von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Bad Staffelstein — "Wenn ich das Abitur schaffe, laufe ich einen Marathon!" Als die Stublangerin Sandra Nossek sich dieses Versprechen abnahm, war sie dem Laufsport schon verbunden. Das Abitur bestand sie, den Marathon lief sie. Überhaupt blieb die Frau dem Laufsport erhalten. Als Aktive und Lehrende ist sie eine Adresse im Laufsport am Obermain.
Leichtfüßigkeit. Das ist das erste Wort, das einem einfällt, sieht man Sandra Nossek sich bewegen. Die für den TSV 1860 Staffelstein startende und trainierende Frau ist eine sich akkurat bewegende. Das sieht man besonders dann, wenn sie dem Nachwuchs vormacht, wie er aus den Startlöchern kommt, wie er zwischen Begrenzungen tippelt oder das Tempo anzieht.


Übung macht den Laufmeister

Sie selbst glaubt, dass ihrer Leichtfüßigkeit tagesformabhängig ist: "Manchmal denke ich, ich fange mit dem Laufen erst gerade an." Das sagt eine bayerische Vizemeisterin im Marathon, Drittplatzierte im Halbmarathon und Zweitplatzierte auf der 10-Kilometer-Strecke - in den jeweiligen Altersklassen.
Die Ursprünge für ihren guten Laufstil vermutet die 45-jährige Diplom-Sozialpädagogin darin, dass sie schon in jungen Jahren angefangen habe. Vor beinahe 30 Jahren sei sie vom Lichtenfelser Trainer Helmuth Vetter trainiert worden. Allerdings in Leichtathletik allgemein, noch ohne jede Spezialisierung. Er habe dann jemanden für eine Fünfkampf-Mannschaftsmeisterschaft benötigt und sie habe "die 800 Meter gemacht". "Die 800 Meter waren unbeliebt, weil man sich quälen muss." Was mit 800 Metern begann, wuchs sich bis zu 42 195 Metern aus.
Ob sie während ihrer Laufkarriere größere Verletzungen hatte? "Ne", wiegelt Sandra Nossek ab. Eine Knie-OP, das sei alles. "So lange ich meinen Laufsport machen kann, ist das okay", findet die in der Drogenarbeit und bei der Jugendhilfe tätig gewesene zweifache Mutter. Derzeit arbeitet sie im Schulsozialwesen, weiß also mit jungen Menschen umzugehen. Das hört auch nach Feierabend nicht auf. Als ihre Kinder klein waren, hat sie das Mutter-Kind-Turnen geleitet, später unterrichtete sie Spiel und Bewegung für Kinder ab sechs Jahren. Mit 39 Jahren folgte dann der Trainerschein für Leichtathletik - und mit ihrem Trainerkollegen Kurt Herbicht kümmert sie sich nun um den Nachwuchs des TSV Staffelstein.
Was sich da an Fragen zum richtigen Training auftun, kann beim eigenen Laufen überdacht werden. Doch neben dem wöchentlichen Kinder- und Jugendtraining warten noch Bürokratie und Zeitaufwand: das Ausfüllen von Bögen für Sportabzeichen und Wettkampfbegleitungen für die Jugend. Nicht zu vergessen die Trainerfortbildungen, zwei- bis dreimal jährlich für einen Tag.
Die Zukunft des Laufsports sieht sie nachdenklich, aber nicht düster: "Kinder lassen sich auch heute noch für das Laufen begeistern. Das kritische Alter liegt bei zwölf bis 14 Jahren - denn da entscheidet sich, ob sie mit Sport weitermachen." Ein Wettkampfmuss gibt es nicht, aber wenn Sport und Bewegung in jungen Leben verankert werden, würden diese von Menschen auch in späteren Lebensphasen wieder aufgegriffen werden. "Wichtig ist, dass Bewegung und Freude erlebt werden."
Aber was ist außer der Freude an der Bewegung noch so begeisternd am Laufen? "Dass man in der Natur ist, dass das Laufen für den Stressabbau gut ist, dass es nicht zeitintensiv ist, man kann immer laufen und ist nicht auf Öffnungszeiten angewiesen..." - die Frau sprudelt nur so, wenn sie die Vorzüge dieses Sports auflistet. Und sie hält ihm aus eigener Beobachtung noch etwas zugute: "Wir stellen immer fest, Läufer wirken meist weitaus jünger - Laufen gibt eben geistige Frische." Darum könne sie sich auch vorstellen, auch mit 80 Jahren noch Trainingsstunden zu geben.