Die Corona-Inzidenzwerte im Landkreis Kulmbach liegen so hoch, dass Menschenansammlungen zu vermeiden und die Geschäfte noch weit entfernt von jeglichen Öffnungsgedanken sind. Die britische Variante des Virus breitet sich rasant aus. Dennoch werden aktuell im Landkreis die Abschlussklassen im Wechselunterricht beschult. Inzidenzunabhängig. Und seit Montag sind auch die Abschlussjahrgänge der Fachschulen zurück. Das Landratsamt Kulmbach hat die Schulen jetzt mit Schnelltests ausgestattet. Durchgeführt werden sollen sie in der Schule, unter Anleitung der Hygienebeauftragten und Klassenlehrer.

"Wir haben vom Landratsamt 280 Tests bekommen. Zwei Tests für die Lehrkräfte pro Woche und zwei für die Schüler. Eigentlich wäre nur einer üblich", sagt der Leiter des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums, Horst Pfadenhauer. Er sieht die Schnelltests als weiteren Mosaikstein in der Bekämpfung der Pandemie.

Alle Schüler machten mit

"Wir haben einen Eltern-Schülerbrief aufgesetzt und haben ein Erklärvideo rumgeschickt", erläutert Pfadenhauer. Unter Sicherheitsabstand wurden die Testungen dann unter Anleitung des Hygienebeauftragten Sebastian Müller und der jeweiligen Lehrer der ersten Stunde durchgeführt. Ausnahmslos alle Schüler unterzogen sich dem Schnelltest.

"Wir wurden mit den Selbsttests ausgestattet und haben diese ordnungsgemäß, so wie es vorgegeben war, durchgeführt. Zu Zahlen kann ich nichts sagen. Das ist nicht relevant", erklärte Bastian Priemer vom Caspar-Vischer-Gymnasium.

Schüler kommen teils von weit her

Die größte Herausforderung hatte das berufliche Schulzentrum zu meistern. Denn neben den Abschlussklassen der FOS-BOS kehrten auch die Abschlussjahrgänge der Fachschulen zurück. Damit sind im Beruflichen Schulzentrum so viele Schüler wie sonst nirgendwo wieder im Präsenzunterricht. Zweites Problem: Die Schüler kommen teils von weit her.

"Ich besuche die Fachschule für Heizungstechnik", erklärte Christian Hempfling. Am Montag begann für ihn zum ersten Mal wieder der Unterricht, nach wochenlanger Online-Phase. Hempfling kommt aus Coburg. "Der Test ist freiwillig, aber ich mache ihn trotzdem. Ich habe zwar keine Beschwerden, aber man kann trotzdem schauen, wie er ausfällt", sagt Hempfling. Von den Hygienebeauftragten der Schule ließ er sich einweisen: Er träufelte zehn Tropfen Entwicklerflüssigkeit ins Röhrchen und nahm den Abstrich an der Nasenscheidewand. "Ein schönes Gefühl ist das nicht, aber ich hätte es mir eigentlich schwieriger vorgestellt", kommentiert der Schüler. Dann entsorgt er seine Testutensilien und wartet mit seiner Entwicklerplatte auf das Ergebnis. Draußen, in Sicherheitsabstand.

Nur fünf Tropfen der Abstrichflüssigkeit genügen, um festzustellen, ob jemand mit dem Covid-19-Virus infiziert ist oder nicht. Die Schnelltests funktionieren ähnlich wie ein Schwangerschaftstest. Innerhalb einer Viertelstunde zeigt das Plättchen ein Ergebnis an. Wenn nur ein Strich beim Buchstaben C ist, bedeutet dies, dass der Test negativ und die Testperson gesund ist. Wenn nur ein Strich beim T ist, wurde irgendetwas falsch gemacht. Dann ist der Test ungültig. Und diejenigen, deren Test zwei Striche zeigt, werden als positiv betrachtet. "Der Test ist nur eine Momentaufnahme. Wenn jemand ein positives Ergebnis hat, dann geht der unverzüglich nach Hause und setzt sich mit seinem heimischen Gesundheitsamt in Verbindung, um noch einen PCR-Test vornehmen zu lassen", sagte Schulleiter Alexander Battistella.

Mit Tränen in den Augen

"Der Test ist schon eklig", merkte Benjamin Schoninger (31), Schüler der Fachschule für Bautechnik, an. Ihm standen die Tränen in den Augen, als er den Abstrich nahm. Eine normale Reaktion. So ging es vielen. Trotzdem hat sich Schoninger dem Test freiwillig unterzogen - und wird es auch wieder tun. "Wir sind heute den ersten Tag wieder an der Schule. Wir sind wirklich gut im Online-Unterricht zurechtgekommen, jetzt hätte man auch noch bis nach Ostern warten können", formuliert er allerdings seine Meinung und betont, dass er kein bisschen Angst hat, dass er irgendetwas verpasst haben oder Nachteile in der Prüfung haben könnte.

"Für mich ist es ganz klar, dass ich den Test mitmache, auch wenn ich eigentlich schon länger wieder im Distanz- und Wechselunterricht bin", erklärt Tim Heller (20). Er ist in der 12. Klasse der FOS im technischen Zweig.

Auch die Lehrkräfte und das Verwaltungspersonal werden künftig an den Schulen getestet. "Es ist klar, dass ich mitmache", sagt Anja Schwarzmeier und betont, dass das Testen nur dann sinnvoll ist, wenn möglichst viele oder alle mitmachen.

"Bei uns haben sich fast alle dem Test unterzogen. Aber es gab in jeder Klasse auch einige, die sich noch nicht getraut haben", zog die Leiterin der Carl-von-Linde-Realschule, Monika Hild, Bilanz. Auch in der Realschule wurden zuerst die Lehrer eingewiesen, dann führten die Lehrer gemeinsam mit den Schülern die Testungen im Klassenzimmer durch. "Zum Glück hatten wir keine positiven Fälle. Uns war nach einer halben Stunde, als wir dieses Ergebnis hatten, schon wohler", sagte die Leiterin der Realschule. Auch in der Realschule wurden mehr als 120 Schnelltests am ersten Tag durchgeführt. "Ich denke, dass am Donnerstag, wenn wir wieder testen, die Akzeptanz bereits gestiegen ist und dass noch mehr mitmachen", hofft Hild.

"Höchstmaß an Sicherheit"

Die Schnelltests könnten zu einem wichtigen Element bei der Öffnung der Schulen und schon bald zur neuen Routine in den Klassenzimmern werden. Dass das Landratsamt Kulmbach Schülern und Lehrkräften zwei Tests pro Woche zur Verfügung stellt, sei hoch anzuerkennen. "An oberbayerischen Gymnasien ist das nicht der Fall. Man muss den Verantwortlichen im Landratsamt einmal herzlich danken. Denn wir haben zum frühstmöglichen Termin die Tests in ausreichendem Maß bekommen, um ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten", bringt es Horst Pfadenhauer vom MGF auf den Punkt.