Charlotte Wittnebel-Schmitz

Kratzer im Auto sind ärgerlich. Das Problem: Der Straßenverkehr wird immer dichter und damit Parkplätze begehrter. "Das Einparken ist für viele Autofahrer eine besondere Herausforderung", sagt Edgar Kast. Er arbeitete früher als Verkehrserzieher für die Polizeiinspektion Bad Kissingen und ist jetzt Seniorenbeauftragter der Kreisverkehrswacht. Kast kennt es aus Erfahrung: Die neuen technischen Hilfsmittel, die das Einparken erleichtern sollen, helfen oft nicht, um in enge Parklücken am Fahrbahnrand oder im Parkhaus zu kommen. Durch mangelnde Rücksicht oder fehlerhaftes Können ständen deshalb oft Fahrzeuge verkehrswidrig in den Parklücken und nähmen anderen Personen den kostbaren Parkraum weg. Manche Autofahrer fürchteten auch die Häme von Passanten oder den Stress, wenn andere hupten, falls das Einparken schiefgeht. Insbesondere das Rückwärtseinparken sei bei vielen Autofahrern sehr unbeliebt. "Sie fahren einfach weiter. Es verstreicht wertvolle Zeit, bis ein geeigneter und meist weiter entfernter Parkplatz gefunden ist", sagt Kast. Viele hätten schon eine Schramme im Lack am eigenen Auto oder an einem fremden Fahrzeug erlebt.

Wenn das Einparken mehrmals nicht klappe, speicherten viele Personen dies als Misserfolg ab. Dadurch parkten diese Fahrer auch später unsicher und trauten sich nicht mehr viel zu. Kaum jemand wolle zum Parkrüpel werden, aber es fehle oft an Erfahrung, Fertigkeit und Geschick. Andere hätten ihre Ungeschicklichkeit sogar verschwiegen und sich wegen Unfallflucht verantworten müssen.

Dabei könne man das richtige und gefahrlose Einparken durch fachgerechte Hilfe sehr schnell und unkompliziert lernen, sagt Kast. Das funktioniert so: Ein Fahrlehrer sitzt neben dem Fahrer und gibt Tipps. "Die Teilnehmer erhalten im ruhigen Gespräch wertvolle Instruktionen - ohne Adrenalinschübe und Schweißausbrüche." Nach kurzer Zeit verlören Autofahrer die Angst und das Parken sei kein Problem mehr.

Das Ziel: Das Einparken soll zum Automatismus werden. Das sei aber nur durch Übung zu erreichen, sagt Kast. Die Kreisverkehrswacht Bad Kissingen bietet deshalb regelmäßig eine Seniorenfahrschule an. Der Einpark-Kurs richte sich aber ausdrücklich nicht nur an Senioren. Egal welches Alter, alle seien eingeladen, ihre Parkfähigkeiten zu verbessern.

Im eigenen Auto unterwegs

"Die Kursteilnehmer fahren in ihren eigenen Autos und üben für sie schwierigen Alltagssituationen", sagt Kast. Das hätte auch den Vorteil, dass sich niemand dafür schämen müsste, im Fahrschulauto zu fahren und dann befürchten müsse, dem Klatsch und Tratsch der Mitmenschen ausgesetzt zu sein. Alle Verantwortlichen sichern den Teilnehmern völlige Diskretion zu, verspricht Kast.

Er will unsicheren Autofahrern Mut machen, über ihren Schatten zu springen. "Eine Übungsstunde mit einem Fahrlehrer ist keine Schwäche, sondern eine vorbildliche Ertüchtigung." Es sei nie zu spät, noch etwas zum eigenen Vorteil zu lernen. Auch sei es wissenschaftlich erwiesen, dass sich nach einem Auffrischungskurs viele Fehler verbesserten und Unfälle sich verhindern ließen.

Insgesamt kostet der einstündige Einpark-Kurs 50 Euro. Die Kreisverkehrswacht übernimmt davon 25 Euro. Sobald die Corona-Regelungen es zulassen, kann es losgehen.