Geradezu druckfrisch präsentierte Friederike Schmöe am vergangenen Samstag in Seßlach ihren neuesten Kriminalroman. "Angeschwärzt" heißt der neue und bereits 13. Fall für Schmöes bevorzugte Protagonistin, die Bamberger Privatdetektivin Katinka Palfy. Bei der Premierenlesung in der Kulturscheune des "Pörtnerhofs" gewährte die gebürtige Coburgerin obendrein Einblicke in ihr Autorenleben.

Malerisch und idyllisch sieht das Cover aus. Der Eindruck täuscht. "Die Häuser in Klein Venedig sind eng und gewöhnungsbedürftig", berichtet die Wahl-Bambergerin zu Beginn der Lesung, obendrein biete sich die Aussicht aufs Gefängnis. Doch ein Mitspracherecht beim Cover habe sie nicht, ebenso wie beim Titel. Ursprünglich sollte ihr neuester Roman "Schlangenauge" heißen, nach einem Schmuckstück. Denn im Plot dreht sich alles um den Juwelier Bernhard Lechner, der von einer sonntäglichen Rafting-Tour nicht zurückkommt. Seine Frau Kamila und Tochter Mara beauftragen Palfy damit zu ermitteln, was ihm zugestoßen sein könnte. Hatte er einen Unfall oder wurde er gar ermordet? Eine dritte Möglichkeit drängt sich auf: Aufgrund zwielichtiger Geschäftsbeziehungen und möglicher unlauterer Geschäfte in Steueroasen könnte es sich bei seinem Abtauchen genauso gut um einen Versicherungsbetrug handeln. Das behauptet jedenfalls ein Erpresser, der eine halbe Million Schweigegeld verlangt. Hängt am Ende alles mit dem Juwelenraub zusammen, dessen Opfer Lechner vor drei Jahren wurde?

Die erste Stelle, die Schmöe für ihren Vortrag ausgewählt hatte, stellte den Zuhörern die neuen Klienten der Palfy vor. Die zweite Szene führte mitten in das "psychische Chaos" der Familie Lechner, erzählt aus der Perspektive der Kamila. Dass die Handlung am Ende eines schwülen Julis spielt, passt: "Wenn uns der Schweiß ebenso auf der Stirn steht wie der Detektivin, sind wir noch näher am Geschehen, können besser mitfühlen", kommentierte Schmöe. Sie selber tut sich da schwerer, schreibt sie doch gerade am Weihnachtskrimi 2020.

Spätestens, als dann in einer weiteren Szene der Vermisste plötzlich auf- und dann wieder abtaucht, fragten sich die zahlreichen Zuhörer, die der Einladung der Frauen-Union Coburg-Land gefolgt sind, wie es wohl weitergeht - und wie die Geschichte endet. "Die Frage stelle ich mir beim Schreiben auch immer", kommentierte die Autorin augenzwinkernd.

Nach der Buchvorstellung stand die Autorin den Besuchern Rede und Antwort. Schon früh fühlte sich die Büchernärrin auch zum Schreiben berufen, wie sie berichtet: "Nach Familientreffen habe ich immer viele Geschichten über meine Verwandten aufgeschrieben." Ihrem bevorzugten Genre verschrieb sie sich, "weil ich beim Krimi wirklich eine Handlung habe". Mindestens ein totes Opfer pro Buch müsse es sein. Am Entwurf allein schreibt Schmöe circa drei Monate, "dann geht die richtige Arbeit los." Acht bis zehn Seiten verfasst die 52-Jährige pro Tag ("Wenn ich dran bleibe, vergesse ich nichts"). Ihr Rezept für ein erfolgreiches Buch: "Das Wichtigste ist ein schlüssiger Plan: Warum macht wer was." Mitunter verliert die allwissende Autorin beim "Zurechtpuzzeln" oder bei nachträglichen Änderungen schon einmal die Orientierung, wie sie einräumte: "Dann sagen Figuren zu einem Zeitpunkt etwas, das sie da noch gar nicht wissen dürfen." Hilfreich sei dann eine Chronologie. Eine weitere Gefahr: Dass sie zu früh zu viel vom Geschehen verrät: "Das saugt dann Spannung weg."

Schmöe weiß, dass ihre Leser sich mit der Hauptfigur identifizieren. Sie sagte: "Einige von Ihnen kennen sich sicherlich besser in meinen Krimis aus als ich selber."

Die Fans ihrer Lieblings-Protagonistin können sich auf viele weitere Fälle freuen. Mehr als zehn Ideen habe sie schon, verriet die Autorin zum Schluss. Auch der Arbeitstitel für Palfys nächste Aufgabe steht schon: "Rhöner Nebel", womit auch der Schauplatz der Handlung geklärt wäre.