Es ist das Jahr 1983, als Rödentals Bürgermeister Ferdinand Fischer dem Gemeinderat eine Heftung von Blättern zur Kenntnis vorlegt. "Erhaltenswerte Naturbestandteile im Gemeindegebiet Rödental", steht auf dem Deckblatt. Und: "Zusammengestellt vom Arbeitskreis Ökologie Coburg". Was wurde aus den Flächen, die damals vom Arbeitskreis als erhaltenswert bewertet wurden? Was wurde aus dem Arbeitskreis und was wurde aus dem Flächenkatalog, den er erarbeitet hatte?

Der Katalog tauchte im Original im Nachlass von Ferdinand Fischer auf. Dietrich Schulz, Schwiegersohn von "Zar Ferdinand", wie ihn die Rödentaler gern nannten, stieß darauf und fand ihn bemerkenswert. "Es wäre doch interessant, zu sehen, was aus den Flächen geworden ist", sagte er und stellte die Sammlung unserer Zeitung zur Verfügung.

Bekannte Namen

Am Ende findet sich eine Auflistung der Mitarbeiter im Arbeitskreis Ökologie, die an der Kartierung beteiligt waren. Nicht alle leben heute noch. Doch einige Namen fallen sofort auf. Etwa der von Kay Frobel. Er ist vielen bekannt geworden als Honorarprofessort am Lehrstuhl für Biogeografie der Uni Bayreuth. Vor allem aber gilt er als Vater des Grünen Bandes, der Idee also, den ehemaligen Grenzstreifen zu einem riesigen Schutzgebiet zu machen, das sich durch ganz Deutschland zieht.

Ute Wiegand-Nehab steht ebenfalls auf der Liste. Als Vorsitzende im Bund Naturschutz ist sie vielen in Erinnerung. Viele kennen sie wohl auch durch ihr Engagement im Imkerverein.

Und dann findet sich da auch der Name von Frank Reißenweber. Er bereitete sich noch auf das Abitur vor, als er an der Kartierung mitarbeitete. Dass er der ideale Ansprechpartner ist, für die Frage, was aus den damals erfassten Flächen wurde, hat einen guten Grund. Er ist heute als studierter Biologe unter anderem Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Coburger Land (LPV).

Über die Jahre hat er alle Flächen, die der Arbeitskreis damals dem Bürgermeister ans Herz gelegt hat, nie aus den Augen verloren. Er muss nicht lange nachdenken, um zu sagen: "Fast alle genannten Gebiete existieren noch. Einige haben sich stark verbessert und erweitert, andere sind zumindest gleich geblieben." Wirklich verschwunden sind nur einige Teiche, die heute unter dem Froschgrundsee liegen. Am meisten verschlechtert hat sich die Sandgrube im Einberger Wald. Nach dem Sandabbau wurde die Grube verfüllt. Es war eine Vorgabe des Bergamtes, die gegen den Widerstand des Naturschutzes durchgesetzt wurde. Trotzdem hat Frank Reißenweber auch für diesen Lebensraum gute Nachrichten: "Wie durch ein Wunder haben Kreuzkröte und Kammmolch bis heute überlebt." Mit dem Forstbetrieb Coburg der Bayerischen Staatsforsten als Grundeigentümer wird an einem Konzept gearbeitet, wie diesen seltenen Arten ihr Fortbestand gesichert werden kann.

Am ganz anderen Ende des damaligen Gemeinde- und heutigen Stadtgebiets führt Frank Reißenweber durch ein Gebiet, dem damals in der Kartierung schon hoher Wert zugesprochen wurde. Vor einem Acker auf dem Koppelsberg bei Weißenbrunn vorm Wald bleibt er stehen. "Acker am Koppelsberg", so steht er gleich als Punkt 2 in der Kartierung von 1983. Wegen seiner "artenreichen Unkrautgesellschaft mit zahlreichen stark gefährdeten Pflanzenarten" solle er erhalten bleiben. Der Arbeitskreis empfahl, nach einer Lösung zu suchen, wie Düngung reduziert und auf Herbizideinsatz verzichtet werden könnte.

Der Roggen, der gerade dort wächst, wurde von einem ökologisch wirtschaftenden Bauern aus Weißenbrunn angebaut. Mit erhöhtem Saatabstand lassen die fast mannshohen Halme Platz für kleine Tiere. Ackerkohl, Adonisröschen und Haftdolde, die in der Kartierung erwähnt sind, findet Frank Reißenweber auf Anhieb neben Mohn, der am Feldrand blüht. Auf dem Muschelkalkrücken erstreckt sich heute am Grünen Band, das damals noch als Todesstreifen bezeichnet wurde, ein fast 2000 Hektar großes FFH-Gebiet. Viele Flächen wurden vom LBV angekauft. Beim Gang durch den blütenreichen Magerrasen geht Frank Reißenweber die weitere Liste von schützenswerten Bereichen in der Nähe durch. Das Naturdenkmal Birkertsbach etwa oder die Brutplätze der Wasseramsel an der Itz, wo inzwischen auch der Eisvogel wieder vorkommt. Er erwähnt den Schafteich bei Fornbach, der ein geschützter Landschaftsbestandteil wurde und als wertvoller Moorteich erhalten bleiben kann, wenn trockene Jahre wie 2018 und 2019 nicht zu häufig werden. Der Fornbachgrund wurde früher beweidet. Heute werden dort viele Wiesen intensiv gemäht. Da würde er sich wünschen, dass wieder Tiere weiden. Wertvoll ist das Gebiet noch immer.

Den Steilhang östlich der Lauterburg erwähnt er und die Tümpel in der Wiese darunter, die vom Zweckverband Grünes Band gekauft wurde und vom Landschaftspflegeverband gepflegt wird.

Die Stauteiche zwischen Mönchröden und Haarbrücken gehören heute zum Bayern-Netz-Naturprojekt (BNN). Die meisten Wiesen dort sind heute Brachflächen. Dass im Überschwemmungsgebiet noch immer Ackerbau betrieben wird, bedauert Frank Reißenweber. Insgesamt ist aber auch dieser Bereich wertvoll geblieben.

Die Abbruchkanten an Kulm und Kemmater Berg gehören zum BNN-Projekt "Bruchschollenkuppen". Über Beweidungsprojekte und Einsätze des LPV werden Flächen dort gepflegt und erhalten. Auch im Einberger Wald mit seinen Felsen und Quellen gibt es viele gute Entwicklungen. Und für Kreuzkröte und Kammmolch wird sich eine Lösung finden.

Ferdinand Fischer hatte die Kartierung mit dem Vermerk weitergegeben: "Diese Darstellung ist bestimmt für den Gebrauch aller flächenwirksam arbeitenden Dienststellen und Privatpersonen. Sie ist nicht dafür bestimmt, dass alle Details einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden." Darüber darf sich wohl nach so vielen Jahren hinweggesetzt werden. Und wirklich alle Details würden auch den Rahmen sprengen.