Es erinnert an ein Schachbrett: Auf dem ehemaligen Vorplatz der Firma Kohlen-Puff sind quadratische Markierungen auf dem Boden zu sehen. In jedem der Felder steht eine Person – in Summe dürften es 50 sein. Zwei Meter Abstand zum Nebenmann. Alle haben Plastiktüten oder kleine Handwägen mitgebracht. Die meisten tragen Mundschutz und Handschuhe. Manche lehnen am angrenzenden Zaun – die Mittagssonne macht träge. Alle 90 Sekunden betritt einer der Anwesenden das rote Backsteingebäude. Der Rest rückt schrittweise auf.

"Das ist alles etwas umständlich, aber es geht momentan nicht anders", erläutert Jürgen Kroos die Vereinzelungsstrategie. Der Pressesprecher der Coburger Tafel fügt hinzu: "Wir wollen so das Infektionsrisiko minimieren. Das klappt auch ganz gut – ein Tafelbesuch ist momentan sicherer als der Einkauf im Supermarkt." Auch, weil jeder Schutzkleidung trägt. Zudem gebe es keine "Revoluzzer", die sich nicht an die Regeln halten wollen, betont Kroos. "Wir sind wirklich glücklich, dass wir so rücksichtsvolle Kunden haben", ergänz seine Frau Edda Kroos, die Leiterin der Tafel.

Ältere bleiben zuhause

Normalerweise kämen zwischen 500 und 600 Personen pro Woche. Aktuell seien es nur etwa 400. Das liege daran, dass einige der Bedürftigen zur Gruppe der Risikopersonen zählen, erklärt Edda Kroos. Zudem hätten viele nicht gewusst, dass der Betrieb trotz Corona weiterläuft. "Wir sind die einzige Tafel in Oberfranken, die noch offen ist", sagt sie mit Stolz in der Stimme. Die älteren Helfer seien gebeten worden, zuhause zu bleiben. Deren Arbeit übernehmen fortan Studenten der Hochschule Coburg. Die müssen aber erst angelernt werden. Dass die Essensausgabe aktuell stark entschleunigt wurde, kommt ihnen etwas entgegen – es dürfen nur zwei Besucher gleichzeitig in einem Raum sein.

Symbolischer Obolus

Ewald Eichhorn kommt schon seit einigen Jahren zur Tafel. Nachdem er lange anstehen musste, ist er nun an der Reihe. Mit einem Rucksack und zwei Tüten passiert er den Eingangsbereich. Dort sitzen zwei Mitarbeiter hinter einer Plexiglasscheibe. Auch hier: Mundschutz und Handschuhe. Sie registrieren den Coburger – er zahlt einen symbolischen Obolus von 2,50 Euro. Danach betritt er einen Gang und biegt nach links ab. Im ersten Raum gibt es Backwaren, im zweiten Gemüse. Ehrenamtliche mit Schutzkleidung stehen hinter provisorischen Theken aus Kisten und geben die Waren aus – jeder bekommt so viel er tatsächlich braucht: Familien mehr als Alleinstehende. Edda Kroos übergibt Ewald Eichhorn eine Hand voll Möhren. Lauchzwiebeln landen ebenfalls in seiner weißen Plastiktüte. "Es dauert zwar ein bisschen länger, aber ich kriege alles, was ich brauche", erzählt er. Darüber, dass die Coburger Tafel geöffnet bleibt, ist er froh. Als er noch zwei Gurken bekommt, strahlen seine Augen unter der grünen Schirmmütze. Er geht ein paar Meter weiter, damit Platz für einen Nachrücker ist.

Lebensmittel reichen aus

Am anderen Ende des Raums gibt es Obst. Im angrenzenden Zimmer sind Milchprodukte, Antipasti und Wurst zu finden – in großen Mengen. "Wir haben momentan ausreichend Lebensmittel, um alle zu versorgen", sagt Jürgen Kroos. Die Vorräte seien so üppig, dass ein Teil des Gemüses an einen Gnadenhof für Tiere abgeführt werden kann. Sogar der Zirkus in Dörfles-Esbach bekomme gelegentlich eine Kleinigkeit – der darf weder Vorstellungen geben, noch weiterziehen.

Dennoch sei es wichtig, dass jeder Bedürftige nur die Menge an Lebensmitteln bekommt, die er auch braucht – besonders dieser Tage. "Es gibt immer mal Kunden, die mehr wollen. Mit der Zeit lernen sie aber, dass das bei uns so nicht funktioniert. Wir haben da klare Regeln", berichtet Jürgen Kroos.