Sabine Linß steht am Samstagvormittag mit ihrem Kiosk im Neustadter Märchenbad in den Startlöchern. Die Getränke sind kaltgestellt, die Eistruhe ist prall gefüllt, und die erste Portion Pommes brutzelt schon in der Fritteuse. "Ich bin so froh, dass ich wieder Gäste empfangen darf - je mehr kommen, desto besser!", erzählt sie freudestrahlend. Zunächst scheint es aber eher so, als wären die Neustadter noch etwas verhalten, was einen Besuch im Freibad angeht. Schließlich können die Eintrittskarten in diesem Jahr nicht vor Ort gekauft, sondern ausschließlich online gebucht werden - dabei müssen sich die Gäste aussuchen, ob sie am Vormittag von 8 bis 13 Uhr oder am Nachmittag von 14 bis 19 Uhr schwimmen gehen wollen. Damit müssen die meisten potenziellen Badegäste wohl noch warm werden: Mit etwas mehr als 40 Buchungen am Tag vor der Freibaderöffnung gibt es noch Luft nach oben. "Das spielt sich aber alles noch ein", glaubt Armin Münzenberger, Geschäftsführer der Bäder GmbH.

Zwar zeigt sich am Samstag phasenweise die Sonne, doch der Himmel ist doch noch etwas bedeckt - am Morgen ist es im Wasser also noch sehr frisch. Und trotz der Online-Buchung ist es möglich, sich spontan noch für einen Besuch im Freibad zu entscheiden. "Wer über das Smartphone bucht, kann das theoretisch erst auf dem Weg vom Parkplatz zum Bad machen - am Einlass ist das digitale Ticket schon da", erklärt Münzenberger. Tatsächlich kommen im Laufe des Vormittags immer mehr Besucher ins Bad - und es dauert nicht lange, bis die ersten hungrigen Gäste vor dem Bestellfenster von Sabine Linß stehen. Wer sich überwindet und sein Ticket online bucht, wird jedenfalls mit einer Menge Badespaß belohnt.

Bei Konzepten nachgebessert

Tommy (6) und Valentin (8) haben im Bad schon die Rutschen unsicher gemacht und sind ins Wasser gesprungen. Silke Zwingmann, die Mutter von Valentin, ist von der Online-Buchung begeistert. "Das war unkompliziert - und am Einlass ging alles recht fix!" Tim Müller, der Papa von Tommy, sieht das ähnlich und erinnert sich: "Letztes Jahr war das noch anders - gerade am Ende der Saison waren die Schlangen vor dem Bad so lang, dass wir einmal sogar abgebrochen haben und stattdessen nach Sonneberg ins Hallenbad gegangen sind."

Auch Matthias Martin hat ähnliche Erfahrungen gemacht: "Heute war es aber echt entspannt", erzählt er. Mit seinem Sohn Nicolas spielt er zuerst Wasserball. "Jetzt geht es weiter auf die Rutsche." Zwar hätte sich Armin Münzenberger gewünscht, dass diese Saison ganz ohne Einschränkungen auskommen kann, aber wenigstens ist es in der zweiten Corona-Badesaison möglich gewesen, das Konzept sowohl für die Besucher als auch das Personal zu optimieren. "Wir feilen schon seit November daran und haben am Ende nur noch auf das ,Okay‘ der Landesregierung gewartet", berichtet er.

Da die persönlichen Daten zur Kontaktnachverfolgung gleich bei der Buchung angegeben werden, kann der Badespaß nach dem Vorzeigen des Tickets sofort losgehen. So funktioniert das auch in Coburg - allerdings können die Gäste hier deutlich länger im Bad bleiben. Zwar geht es erst um 10 Uhr los, aber man darf mit dem Tagesticket durchgängig bis 19 Uhr bleiben. "Unser Bad wird im laufenden Betrieb gereinigt, da ist das kein Problem", erklärt Bademeister Falk Eschrich. Insgesamt 500 Gäste dürfen am Tag ins Coburger Aquaria, bis zum frühen Samstagnachmittag sind schon an die 380 Gäste im Bad gewesen - und das, obwohl sich der Himmel langsam zuzieht und eine kühle Brise aufkommt. "Ich habe heute den ganzen Tag schon so viel positives Feedback von den Besuchern bekommen: Alle freuen sich, dass sie wieder schwimmen gehen dürfen", erzählt Falk Eschrich. Das ist auch überall im Bad spürbar. Am Sprungturm stehen Niko, 15, und seine Freunde. Sie alle haben einen Neoprenanzug an und springen wie echte Profis nacheinander mit einem Salto oder einem Backflip ins Wasser. "Wir haben uns das selbst beigebracht und fleißig geübt", erzählt Niko.

Auch Marie, elf Jahre alt, wagt den Sprung ins kalte Wasser: Sie hatte sich mit einer Freundin im Aquaria verabredet. "Wir hatten zusammen schon viel Spaß - drinnen auf der Wasserrutsche und draußen auf den Springtürmen", erzählt sie. Li Wang hat den schönen Tag im Aquaria derweil noch vor sich. Sie steht am Beckenrand und hält vorsichtig ihre Hände und Füße ins kalte Wasser, um sich an die Temperatur zu gewöhnen. Schließlich traut sie sich, springt ins Becken und schwimmt die erste Bahn. "An die Kälte habe ich mich schnell gewöhnt", erzählt sie freudestrahlend am Beckenrand auf der anderen Seite. Sie ist als Austauschstudentin seit Oktober in Coburg. Das Ticket hat sie zusammen mit einem Freund gekauft, denn so einfach war das für sie nicht. "Wir haben zuerst nicht verstanden, ob wir vielleicht doch einen Negativ-Test brauchen, um ins Bad zu kommen", erklärt sie. Falk Eschrich kann beruhigen: "So lange die Inzidenz stabil bleiben, besteht keine Testpflicht - wir hoffen ja, dass die jetzigen Regeln im Laufe der Saison vielleicht noch gelockert werden können, wenn die Werte weiter sinken." Diese Hoffnung hat auch Armin Münzenberger für die Neustadter Badefreunde: "Ich würde mir wünschen, dass das sich Infektionsgeschehen durch die Impfungen noch weiter beruhigt - besonders auch im Hinblick auf die Hallenbadsaison."