Kunst hätte Marlis Albert gerne studiert. Aber dieses Studium galt als brotlos. So ist sie Volkswirtin geworden. "Heute würde ich es machen", überlegt die Münnerstädterin. Die Kunst ist ihr in allen Jahren aber auch ohne Kunststudium ein treuer Begleiter geblieben.
Der Ton ist der Werkstoff, den sie liebt. Hier findet sie für sich die beste Ausdrucksform. Kunst sei für sie immer ein Ausgleich gewesen, erklärt die Münnerstädterin. Marlis Albert ist jedoch nicht nur Autodidaktin. In Kursen an der Zeichenakademie in Hanau hat sie sich vor vielen Jahren mit künstlerischem Schaffen intensiv befasst. Immer wieder hat sie Workshops belegt und dann irgendwann auch selbst unterrichtet, Kinder im Münnerstädter Ferienprogramm beispielsweise.


Ein bisschen wie Urlaub

Ihr Atelier hat Marlis Albert in der Bauerngasse. Dort steht das historische Häuschen, das ihr Mann Peter von seinem Großvater geerbt hat.Die Wohnung der Alberts ist nur ein paar Schritte entfernt vom Atelier. Doch hierher zu kommen, sei für sie immer ein bisschen wie Urlaub, sagt Marlis Albert.
Marlis Alberts Arbeiten findet man überall im Haus und im kleinen Garten. Zwischen Frühjahrsblumen und immergrünen Pflanzen entdeckt der Beobachter Skulpturen, Köpfe, kleine Faune und Figuren, fast schon verschmolzen mit der umgebenden Natur.
Moos und Flechten haben den Tonarbeiten eine Patina verliehen. Andere tragen Verwitterungsspuren. Marlis Albert stört das nicht. Ohnehin ist Vergänglichkeit ein Thema, das sie momentan künstlerisch beschäftigt. Auf dem Tisch im Wohnzimmer-Atelier stehen drei geisterhafte Gestalten. "Die Geister sind mir schon lange im Kopf herumgespukt", sagt Marlis Albert. Inspiriert wurde sie von den bekleideten Mumien in der Kapuzinergruft von Palermo.
Ganz anders dagegen der anmutige Mädchenkopf, der in den vergangenen Wochen noch seinen letzten Feinschliff bekam, ehe er im Garten des Sohnes einen Platz bekommen hat. Er ist stilisiert und doch ganz von dieser Welt, strahlt Wärme und Ruhe aus. Gesichter spielen bei Marlis Albert immer wieder eine Rolle, egal ob es ein menschliches oder tierisches Antlitz ist. In einer Ecke des Ateliers sitzt eine pralle, gestreifte Katze und schaut den Betrachter mit großen, grünen Augen an. "Da hatte ich meine Katzenphase", erzählt die Künstlerin. In allen Farben habe sie Katzen getöpfert. Besonders liebgewonnen hat die Münnerstädterin aber ihre drei Rhöner Buben. Die Figurengruppe ist 1984 entstanden, inspiriert von einem historischen Foto in der Rhönwacht des Rhönklubs. Die knuddeligen, urigen Lausbuben, die ihren Platz im Innern des Hauses gut geschützt vor allen Witterungseinflüssen haben, schaut sie immer wieder gerne an.