Stephan Herbert Fuchs

Eigentlich wollte sie die rund 450 Kilometer von Köln nach Kulmbach fahren. Doch schon nach etwa 30 Kilometern war in Bonn Endstation. Ein Kontrolleur der Deutschen Bahn hatte die 28-jährige Frau aus Kulmbach beim Schwarzfahren mit dem ICE erwischt. Vor dem Amtsgericht in Kulmbach wurde sie deshalb jetzt wegen "Erschleichens von Leistungen" verurteilt. Statt der knapp 100 Euro für die einfache Fahrt muss sie nun eine Geldstrafe in Höhe von 700 Euro (70 Tagessätze zu jeweils zehn Euro) bezahlen.

Die junge Frau steht nicht nur unter Betreuung, sie gab auch zu, drogenabhängig zu sein. Deshalb habe sie sich eine entsprechende Therapieeinrichtung im Raum Köln ansehen wollen, in die sie wahrscheinlich schon bald umziehen wird. Ein entfernter Bekannter hatte sie nach Köln gefahren. Doch der Mann war wohl nicht der zuverlässigste. Nach der Besichtigung war er plötzlich weg und kam nicht wieder. "Er hat mich einfach an einer Tankstelle sitzen lassen", sagte die Frau, die kein Geld einstecken hatte und derzeit noch an einer stationären Entwöhnungsbehandlung in einer Suchtklinik teilnimmt.

Also machte sie sich auf zum Kölner Hauptbahnhof und bestieg den ICE in Richtung Nürnberg, um wieder nach Hause zu kommen. 10,60 Euro hätte die Fahrt von Köln nach Bonn gekostet, sagte der Zugbegleiter, der die Frau erwischt hatte. 60 Euro fordere die Bahn jetzt zusätzlich von ihr, denn zum Fahrpreis komme noch eine Art "Fangprämie" dazu. Der Zugbegleiter wusste auch, dass die Frau nach ihrem Rauswurf später von einem Verwandten aus Kulmbach abgeholt wurde.

Wegen verschiedener Drogendelikte war die von Hartz-IV lebende Angeklagte schon in der Vergangenheit immer wieder aufgefallen und mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Zuletzt wurde sie vor wenigen Monaten mit Betäubungsmitteln erwischt und zu einer Geldstrafe verurteilt. Jetzt forderte Staatsanwalt Eik Launert 80 Tagessätze, schließlich sei die letzte Verurteilung noch gar nicht so lange her. Verteidiger Ralph Pittroff aus Kulmbach sah dagegen 50 Tagessätze als ausreichend an. Richterin Sieglinde Tettmann urteilte auf 70 Tagessätze. Die Höhe eines Tagessatzes liegt bei Hartz-IV-Empfängern obligatorisch bei zehn Euro. Die Angeklagte habe spontan gehandelt, von Anfang an alles zugegeben und sei ohne Geld weit weg von zu Hause sitzen gelassen worden, das alles hielt ihr Tettmann zugute.