Da der Angeklagte (44 Jahre) bei einem Verkehrsunfall auf der Maintalautobahn selbst einer der Geschädigten war, hatte er überhaupt nichts zu befürchten und damit auch kein Motiv für eine Fahrerflucht. Trotzdem hätte er als Unfallbeteiligter nicht einfach weiterfahren dürfen. Wegen Unfallflucht erhielt er Post in Form eines Strafbefehls vom Staatsanwalt. Demnach hätte er 800 Euro Geldstrafe zahlen und einen Monat seinen Führerschein abgeben sollen. Er legte Einspruch gegen den Strafbefehl ein, so dass es zur Verhandlung vor dem Amtsgericht in Haßfurt kam. Dem Einspruch wurde stattgegeben und das Strafverfahren mit einer 400-Euro-Geldauflage eingestellt.
Der Vorfall ereignete sich am 6. April dieses Jahres frühmorgens kurz nach sieben Uhr. Der 44-Jährige fuhr mit seinem VW Golf bei Knetzgau auf die Autobahn. Etwa einen Kilometer später überholte er einen Lastwagen und wollte wieder auf die rechte Spur einscheren. In diesem Moment sah er vor sich eine große Reifenkarkasse, die bei einem anderen Laster abgegangen war.
Wie er vor Gericht schilderte, konnte er nicht mehr ausweichen und erwischte das Reifenteil mit der rechten Frontseite seines Wagens. Bei dem Aufprall muss es ziemlich stark gerummst haben, denn der Golf kam gehörig ins Schlingern. Jedoch gelang es dem 44-Jährigen, sein Fahrzeug abzubremsen und auf dem Standstreifen zum Stehen zu bringen. Dort stieg er aus, ging um sein schon etwas älteres Vehikel herum und besah sich den Schaden. Zwar war das Auto noch fahrbereit, aber die Verkleidung demoliert, die Nebelscheinwerfer zerbrochen und die Blinker zersprungen.


Weitere Schäden

Da ihm noch der Schreck in den Gliedern steckte und er auch dringend zu seiner Arbeitsstelle musste, setzte er sich hurtig wieder hinters Steuer und fuhr davon. Dass es bei dem Aufprall noch ganz andere Schäden gegeben hatte, will er nicht mitgekriegt haben. Dies ist nur dadurch erklärbar, dass er sich vor dem Wegfahren nicht umgedreht und umgesehen hat. Ein Umstand, den Ilker Özalp von der Staatsanwaltschaft nicht nachvollziehen konnte.
Passiert war nämlich Folgendes: Die Reifenkarkasse, gegen die er gedonnert war, flog in hohem Bogen rückwärts auf die Überholspur - genau vor einen dort fahrenden schwarzen Seat Alhambra. Dessen Fahrer, ein 36-jähriger Kaufmann, hatte keine Chance, dem aufgerissenen Reifen auszuweichen, und knallte ebenfalls dagegen. An dem Seat entstand ein Schaden von rund 1400 Euro.
Rechtsanwalt Horst Sou-tschek informierte, dass die Versicherung den Lasterfahrer als alleinigen Verursacher ermittelt und dass sie die Schäden sowohl an dem Golf als auch an dem Seat voll übernommen habe. Durch das Wegfahren seines Mandanten wäre er fast auf den Kosten für sein Fahrzeug sitzen geblieben. Denn auf den Angeklagten war die Polizei nur deshalb gestoßen, weil bei dem Aufprall auch das Kennzeichen heruntergerissen wurde und auf der Fahrbahn lag.


Juristisch nicht vorbelastet

Da der Beschuldigte keine Vorstrafen hat und verkehrsrechtlich sich nichts hat zuschulden kommen lassen, stimmte Özalp einer Einstellung des Verfahrens zu. Damit blieb dem Unglücksfahrer eine Verurteilung erspart. Die Geldauflage erhält die Staatskasse, aber die Kosten für den Verteidiger muss der Angeklagte selber übernehmen.