von unserem Redaktionsmitglied 
Friedwald Schedel

Nordhalben — Siegfried Schmieder erlebte die Wende und die Jahre danach auf fränkischer und Thüringer Seite mit: als Zweiter Bürgermeister von Nordhalben bei der Grenzöffnung, als Referent der Landräte von Lobenstein und des späteren Saale-Orla-Kreises von 1991 bis 2000 sowie als gewählter hauptamtlicher stellvertretender Landrat des Saale-Orla-Kreises ab dem Jahr 2000.
Den Lobensteiner Landrat lernte Schmieder bei der Grenzöffnung kennen. Der Landrat suchte Mitarbeiter, um die Thüringer Verwaltung nach westdeutschem Muster aufzubauen. Siegfried Schmieder hatte als langjähriger Zweiter Bürgermeister und SPD-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat die entsprechende Erfahrung.
Eine seiner Aufgaben an den Landratsämtern in Lobenstein und Schleiz war es, die Mitarbeiter auf eventuelle Stasi-Mitarbeit zu überprüfen. Er stellte fest, wie viele der damals 400 Mitarbeiter des Landratsamts Lobenstein stasibelastet waren. "Da waren Leute drunter, von denen man das nie gedacht hätte", schüttelt Schmieder noch immer ungläubig den Kopf. "Das hat mich sehr betroffen gemacht, als ich gelesen habe, dass Leute selbst ihre Angehörigen und Freunde bespitzelt haben." Kein Vergleich zum Ehrenamt des Zweiten Bürgermeisters von Nordhalben war der hauptamtliche Job des stellvertretenden Landrats des Saale-Orla-Kreises, der 1994 aus den Kreisen Lobenstein, Pößneck und Schleiz gebildet wurde. Siegfried Schmieder erhielt das Vertrauen der Bürger bei der Wahl im Jahr 2000. Das bedeutete für ihn besonders im Sommer eine Sieben-Tage-Arbeitswoche mit 80 bis 90 Einsatzstunden. "Es war eine große Verantwortung und es hat Spaß gemacht, denn zu diesem Zeitpunkt war das Geld in den Neuen Bundesländern noch reichlich vorhanden. Da konnte man gestalten, musste nicht nur verwalten", sagt Schmieder. Die Infrastruktur musste total erneuert werden. Zum Teil wurde aber - gegen seinen Rat - über das Ziel hinausgeschossen, beispielsweise beim Bau des Bads in Bad Lobenstein. "Ob die 27 Millionen Euro langfristig sinnvoll ausgegeben und gerechtfertigt waren, sei dahingestellt", macht sich Siegfried Schmieder Gedanken, wie die Unterhaltskosten aufgebracht werden können.
Nur von ganz wenigen Thüringern wurde er als "Besser-Wessi" gebrandmarkt. Zu 95 Prozent sei seine Arbeit geschätzt und anerkannt worden, sagt Schmieder.