Gespannt wartet die Siedlergemeinschaft Seßlach, ob sie erneut beim Bundeswettbewerb des Verbands Wohneigentum punkten kann. 2020 vertreten die Seßlacher zum zweiten Mal Bayern bei der Suche nach den besten Siedlungen Deutschlands, die heuer unter dem Motto "Lebendige Nachbarschaft - gelebte Nachhaltigkeit" steht. 2013 hatten sie die Silbermedaille gewonnen. Wegen der Corona-Pandemie musste die Deutschland-Rundreise der Jury dieses Mal digital und telefonisch durchgeführt werden.

"Eine Jury zu überzeugen, die nicht vor Ort ist, stellt keine leichte Aufgabe dar", sagte Erwin Gradl bei der Hauptversammlung im Siedlerheim. Dennoch hofft der langjährige Vorsitzende "auf einen Spitzenplatz". Immerhin hätte sich die Siedlergemeinschaft in den letzten Wochen "mit Tatkraft und Ideenreichtum" der Herausforderung gestellt. Virtuelle Rundgänge, Kurzinterviews, Fotos und Broschüren sollten die persönliche Begegnung ersetzen. Gradl dankte allen Teilnehmern.

Auch Hans-Jürgen Amend, der stellvertretende Bezirksvorsitzende, traute den Seßlachern eine Platzierung "im vorderen Bereich" zu. Amend: "Ich wünsche euch, dass ihr wieder so gut abschneidet wie beim letzten Mal." Der Vertreter des Bezirks war es auch, der 2013 "den Stein ins Rollen brachte", wie Gradl es ausdrückte. Bewirb dich doch mal, habe Amend zu ihm gesagt, erinnert sich der Vorsitzende.

Ehrung mit Abstand

Nicht nur die 27. Auflage des traditionsreichen Wettbewerbs hatte in diesem außergewöhnlichen Jahr ein neues Format. Erst musste die Versammlung um fast ein halbes Jahr verschoben werden. Dann konnte der Vertreter des Bezirks nur mit Abstand gratulieren, statt wie üblich den Jubilaren persönlich die Nadel anzuheften und die Urkunde zu überreichen. Beides lag auf dem Tisch für die Geehrten bereit. Die "Goldhochzeit mit der Siedlergemeinschaft" konnte Franz Steinert feiern. Auf zehn Jahre weniger bringt es mit vier Jahrzehnten Mitgliedschaft Hans Vogt. Urkunde wie Nadel für 40 Jahre stehen auch Anni Lindner, Käthe Müller, Harald Gabert, Hubert Philipp, Uwe Schmidt, und Leo Schellenberger zu. Von den silbernen Jubilaren Dieter Nees, Jürgen Zwack, Günter Goldhammer, Klaus Prediger, Ferdinand Schmitt, Anton Brückner und Cornelia Trescher-Wilhelm war niemand zugegen. Für 20 Jahre Mitarbeit als Beisitzerin im SG-Vorstand erhielt Regina Autsch die Ehrennadel mit Urkunde.

Zuvor hatte Gradl auf ein "erfülltes Siedlerjahr 2019" zurückgeblickt. Der Mitgliederstand zum Jahresende betrug 220. 2020 wurden schon zehn neue Mitglieder aufgenommen. Als Zusatz zur Satzung billigten die Anwesenden eine geringe Aufwandsentschädigung für den Vorsitzenden (100 Euro) und die Zeitungsausträger (10 Cent pro Zeitung). Dass nach dem Aus für die Strabs nun die Strebs kommt, also Grundstücksbesitzer für die Erschließung ihrer Grundstücke zahlen müssten, die bis zu 25 Jahre zurückliegen könnte, hielt Amend für unwahrscheinlich. Für den Bezirksverbandstag am 21. April 2021 in Bindlach, zu dem er einlud, kündigte der stellvertretende Vorsitzende seinen Rückzug nach 28 Jahren an. Auf den Sommer 2021 verschoben wurde das Jugendzeltlager des Verbands. Bettina Knauth