Es sind diese Situationen, die sich niemand wünscht, aber die jeden treffen können. Situationen, in denen man nicht mehr weiter weiß, in denen man die Unterstützung Anderer braucht, zum Beispiel wenn die eigenen Eltern dement werden und nicht mehr in der Lage sind, sich selbst um die eigenen Finanzen oder die tagtägliche Versorgung zu kümmern; wenn man selbst aufgrund eines Unfalls oder einer plötzlichen Erkrankung nicht mehr in der Lage ist, für sich oder die eigenen Kinder zu sorgen; wenn man als älterer Mensch einen Angehörigen mit Behinderung zu versorgen hat, es selbst aber nicht mehr schafft; wenn die Schuldenlast so stark drückt, dass man nicht mehr weiß, wie man die Miete, das Essen oder die Kleidung der Kinder bezahlen soll, oder wenn man amtliche Schreiben oder Formulare einfach nicht versteht und deshalb nicht darauf reagieren kann.

Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Es sind Situationen, die Menschen verzweifeln lassen und die Betroffene oft als belastend, beschämend, bedrohlich oder unaussprechlich empfinden. Der Sozialdienst katholischer Frauen Kronach (SkF) hilft in diesen Notsituationen professionell und vertraulich.

Es kann jeden treffen

Der Lions Club Kronach Festung Rosenberg unterstützt die Arbeit des SkF mit einer Spende von 1500 Euro. "Uns ist es wichtig, soziale Einrichtungen wie Ihre bekannter zu machen", erläuterte der Präsident des Lions Clubs Kronach Festung Rosenberg, Hans Joachim Barnickel, im Gespräch mit der Vorsitzenden des SkF, Angelika Woll, sowie der Diplom-Sozialpädagogin (FH) Carina Huber-Geldner.

Er unterstrich: "Jeder von uns kann in eine Situation kommen, in der er Hilfe benötigt. Dann ist es gut, wenn man weiß, an wen man sich wenden kann. Die Arbeit des SkF trägt maßgeblich dazu bei, dass Menschen wieder eine Perspektive erhalten und mit ihrem Leben zurecht kommen. Das kann man gar nicht hoch genug schätzen." Der Lions Präsident weiter: "Unser Club unterstützt verschiedene humanitäre Einrichtungen in der Region und will dazu beitragen, das Bewusstsein für Themen wie Sterbebegleitung, Patientenverfügung, gesetzliche Betreuung und soziale Beratung zu schärfen. Leider sind dies noch viel zu oft Tabuthemen, die man von sich weist, solang es einen nicht selbst betrifft. Das möchten wir ändern. Wir möchten Licht auf diese Lebensbereiche lenken, die heute noch viel zu oft ein Schattendasein führen. Daneben setzten wir uns mit unseren Aktivitäten auch für Klima- und Umweltschutz ein. Und vielleicht inspirieren wir dazu, sich ehrenamtlich in diesen Bereichen zu engagieren."

Der Sozialdienst katholischer Frauen wurde im Jahr 1899 von Agnes Neuhaus (1854 bis 1944) in Dortmund gegründet. 150 Ortsvereine gibt es bundesweit. Der SkF Kronach wurde vor 95 Jahren unter anderem von Ida Degen, der Gattin des damaligen Kronacher Bürgermeisters, ins Leben gerufen. Heute zählt der Verein 69 Mitglieder.

Vier Sozialpädagoginnen gehören zum Team des SkF Kronach. Das Büro befindet sich in der Andreas-Limmer-Straße 5; der Eingang liegt, etwas versteckt, im Hinterhof. "Viele Kronacher wissen nicht, dass es uns hier gibt. Andererseits: Wer als Hilfesuchender hierher kommt, dem ist es vielleicht auch wichtig, nicht unbedingt gesehen zu werden", erklärt Carina Huber-Geldner.

Zu den Hauptaufgaben des SkF gehört die Beratung und die Durchführung von gesetzlichen Betreuungen. "Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung können nach Paragraf 1896 BGB einen Betreuer erhalten, wenn sie zur Wahrnehmung ihrer Angelegenheiten nicht mehr selbst in der Lage sind. Der Betreuer vertritt die Interessen des Betroffenen im Rahmen von gerichtlich festgelegten Aufgabengebieten wie Aufenthaltsbestimmung, Vermögenssorge, Gesundheitsfürsorge, Vertretung gegenüber Behörden und das Anhalten und Öffnen der Post", erklärt Carina Huber-Geldner. Die Sozialpädagogin betont: "Im Mittelpunkt stehen das Wohl und die subjektiven Wünsche des Betreuten. Der Betreuer soll versuchen, ihn wieder zu einem selbstbestimmten Leben zu führen." Gesetzliche Betreuung ist kein Randthema. In Deutschland haben etwa 1,3 Millionen Menschen einen rechtlichen Betreuer. Seit den 1990er Jahren hat sich die Zahl der Betreuungen verdreifacht.

Rechtzeitig informieren

Daneben berät der SkF ehrenamtliche gesetzliche Betreuer und informiert zu den Bereichen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. "Jeder Mensch kann durch die Folgen eines Unfalls, einer Krankheit oder altersbedingt seine Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit verlieren. Daher sollte man rechtzeitig seine persönlichen Wünsche formulieren und festlegen, wer diese Interessen vertreten soll. Dazu bieten wir Vorträge und individuelle Info-Gespräche an", sagt Huber-Geldner

Zu den weiteren Aufgabenbereichen des SkF gehört die soziale Beratung bei familiären, persönlichen und finanziellen Problemlagen. Das können Fragen zu Sozialleistungen wie Wohngeld oder Arbeitslosengeld sein; der SkF hilft bei Anträgen und Behördengängen, berät aber auch bei Problemen in Partnerschaft und Familie, bei Existenzsorgen und finanziellen Nöten sowie in akuten Krisensituationen wie Trennung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit. Die Hilfsangebote sind individuell und breit gefächert. Sie reichen vom Gespräch, über die konkrete Hilfe beim Ausfüllen von Formularen bis hin zu Einkaufsgutscheinen. "Selbstverständlich ist unser Angebot vertraulich, kostenlos und unabhängig von Konfession und Nationalität", unterstreicht SkF-Vorsitzende Angelika Woll.

Angebote zur Integration

Speziell an bleibeberechtigte Frauen und Kinder mit Migrationshintergrund wendet sich das Projekt "Lebenswirklichkeit in Bayern", das durch das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration gefördert wird. Seit 2018 hat der SkF hier ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt, mit niederschwelligen praktischen Angeboten wie Gesprächskreisen, Bastelnachmittagen, Entspannungskursen, Koch-Workshops oder Kursen zur Selbstverteidigung. Ziel ist die Stärkung des Selbstbewusstseins der Frauen, der eigenen Fähigkeiten sowie die Vermittlung deutscher Kultur und Werte.

Ein weiteres wichtiges Projekt des SkF ist die Kinderausstattungs-Tauschzentrale, kurz K.A.T.Ze. Der Second-Hand-Shop, der derzeit auf der Suche nach neuen, bezahlbaren Räumen ist, ist seit 47 Jahren für bedürftige Familien eine wichtige Anlaufstelle im Landkreis. Hier kann man gut erhaltene Kindersachen zum Weiterverkauf abgeben oder für wenige Euro gebrauchte Baby-, Kinder- Jugend- oder Umstandskleidung, Kommunion- und Konfirmationskleidung, Kleidung in Übergrößen, Schuhe, Kinderwagen, Buggys, Hochsitze, Reisebetten, Spielsachen, Bücher - eben alles, was man für den Nachwuchs benötigt - erwerben. red