesammelt, gepflegt und aufgearbeitet wird", so Schweda. Und so gründete sich ein "Arbeitskreis Heimatmuseum" unter der Leitung von Karl-Theo Meixner. Nach ersten Ausstellungen im ehemaligen Kinderheim (heute Jugendheim) und der Schalterhalle der Raiffeisenbank und einer Zwischenstation in der Schule zog das Museum 1983 ins ehemalige Rathaus ein, fünf Jahre später wurde es offiziell eröffnet. In der Folge kamen, insbesondere durch zahlreiche Sonderausstellungen, viele Besucher.

Seit nunmehr sechs Jahren gibt es den Wunsch, das Museum neu zu konzipieren. Nach Gesprächen mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern und der Errichtung eines Depots für die Sammlung im Keller des neuen Rathauses werden zurzeit die Exponate digital erfasst sowie Fotos und Dias digitalisiert. "Zwischen 600 und 800 ehrenamtliche Arbeitsstunden kommen pro Jahr dafür zusammen", erklärte Schweda. Im November 2019 wurde Gabriele Wiesemann vom Stadtrat mit der Erstellung eines Standort- und Grobkonzeptes für die Umgestaltung des Museums beauftragt.

Suche nach neuem Namen

Eigentlich sollten sich die Stadträte Ende des vergangenen Jahres selbst ein Bild vom aktuellen Zustand des Gebäudes machen, das unbedingt saniert werden muss. "Von außen macht es einen passablen Eindruck, innen sind besonders Sanitär- und Heizungsanlage, Kellerräume und auch die Fenster dringend anzugehen", meinte Schweda. Aufgrund der Corona-Pandemie musste dieser Ortstermin aber ausfallen. Auch das neue Depot konnte nicht besichtigt werden.

Bevor diese baulichen Fragen aber Thema werden, muss beschlossen werden, wie es grundsätzlich mit dem Museum weitergeht. Dazu stellte Gabriele Wiesemann, Kulturhistorikerin aus Bamberg, die Ergebnisse ihrer Arbeit vor. "Trotz Corona liegt ein erfolgreiches Jahr hinter uns - durch viel Input von den Ehrenamtlichen und deren jahrelange Vorarbeit, die ein neues Museum überhaupt erst möglich macht, sowie durch Gespräche mit dem Bürgermeister und auch dem Stadtmarketing", führte Wiesemann aus. Die Baunacher Geschichte sowie die zahlreich verfügbaren Exponate böten viele Ansatzpunkte. Neben den Baunachern und insbesondere Kindern und Jugendlichen sollten auch Touristen als Zielgruppe angesprochen werden - denn ein Museum sei immer auch Werbung für eine Stadt. Ein reines Heimatmuseum mache aber in der heutigen Zeit wenig Sinn, vielmehr sollten auch gegenwärtige kulturhistorische Topthemen eine Rolle spielen.

An Themen mangelt es nicht

Und für Baunach könnte das Leitthema "Stadt und Wasser" lauten, da viele Aspekte der Stadtgeschichte hier einzuordnen seien. Zudem habe es für alle Menschen Relevanz. In Baunach habe es eine traditionelle Wiesenbewässerung gegeben, die sich einbeziehen lasse, das Baunacher Stadtwappen zeige einen Fisch. Der Fluss sei ein wichtiger Verkehrsweg gewesen, Strom durch Wasserkraft, Mühlen und auch das Thema "Flüsse als Risiko" böten ebenfalls Material. Neben dem großen Themenbereich sollte dem Künstler Max Schnös ein zusätzlicher Bereich gewidmet werden - die Stadt verfüge hier über eine große Sammlung.

Im Stadtrat stieß die Ausarbeitung auf positive Rückmeldung. Manuela Fößel erklärte, dass sich ihre Fraktion SPD/FBB wünsche, dass der Besuch des neuen Heimatmuseums nicht mit dem Verlassen des Gebäudes ende, sondern auch das Umfeld einbezogen werde. Gerade beim Thema Wiesenbewässerung wäre eine Möglichkeit, einen Teil der noch bestehenden Anlagen zwischen Baunach und Daschendorf zu reaktivieren, ergänzte Fraktionskollege Rudi Wacker. Und Andrea Weigler brachte die Anregungen der CSU-Fraktion mit ein - mit den Themen Brauereien und Lagerkeller. Von Sabine Saam (CSU), die der Sitzung nicht beiwohnen konnte, war in ihrer Rolle als Behindertenbeauftragte schriftlich eine Stellungnahme eingegangen, auch bei dem historischen Gebäude und einer Sanierung an die Barrierefreiheit zu denken sowie beim Museumkonzept die Inklusion nicht zu vergessen: "Dabei muss auch auf psychische Behinderung (leichte Sprache) und Sinnesbehinderung (Hören und Sehen) Rücksicht genommen werden, so dass alle teilhaben können", so Saam.

Hoffnung auf Fördergelder

In den nächsten Monaten soll das Museumskonzept fertiggestellt werden. Danach, so Bürgermeister Tobias Roppelt, könne die bauliche Seite angegangen werden. "Sowohl für die Sanierung des Gebäudes als auch die Einrichtung des Museums können wir mit guten Fördergeldern rechnen." Er fügte aber auch hinzu, dass Baunach, unter anderem mit der geplanten Mehrzweckhalle, große Projekte vorhabe, die nicht alle gleichzeitig verwirklicht werden könnten. Auf den Wunsch von Reinhold Schweda hin, das Museum, das auch einen neuen Namen bekommen soll, bis zum Jahr 2028 zu eröffnen (Baunach feiert in diesem Jahr 700 Jahre Stadtrecht), meinte Roppelt: "Das sollte auf jeden Fall machbar sein."