"Wie können wir mehr Leben in die Seßlacher Altstadt bringen?" Darüber haben sich einige dort ansässige Einzelhändler Gedanken gemacht. Vor vier Wochen trafen sich alle Interessierten im alten Ratssaal zu einem Meinungsaustausch. Eine Idee: "Wir könnten uns in einem Film vorstellen!"

Gesagt und schnell umgesetzt: Am vergangenen Samstag wurde in sieben Geschäften privat gedreht. Einige wenige Minuten hatten die Inhaber Zeit, sich und ihr Angebot dem breiten Publikum zu präsentieren. "Viele Besucher wissen gar nicht, dass die Seßlacher Altstadt außer guten Gastronomie-Betrieben auch ein breitgefächertes Warenangebot bereithält", sagt Frank Hebing, einer der Initiatoren. Das soll das fertige Filmchen ändern. Auch wenn die einzelnen Geschäfte nicht als Tourismusmagnet dienten, so spielten sie doch eine wichtige Rolle, zeigt sich der Werkpädagoge überzeugt: "Wer in den Genussort Seßlach kommt, den locken nicht nur Schäufele, unser Kommunbräu oder das Ambiente in und um die Stadtmauer allein. Ein Bummel durch die Geschäfte gehört ebenfalls dazu."

"Länger schaut niemand hin"

Mehr als drei Minuten lang soll der Film nicht werden. "Länger schaut niemand hin", meint Hebing. Der Erbauer ungewöhnlicher Gitarren betreibt mit seiner Frau Gerlinde in der Marktpassage den Laden "Zwei in eins". Zu seinen Gitarren gesellen sich dort ihre handgefertigten Strick-Unikate samt Zubehör. Auch der Antikladen "Anno dazumal" von Sigrun Meyer, die Bäckerei Schoder, Blumen Then und Petra Föllmer vom "Haus No. 46" mit Wohnaccessoires und "Herzensdingen". Außerdem sind Petra Jahrsdörfer mit ihren Läden "süß - würzig - duftig" sowie "Schöne Dinge" mit Dekorationsartikeln für Haus und Garten und das Weinhaus am Maximiliansplatz mit von der Partie. "Trotz aller Bemühungen haben nicht alle Händler mitgemacht", bedauert Hebing. "Endlich tut sich etwas", freuten sich andere über die Initiative und sind "froh dabei zu sein". "Wir wollen vor allem die Neubürger, aber auch Bürger anderer Stadtteile darauf aufmerksam machen, dass es hier im Ort Dinge wie Antiquitäten, Backwaren, Blumen, Deko-Artikel, Gewürze, Mode, Wein und das Bier aus dem Seßlacher Kommunbrauhaus gibt", erläutert Ernst Ehrl, Inhaber des Weinhauses.

Notwendigkeit zum Handeln sehen alle Geschäftsinhaber. Seit Eröffnung des großen Einkaufsmarktes am Ortseingang gingen Umsätze zurück. Nach Errichten des neuen Ärztehauses, in das vor kurzem auch Apotheke und Physiotherapie-Praxis umsiedelten, und der wochenlangen Umleitung wegen der Baustelle vor dem Hattersdorfer Tor sank die Besucherfrequenz in der Altstadt erneut. Hinzu kommen die Folgen der Corona-Pandemie, vom Lockdown bis zur Absage der beliebten Seßlacher Feste und Veranstaltungen. Zuletzt wurde auch der Adventsmarkt vom Stadtrat für 2020 bereits abgeblasen. "Natürlich können wir mit einem Vollsortimenter nicht konkurrieren, zumal wir den im Stadtgebiet brauchen", so Ehrl. Aber auf ihrem Gebiet böten die Händler hochwertige und besondere Waren, die einen Besuch lohnten. Anders als ein Supermarkt lade Seßlach mit seinem Ambiente und seiner am Wochenende verkehrsberuhigten Innenstadt zu einem Bummel ein.

Fränkischer Sprecher gesucht

Bis Ende der Woche wollen die Beteiligten den Rohschnitt der einzelnen Einstellungen begutachten. Ein erster Entwurf lag bereits am Dienstag vor. "Noch ist es zu lang", meint Ursula Schoder, für sie kommt auch Seßlach mit seinem Flair noch zu kurz. Für mehr Lokalkolorit wird noch ein Sprecher mit fränkischem Akzent die einzelnen Läden vorstellen. Schon ab nächster Woche soll der Beitrag dann über die sozialen Medien verbreitet werden.

Die Verwaltung hat der Initiative bereits ihre Unterstützung zugesagt. Auf der Homepage der Stadt wird der Beitrag über die ortsansässigen Läden ebenfalls zu sehen sein. Bürgermeister Maximilian Neeb begrüßt die Idee: "Wenn sich die Einzelhändler unseres Stadtgebiets zusammenschließen und wir als Stadt unkompliziert Hilfe leisten können, ist das für uns eine Selbstverständlichkeit."

Als seine Stellvertreterin Renate Schubart-Eisenhardt mit der Anfrage auf ihn zukam, ob der Imagefilm seitens der Stadt beworben werden könne, habe er gleich zugesagt. "Das finde ich gut, denn wir müssen schon etwas für die Innenstadt tun", kommentiert Petra Jahrsdörfer. Auch in Seßlach, das zu den 100 Genussorten in Bayern zählt, spiele sich jetzt viel vor den Toren ab. Ihre Kritik: Entscheidungen der Verwaltungen würden meist ohne Gespräche mit den Händlern getroffen, wie gerade die Absage des Coburger Weihnachtsmarkt zeige. "Wir Händler werden gar nicht gefragt, aber wir sind davon abhängig", moniert sie.

"Jetzt haben wir erst einmal für uns etwas gestartet", meint Ehrl. In einem nächsten Schritt wollen sich die Einzelhändler mit den Gastronomiebetrieben der Altstadt zusammensetzen, um zu beraten, mit welch weiteren Aktionen alle auf sich aufmerksam machen können. "Das Zusammenspiel muss erst noch geweckt werden", meint Hebing. Auch ein Treffen mit allen Einzelhändlern aus den Ortsteilen ist geplant. In einem nächsten Schritt sollten Ehrl zufolge ebenfalls Dienstleister wie Frisör, Kosmetiker und Fußpfleger mit einbezogen werden. Allen müsse klar werden, "was gerade Corona mit uns anstellt", so Hebing. Die Situation werde sich in Herbst und Winter noch verschärfen.