Bernhard Panzer Es ist ein Werktag, morgens um halb neun, der tägliche Stau am Adidas-Gelände: Bis zurück zum Kreisverkehr bei Haundorf stehen die Autos Schlange, Ziel ist das Parkhaus am Laces-Bürogebäude. Zur gleichen Zeit auf der anderen Seite der World of Sports, drüben im Wohngebiet Herzo Base 1: Autos schlängeln sich durch die kleinen Wohnstraßen, auf der Suche nach einem Parkplatz. Es sind offenbar auch dort allesamt Fahrzeuge von Adidas-Mitarbeitern.

Die in den Wohnstraßen des ersten Bauabschnitts am Straßenrand geschaffenen Parkbuchten sind spärlich vorhanden, und sie füllen sich schnell. Deshalb sind die Suchenden dort auch in die kleineren Straßen ausgewichen, haben die Gehwege zugeparkt und früher sogar Grünstreifen, wie Anwohner klagend berichten.

Damit ist nun Schluss. Die Stadt hat der Parkerei einen Riegel vorgeschoben und erlaubt nur noch zeitlich begrenztes Parken per Scheibe. Das funktioniert offenbar gut, denn die Dauerparker sind aus den kleinen Straßen verschwunden.

Quer über die Wiese

Die Anordnung betrifft zunächst die Athen- und Helsinkistraße, die gleich am Eingang zum Wohngebiet parallel zum Olympiaring verlaufen. "Mehrere Bürger haben sich an uns gewandt", sagt Thomas Nehr, der im Herzogenauracher Rathaus für Verkehrsfragen zuständig ist. Die Müllabfuhr komme nicht mehr durch, man könne selbst nicht mehr parken und auch das Ein- und Ausfahren sei schwierig geworden, lautete der Tenor der Beschwerden.

Stefan Bischof, der seit zwölf Jahren in der Londonstraße wohnt und eine Facebookseite der Bewohner betreut, kann das bestätigen. Man könne regelrecht eine Parkplatzsuche von Adidas-Mitarbeitern im Wohngebiet feststellen, sagt er. Bischof zählte pro Morgen etwa 20 bis 30 Autos, deren Insassen dann über die Wiese zum Firmengelände laufen. "Da drängt sich bei mir die Frage auf: Ist das gebaute Parkhaus am südlichen Teil der World of Sports schon voll oder ist es für diese Mitarbeiter zu weit weg?"

Voll ist das neue Parkhaus keineswegs, kann Thomas Nehr berichten. Stichproben hätten eher das Gegenteil ergeben. Für Oliver Brüggen, den Pressesprecher bei Adidas, ist das aber durchaus begründbar. Das Parkhaus sei für die "Arena" gedacht, dieses neue und futuristische anmutende Bürogebäude, das 2100 Mitarbeitern Platz bieten wird. Mitte April ziehen die ersten Beschäftigten dort ein, vor allem aus dem Standort am Adi-Dassler-Platz gegenüber von Schaeffler in der Stadt. Ende des Monats soll der Umzug beendet sein. "Dann wird das Parkhaus voll sein", verspricht Brüggen.

Bischof ist dennoch eher skeptisch. Wenn noch mehr Beschäftigte auf der World of Sports arbeiten, dann sollte die Situation doch nicht besser werden, fürchtet er. Zumal die im Wohngebiet parkenden Menschen den kurzen Weg bevorzugen. Der führt direkt zum Containerdorf, das vorübergehend aufgestellt ist.

"Nichts für die Ewigkeit"

Adidas beruhigt. Diese Bürocontainer sollen zurückgebaut werden, bekräftigt Brüggen. Ein Termin sei aber noch nicht bekannt. Parkplätze jedenfalls habe Adidas auf dem Gelände wahrlich genügend. Laut Brüggen sind es derzeit 3500, davon 1650 im neuen Parkhaus und 1450 im Parkhaus Laces.

Jedenfalls hat die von der Stadt im Wohngebiet auferlegte Einschränkung der Parkzeit offensichtlich schon gefruchtet. "Die Dauerparker sind weg", sagt Nehr. Grundsätzlich sei so eine Anordnung aber "nicht für die Ewigkeit." Denn jede Regelung bringe eine Einschränkung für die Anwohner mit sich. Bisher habe man sich bemüht, diese Beeinträchtigungen möglichst gering zu halten. So gilt das Parklimit nur werktags von 8 bis 14 Uhr. Man wolle das jetzt beobachten und dann später möglicherweise zurücknehmen. Grundsätzlich sei wichtig: Ein Wohngebiet könne kein Firmenparkplatz sein.

Neben der städtischen Anordnung würden die Bewohner freilich auch Kontrollen begrüßen. Eine Frau aus der Münchner Straße ("Da ist es besonders schlimm") hat sich hilfesuchend an Stefan Bischof gewandt. "Teilweise wird sogar die Zufahrt zur Tiefgarage zugeparkt", schreibt sie. Für die Mutter ist das "total ärgerlich, weil wir eben nur einen Tiefgaragenstellplatz haben und ich draußen parken muss. Wenn ich dann nachmittags mit Kind heimkomme, ist alles zugeparkt."

Eigene Adidas-Buslinie

Wenn sie dann die Parker angesprochen hat, habe es nur geheißen, man habe keine Lust, den weiten Weg vom Parkhaus zu laufen. Das Unternehmen Adidas hat das erkannt. "Es gibt genügend Parkplätze, es ist vielmehr offensichtlich die Bequemlichkeit der Mitarbeiter. Wir werden das intern noch einmal adressieren", sagt Pressesprecher Oliver Brüggen.

Generell sei Adidas sehr aktiv. Man unterstütze Fahrradfahrer mit Umkleiden und Duschen, habe selber eine neue Busstation am Mitarbeiter-Restaurant "Halftime" gebaut und biete eine eigene Buslinie von Fürth und Nürnberg an.

Nach dem Umzug bewegt sich Adidas für die nächsten Jahre zwischen 6000 und 6500 Mitarbeitern auf dem Campus.