"Untersucht mal die Palme, vielleicht hat sich da was versteckt", lautet der Hinweis. Vier Mädchen und Jungen zwischen zehn und zwölf Jahren sind im "Exit Room" gerade dabei, eine der letzten Aufgaben zu lösen. Einen Raum weiter sitzt Eduard Zifle am Laptop und beobachtet, wie sich die Gruppe verhält, um bei Bedarf den entscheidenden Tipp zu geben, oder um den Spannungsbogen hochzuhalten.

Seit eineinhalb Jahren bietet das Lichtenfelser Jugendzentrum das Exit-Spiel an. Zwei Euro kostet der Eintritt. Das ist nichts im Vergleich zu den 70 bis 100 Euro, die anderswo verlangt werden. "Das können sich manche Familien gar nicht leisten", erklärt Eduard Zifle. "Mit dem Geld decken wir auch die Materialkosten", erklärt der Heilpädagoge.

Der "Exit Room" kann auch von Familien oder Schulklassen gebucht werden. Auch Anfragen werden erfüllt, so wünschte sich eine Schulklasse mathematische Aufgaben. Ähnliches wäre auch für den Deutschunterricht möglich. Am Mittwochnachmittag wird der Raum im Rahmen des Ferienprogramms der kommunalen Jugendarbeit angeboten.

Zehn bis zwölf Aufgaben

Es geht darum, zehn bis zwölf Aufgaben zu lösen, die dann den entscheidenden Hinweis auf den Schlüssel geben, mit dem der Raum verlassen werden kann. Klingt einfach, ist es aber nicht. Um erfolgreich zu sein, braucht es Logik und ein Team, das sich gegenseitig ergänzt. Dabei werden Fähigkeiten gefordert, deren Existenz im Alltag oft verschüttet sind.

Der elfjährige Basti hat die Idee, mit dem Magneten einer Taschenlampe auf einer Tafel entlangzufahren und wird am Ende dann fündig. Das Exit-Spiel könnte man als moderne Schnitzeljagd bezeichnen. Manche Aufgaben bestehen aus simplen Bestandteilen wie das Domino-Puzzle, andere wiederum fordern die Kombinationsgabe heraus und schließlich kommen auch moderne Lösungen zum Einsatz wie eine LED-Tafel.

Zwei Kameras überwachen das Geschehen im "Exit Room". Was bei einem Brand in einem Escape Room in Polen passierte, wo fünf Teenager ums Leben gekommen sind, könnte in Lichtenfels nicht passieren. Zum einen weil eine der beiden Türen immer unverschlossen bleibt und Eduard Zifle das Geschehen am Bildschirm seines Laptops verfolgt.

Beim Exit-Spiel sind höchst unterschiedliche Fähigkeiten gefragt. Um den entscheidenden Hinweis zu bekommen, muss oft noch vorab eine andere Aufgabe gelöst werden. Beispielsweise war ein farbiger Wattebausch in einem Papierkorb versteckt, der dann wieder einen Hinweis auf ein Röhrchen auf dem Fensterbrett gab, über das sich eine Farbtafel in einer Kommode finden ließ, die schließlich zur Lösung des Spiels führte. Klingt komplizierter, als es war.

Auch eine scheinbar leere Schublade diente als Hinweisgeber sowie eine Dartscheibe. Nach rund 40 Minuten war der Schlüssel gefunden.

Aufgaben wechseln

Spaß hat es den Teilnehmern gemacht und obendrein hatte es noch einen positiven Nebeneffekt. "Ich hab jetzt eine Matheaufgabe kapiert", erklärt die zwölfjährige Lara fröhlich. Ob alle wiederkommen würden, lautet die Frage in die Runde. Selbstverständlich, die Antwort. Dann aber warten andere Aufgaben auf die Teilnehmer, denn die Aufgaben wechseln regelmäßig.