Werner Zahner sitzt alleine im Klassenraum an seinem Pult. Alle Stühle sind leer; auf den Schultischen reiht sich ein Rechner an den anderen. Über das Mikrofon seines Computers gibt der Studiendirektor seiner Mechatroniker-Klasse Anweisungen. Der Lehrer kann die Auszubildenden im Distanz-Unterricht zwar nicht sehen - aber anhand von Bewegungen auf den Rechnern ausmachen, ob die Schüler an ihrer Aufgabenstellung arbeiten. Möglich macht diesen digitalen Unterricht das Projekt "PerLen 4.0", durch das die Schüler via Internet auf Hard- und Software der Schule zugreifen können.

Der auf drei Jahre angelegte Schulversuch war ein wichtiges Auswahlkriterium, mit dem es die Kronacher Lorenz-Kaim-Schule als einzige Berufsschule in ganz Bayern in die nächste Runde des "Schulpreises 2020/21 Spezial" geschafft hat.

"Wir werden nach Corona nicht mehr zu einer Normalität wie vor Corona zurückkehren - nicht die Gesellschaft, nicht die Unternehmen und auch nicht die Schulen", ist sich Schulleiter Rudolf Schirmer sicher.

Der Name setzt sich zusammen aus dem Begriff "Personalisiertes Lernen". 4.0 soll auf ein neues Zeitalter der Bildung hinweisen. Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Erprobung digital gestützter, personalisierter Lehr-Lern-Arrangements, die stärker die unterschiedlichen Voraussetzungen der Auszubildenden - etwa Bildungsniveau und Leistungsstand - berücksichtigen und gezielt auf die Herausforderungen der Wirtschaft 4.0 vorbereiten.

Marie Böhmer und Joane Sharma sind Mechatronikerinnen im zweiten Lehrjahr. "Es dauert eine Zeit, bis man sich reinfindet. Jetzt aber arbeiten wir damit auch im Homeschooling, und es funktioniert gut", lobt Marie Böhmer. Das Lernen daheim empfinde sie sogar effektiver, da sie sich alleine besser konzentrieren könne.

"Eigentlich ist es fast wie normaler Unterricht", schließt sich ihr Joane Sharma an. Ein Defizit sei in ihren Augen die eingeschränkte Kamerafunktion.

Sehr dankbar für die Möglichkeit dieses Distanz-Unterrichts ist auch Luca Troche, der ein Dualstudium Mechatronik absolviert. Nach den ersten beiden Wochen Homelearning mit "produktivem Chaos", sei er schnell zu Resultaten gekommen, die sich in einem sehr guten Ergebnis bei seiner Gesellenprüfung widerspiegelten.

"Gelebte Visionen"

Luca Troche war es auch, der sich den Fragen von Jury-Mitgliedern des Deutschen Schulpreises gestellt hatte. Auch weitere Vertreter der Schule erläuterten dabei Motivation, Ziele und Umsetzung des Projektes. Ein Berater hatte sich bei einer Vor-Ort-Führung ein Bild von der Schule gemacht. hs