Fast nichts ist zurzeit normal. Die traditionelle Maikundgebung am Tag der Arbeit der Gewerkschaft Ver.di musste am Samstag eine Teilnehmerbegrenzung erdulden. "Brüder zur Sonne zur Freiheit", die Hymne der Arbeiterbewegung, kam auf dem Albertsplatz vom Band. Singen war den maximal 80 zugelassenen Teilnehmern wegen möglicher Ansteckungen untersagt.

Dennoch: "Wir haben bei den Maikundgebungen eine Stammkundschaft", sagte der Kreisvorsitzende des DGB, Stephan Bühling. Gewerkschaftsmitglieder und -funktionäre, Angehörige der SPD und der Jusos stellen das Gros. Aber irgendwie passte diese Veranstaltung in Corona-Zeiten mit ihrem Motto gut: "Solidarität ist Zukunft", lautete es. Martin Lücke, Vorsitzender des Betriebsrates am Klinikum Coburg und Stadtrat der SPD, sagte dann auch, Solidarität sei modern - das gelte auch für das Beachten von Hygiene-Regeln.

Wenn die weltumfassende Infektionskrankheit überwunden sei, seien die Spitzensteuersätze zu erhöhen. Aktuell werde die Wirtschaft gefördert, anschließend seien Forderungen angemessen.In seinem Grußwort bekannte sich Oberbürgermeister Dominik Sauerteig als überzeugter Gewerkschaftler. "Die Teilnahme an der traditionellen 1. Mai-Kundgebung ist für mich

mehr als ein Pflichttermin." Er sei ein junger Oberbürgermeister, der sich trotz seiner Arbeitgeberfunktion auch den Blick auf die zweite Seite der Arbeitswelt bewahre. "Wenn die Allgemeinverbindlichkeit eines Tarifvertrages für die Altenpflege an der Caritas scheitert, dann finde ich das auch als bekennender Katholik höchst fragwürdig und formuliere das auch öffentlich."

Biker-Protest gen Nürnberg

Rund fünf Dutzend Motorradfahrer haben sich am 1.Mai am frühen Vormittag auf dem Ketschenanger versammelt. "Wir wollen damit ein Zeichen gegen die Absicht aus dem Bundesrat setzen, Fahrverbote für Motorräder an Wochenenden zu

erlassen", sagte Organisator Michael Büchner. Über Soziale Medien hatten sich die Biker getroffen, um nach kurzer Zeit nach Nürnberg zu fahren. An der Noris fand am Samstag die größte Maikundgebung in Bayern mit nach Polizeiangaben rund 7500 Motorradfahreren statt.

Die Biker fühlen sich pauschal kriminalisiert. Laut Bundesratsinitiative sollen für Motorradfahrer unter anderem Fahrverbote geprüft werden, zum Beispiel an Sonn- und Feiertagen. Grund: Der Lärmschutz. Laut dem Vorstoss aus der Länderkammer sollen die Maschinen nicht lauter sein dürfen als ein Rasenmäher, das entspricht etwa 80 Dezibel. "Aber der Masse der gesetzestreuen Biker kann nicht das Recht genommen werden, am Wochenende ihrer Leidenschaft zu frönen", so Michel Büchner.

Auch die Biker mussten Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Das wurde der Coburger Polizei auch überwacht. Beanstandungen gab es keine.