Die Anwohnerproteste und die Berichterstattung in der Bayerischen Rundschau haben offenbar zu einer Verbesserung der Verkehrssituation in der Hainbergstraße und in der Hammergrundstraße geführt. Zumindest scheinen dort mehr Autofahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit einzuhalten. Aktuell hat die Stadt Stadtsteinach in beide Richtungen Geschwindigkeitsmessgeräte aufgestellt.

"Das haben wir in der jüngsten Stadtratssitzung einstimmig beschlossen", erklärt Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD). Weitere Maßnahmen sieht das Stadtoberhaupt allerdings als nicht gerechtfertigt. Wolfrum betont, dass auch die Polizei eine Verengung der Fahrbahn in diesem Bereich etwa durch Blumenkübel oder Barrieren nicht als zielführend erachtet.

Vielmehr wurde die Polizei nicht zuletzt durch die Presseberichterstattung auf den Plan gerufen. "Wir haben Messungen durchgeführt und festgestellt, dass sich zehn Prozent der Verkehrsteilnehmer nicht an die Höchstgeschwindigkeit gehalten haben", teilt Polizeichef Georg Löffler mit. Die massiven Geschwindigkeitsüberschreitungen, die in den Vorwochen bei den aufgezeichneten städtischen Messungen festgestellt worden waren, seien nach der Berichterstattung ausgeblieben. "Möglicherweise waren sogar Einsatzfahrzeuge daran beteiligt", räumte Löffler ein. So könnten durchaus erlaubte Blaulichtfahrten für die Rekordgeschwindigkeiten von bis zu 102 Stundenkilometern verantwortlich gewesen sein.

Die nach dem öffentlichen Wirbel tatsächlich gemessene Höchstgeschwindigkeit betrug bei den polizeilichen Messungen 61 Stundenkilometer. "Wenn die Anwohner wieder vermehrt Überschreitungen feststellen, können sie uns jederzeit anrufen. Wir führen immer wieder Messungen durch, denn wir sind für die Sicherheit und Ordnung zuständig", erklärt der Polizeichef und betont, immer wieder an verschiedenen Standorten zu kontrollieren.

Auch Löffler glaubt, dass die Berichterstattung und der Wirbel um die Raserei in diesem Bereich für "Einsehen" oder zumindest für eine kurzfristige Verbesserung der Situation gesorgt haben. Dennoch hatten die Anwohner Reinald Kolb, Ehrenfried Bittermann, Martina Gabert und Sabine Kolb im Nachgang der Sitzung noch einmal einen scharfen Brief an die Stadt geschickt.

Nicht alle Daten vorgelegt?

"Bei der Behandlung des Tagesordnungspunkts blieb den Anwesenden nicht verborgen, dass Bürgermeister Roland Wolfrum von Beginn an bestrebt war, die vorherrschende Situation zu beschwichtigen und kleinzureden. Zur Auswertung der Verkehrsdaten sollte der Eindruck erweckt werden, dass sich die Mehrzahl der Verkehrsteilnehmer an die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern hielt", so Kolb. Fakt sei jedoch, dass 88,1 Prozent zum Teil erheblich zu schnell unterwegs waren. "Ebenso darf es nicht als Kavaliersdelikt angesehen werden, wenn sich 78,9 Prozent der Fahrzeugführer im Bereich von Tempo 40 bis 50 bewegen."

Seltsam, so die Anwohner, mute an, dass nicht alle erfassten Wochen mit den entsprechenden Überschreitungen offengelegt worden sind. "Eine sachorientierte, objektive Interpretation der Messergebnisse blieb aus. Man dürfe nicht den Eindruck erwecken, dass sich die Verkehrssituation eher entspannt darstelle, prangert Kolb an, der viele Jahre kommunalpolitische Erfahrung hat. "Die Messergebnisse der weiteren drei Wochen sind nicht vorgelegt worden. Der Verdacht drängt sich auf, dass hierbei weit größere Vergehen dokumentiert wurden, die bewusst zurückgehalten werden", sagt der Anlieger und hofft, dass man die weiteren Daten noch einsehen dürfe.

Immerhin wären bei fast zehn Prozent der Verkehrsteilnehmer Bußgelder zwischen 115 und 800 Euro und Punkte in Flensburg und manchmal sogar Fahrverbote die Folge gewesen. "Wir stellen aber schon fest, dass eine Verbesserung eingetreten ist und hoffen, dass dies auch anhält. Aber jetzt ist die kalte Jahreszeit, ob alles auch im Frühling, wenn man flotter fährt, so bleibt, werden wir sehen. Wir werden die Situation beobachten und uns gegebenenfalls direkt an die Polizei wenden", meint Kolb.

Bürgermeister Roland Wolfrum hat festgestellt, dass die Blitzer über Facebook-Gruppen sofort veröffentlicht worden sind. Denn natürlich seien bei den Messungen vor allem Stadtsteinacher in die Radarfalle getappt.

Noch immer fahren viele von der Ausfahrt Mitte der Umgehung ab und queren die Hainbergsiedlung. Dabei gibt es eine geeignetere Route durch das Industriegebiet.