Roland Schönmüller

Landkreis Kronach — Matsch, Schnee, tiefer Frost und gefrorener Boden - das ist für viele Menschen die rechte Zeit, es sich in der warmen Wohnung gemütlich zu machen. Für die Tiere draußen in der freien Natur bricht jetzt eine harte Zeit an. Nahrungsmangel und die Gefahr des Erfrierens bedrohen Hase, Fuchs, Reh, Wildschwein & Co. am meisten. Deshalb müssen sich die Tiere, die in unseren kalten Gegenden überwintern wollen, den veränderten Bedingungen möglichst gut anpassen. Nicht alle können, wie die vielen Insekten fressenden Sommervögel, die Reise in den Süden antreten, wo sie genügend Wärme und Nahrung finden.

Eine der einfachsten Vorbeuge-Maßnahmen von heimischen Wildtieren ist der Winterpelz. Damit schützen sich die Säugetiere vor dem Frost. Das kurze und dünne Haarkleid, das für das glatte Sommerfell vollkommen ausreichend war, wird durch ein dichteres Winterfell ersetzt. Vor allem die unter Deckhaaren liegenden feinen Wollhaare wirken vom Herbst an besonderes dicht und warm. Sie halten Kälte, Schnee und Nässe fern, so dass die Körpertemperatur stabil bleibt. Viele Erdbewohner schützen sich auch durch tieferes Eingraben.

Was den Säugetieren mit dem Winterfell gelingt, entspricht bei unseren Vögeln der Mauser. Dieser Wechsel des Federkleides findet alljährlich jedoch bereits bei fast allen Arten zur Sommerzeit statt. Für den Aufbau des neuen Gefieders braucht ein Vogel so große Mengen an Nahrung, dass der Herbst dazu meist zu spät wäre. Als letztes Mittel gegen die Kälte dient dann an Tagen mit Tief- und Dauerfrost das Aufplustern des Gefieders. Die Wirkung ist ähnlich, so wenn wir Menschen mehrere Kleidungsstücke übereinander ziehen. Die eingedrungene Luft wird leicht erwärmt und wirkt wie ein schützendes Polster.

Um gut über den derzeit harten Winter und die extrem kalte Jahreszeit zu kommen, brauchen unsere heimischen Wildtiere vor allem Ruhe. Daher hört man beim Gespräch mit Naturfreunden, Forstleuten und Jägern immer wieder den Appell und die Bitte, bei Ausflügen durch den Wald die Wildtiere nicht unnötig zu beunruhigen. Gerade jetzt bedürfen die frei lebenden Tiere der besonderen Rücksichtnahme. Tiere im Winter leben "auf Sparflamme". Ihre angefressenen Fettpolster entscheiden über Leben und Tod.

Während manche Tiere die kalte Jahreszeit im Winterschlaf überstehen, setzen zum Beispiel Hasen und Rehe auf eine andere Überlebensstrategie. Sie stellen sich auf nährstoffarme, zähe Winternahrung um, verzehren Triebe, Flechten und Rinden und bewegen sich möglichst wenig. Dies hilft Energie zu sparen. Werden die Tiere aber aufgeschreckt, verbrauchen sie unnötig viel Kalorien.

Dieser Energieverlust kann verhängnisvoll sein. Dazu ein Wald-Fachmann: "Wir begrüßen es, dass immer mehr Bürger Freude an der Natur finden, doch sollen Spaziergänger, Wanderer und Wintersportler bei ihren aktuellen, coronabedingten ortsnahen Ausflügen auf Wildtiere Rücksicht nehmen und Wege, Loipen und Pisten nicht verlassen. Dazu gehört auch, Hunde angeleint zu lassen - zum Schutz unserer heimischen Tierwelt."

Um die Winterruher und Winterschläfer braucht sich der Mensch nicht zu kümmern, schon gar nicht um Tiere in Winterstarre. Im Gegenteil, man soll sie in Ruhe lassen.