Corona, Schweinepest und immer neue Auflagen machen es vor allem den Schweinhaltern unter den Landwirten zurzeit alles andere als leicht. Die weltweite Gemengelage führte unter anderem zu einem regelrechten globalen Schweinekarussell. Das wurde beim virtuellen Stallgespräch deutlich, zu dem der Bauernverband in den Landkreisen Coburg und Lichtenfels eingeladen hatte.

Während Stefan Scheler mit der Kamera in der Hand durch seinen Schweinestall in Buchenrod geht, schildert er die Probleme vor denen er wie fast alle seine Berufskollegen gerade steht. Es ist vom Schweinestau die Rede. Der entstand, weil durch Corona die Schlachtbetriebe teilweise nicht oder nur sehr reduziert arbeiten konnten und bis heute können. Die Schweine wachsen, während sie auf die Schlachtung warten. Überschreiten sie den geforderten Gewichtsbereich, gibt es Abschläge am Preis, weil die Verarbeitung schwieriger wird. "Teilweise bekomme ich für ein Schlachtschwein dann den Preis, der für Muttersauen gerechnet wird", erklärt Stefan Scheler. Statt 1,19 Euro je Kilo sind das 65 Cent. Und mit jedem Tag, an dem die Tiere länger im Stall stehen, steigen auch die Kosten.

Was an Schweinen dann doch geschlachtet wird, kann auch verkauft werden, beobachtet Stefan Scheler. Dann geht ein Teil der Schlachtkörper auf Reisen. Allerdings nicht nach Asien, wohin früher viel exportiert wurde. Weil es in Deutschland erste Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gab, nimmt kein asiatisches Land mehr Tiere aus Deutschland an. Das hat den Export in Spanien angekurbelt. Denn Spanien hatte bisher noch kein ASP-Problem. Weil am asiatischen Markt bis zu 3,40 Euro erzielt werden, verkaufen die Spanier ihre Tiere in großem Maßstab dorthin. Den eigenen Bedarf decken sie mit deutschem Schweinefleisch, das sie günstig einkaufen. Auf dem spanischen Markt liegt der Preis dann um 40 bis 45 Prozent höher als in Deutschland. "Kurz gesagt, es lohnt sich", sagt Stefan Scheler.

Drauflegen bei jedem Schwein

Für ihn lohnt sich seine Arbeit seit Monaten nicht mehr. Seit der Probleme, die mit Corona auf die Landwirte zukamen, rechnet er mit einem Verlust von zehn bis 25 Euro nach den tatsächlichen Kosten je Schwein. Angesichts des Rates aus der Politik, die Bauern könnten doch einfach mal eine Weile keine Schweine erzeugen, damit sich der Stau auflöst, kann Stefan Scheler nur den Kopf schütteln. Von dem Moment an, wo eine Muttersau gedeckt wird, dauert es fast ein Jahr, ehe ein Schwein verkauft wird. Das ist kein Prozess, den man mal eben ein paar Wochen anhalten kann.

Die 1200 Schweine im Stall von Stefan Scheler gliedern sich in drei Gruppen à 400 Tiere. Alle sechs Wochen etwa geht eine Gruppe in den Verkauf und es rückt eine neue nach. Als er den Stall 2005 gebaut hat, geschah diese hohe Investition natürlich nach allen geltenden Vorschriften. Die Finanzierung basierte auf einer Auslastung mit Schweinen, für die damals 0,75 Quadratmeter Platz gesetzlich vorgeschrieben wurden. "Ich halte aber 0,83 Quadratmeter schon länger ein", sagt der Landwirt. Dieses Platzangebot je Schwein ist gerade in der Diskussion. Mittelfristig sollen es 1,1 Quadratmeter werden. Das würde bedeuten, dass Stefan Scheler noch deutlich weniger Tiere halten kann - mit entsprechend weniger Einnahmen. Gleichzeitig müsste er wohl auch noch Geld ausgeben. Denn die Forderung nach mehr Tierwohl könnte ihn zwingen, in Umbauten zu investieren, die ihm in den vergangenen 20 Jahren gar nicht erlaubt gewesen wären. Denn Auslauf in einem Außenklimastall galt als zu emissionsintensiv. Die Tiere bekamen keinen Kontakt mit Stroh aus Furcht vor Krankheiten. Wer den Stall betritt, muss sich umziehen und ein Desinfektionsbecken durchlaufen. Plötzlich soll das alles nicht mehr gelten, weil - wie es Stefan Scheler wahrnimmt - eine kleine Gruppe in der Gesellschaft ständig neue Forderungen stellt? Er rechnet damit, dass viele seiner Kollegen ihren Hof unter solchen Bedingungen nicht mehr werden halten können.

Das auch, weil die Ausfälle seit Beginn der Corona-Maßnahmen in der Regel nicht entschädigt werden.Um von staatlichen Hilfspaketen zu profitieren, müsste Stefan Scheler nachweisen, dass er mindestens ein Drittel Umsatzverlust zu erleiden hat. "Da wird mir aber vorgerechnet, dass ich ja eine Photovoltaikanlage auf dem Stall habe, die keinen Umsatzverlust hat und dass ich ja auch aus dem Marktfruchtanbau weiterhin Einnahmen habe", sagt er.

Vorwurf an die Politik

Stefan Scheler ist ein Beispiel für eine Situation, die viele betrifft, betont Hans Rebelein, Geschäftsführer beim Bayerischen Bauernverband in Coburg: "Die größten Probleme haben derzeit die Tierhalter. Die schwierige Situation im Milchbereich, wo der Einzelhandel seine Machtposition gnadenlos ausnützt und den Butterpreis ohne Grund letzte Woche um 50 Cent pro Kilo gesenkt hat. Und natürlich im Fleischbereich, hier vor allem bei den Schweinehaltern.

Die Pandemie hat die Situation massiv verschärft und zeigt auch die Fehler der Politik auf, die bei der Schlachtstruktur in Deutschland gemacht wurden. Das beste Beispiel ist die Stadt Coburg. Durch politische Entscheidungen wurde der Schlachthof in Coburg vor Jahren geschlossen. Heute wären wir dankbar, wenn es diesen Schlachthof noch geben würde."

Viele Bauern haben laut Hans Rebelein Angst, wie sie im Falle einer Covid-Erkrankung die Versorgung ihrer Tiere sicherstellen sollen, und wären deshalb bereit, sich impfen zu lassen. Daher solle die Politik seiner Ansicht nach darüber nachdenken, wie sie bei der Impfstrategie mit den Bauern umgeht. Und wie sieht der BBV-Geschäftsführer die Unterstützung durch die Politik? "Lassen Sie es mich so sagen: Wir erfahren von der Politik vor Ort sehr viel Verständnis, aber die tatsächliche Unterstützung vermissen wir schon. Was wünsche ich mir von der Politik? Schnelle Unterstützung der Tierhalter; bezüglich der Milchpreise, dass die Marktmacht der Discounter eingeschränkt wird, und schnelle Hilfe für die Schweinebetriebe.

Von der Gesellschaft wünsche ich mir das Einkaufsverhalten, wie es bei den Umfragen dargestellt wird: qualitätsbewusster und regionaler."