JOsef Hofbauer

Horten die Sparkassen ihr Geld, bilden sie lieber Rücklagen, statt Gewinne an die Träger - Landkreise, Städte und Gemeinden - auszuschütten? Geld, mit dem Kulturprojekte gestemmt oder Sozialwohnungen geschaffen werden könnten, Geld, das den Bürgern zugute käme. Diese Vorwürfe erhebt das "Bürgerforum Landsberg am Lech", das sich kritisch mit dem Sparkassensystem auseinandersetzt und auch in Forchheim gravierende Mängel ausgemacht haben will.
Die Sparkasse Forchheim komme ihrem "Quasi-Zwang" zur Gewinnausschüttung nicht nach. Das Kreditinstitut hätte beispielsweise im Geschäftsjahr 2014 mit Blick auf die vorhandenen Eigenmittel sage und schreibe 4,524 Millionen Euro abführen können, hat der Sprecher des Bürgerforums, Rainer Gottwald, berechnet. Das Geld sei aber zu großen Teilen in Rücklagen geflossen, so der gelernte Banker Gottwald.


"Fehlerhaft, tendenziös"

Michael Rabich, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Forchheim, weist diesen Vorwürfe entschieden zurück. Rabich spricht von Halbwahrheiten, mit denen Rainer Gottwald argumentiere. Er gehe methodisch falsch, fehlerhaft, tendenziös und vergangenheitsorientiert vor. "Das ärgert uns deshalb", so Thomas Pötsch, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, "weil Gottwald so tut, als würden die Minimalanforderungen genügen." Die von der Bankenaufsicht geforderte Mindestqutoe von acht Prozent Eigenkapital, von der Gottwald ausgehe, sei nicht zulkunftsweisend. "Das ist zu kurz gesprungen", findet Michael Rabich. Wenn man das Risikomanagement und die Kapitalplanungsprozesse im Blick habe, sei eine Bank wie die Sparkasse Forchheim mit über 13 Prozent Eigenkapital besser aufgestellt.
Da mit der nächsten Krise zu rechnen sei, verlangten die Aufsichtsbehörden, dass ein Risikopuffer geschaffen, das Eigenkapital gestärkt werde. Das Bürgerforum lasse die Tatsache komplett außen vor, dass es zu Kapitalzuschlägen für alle Institute, etwa für Zinsänderungsrisiken, kommen werde, "die das interne Kapital weiter schmälern werden".
Die Mitglieder des Aufsichtsrates hätten "ihren gesunden Menschenverstand walten lassen", als sie sich entschieden, mit den versteuerten Gewinnen das Eigenkapital zu stärken. "Wir brauchen jeden Cent. Würden wir Gewinne ausschütten, würde unser Eigenkapital bereits 2019 für die strenger werdenden Anforderungen nicht mehr ausreichen. "Wir hätten dann ein zu geringes Risikokapital", findet Rabich.


"Wäre existenzgefährdend"

Es sei das Ziel, weiter zu wachsen, sich zukunftsfähig aufzustellen und selbstständig zu bleiben. "Eine Abführung an Stadt und Landkreis wäre in der jetzigen Situation kontraproduktiv und existenzgefährdend", verdeutlicht das Aufsichtsrats-Mitglied. Eine Gewinnausschüttung würde an der Basis nur zu einem Strohfeuer führen, die Selbstständigkeit der Sparkasse aber aufs Spiel setzen, erklärt Rabich. Gottwalds Vorwurf, dass es aufgrund einer engen Verzahnung zwischen Verwaltungsräten und Sparkassen-Vorständen sowie einer mangelnden Fachkompetenz der Kommunalpolitiker im Gremium zu einer "Atmosphäre des Einvernehmens" komme, weist Rabich zurück. Es werde alles kritisch hinterfragt. Die Bankenaufsicht habe das Handeln der Sparkasse Forchheim geprüft. Dabei habe es keine Beanstandung gegeben.