Der Fall Mohammad Zaki, nach dem sich der Helferkreis benannt hat, ist vor wenigen Wochen zu einem guten Ende gekommen: Mohammad Zaki, geflüchtet und abgeschoben, ist kurz vor Weihnachten aus Afghanistan nach Kulmbach zurückgekehrt und hat mittlerweile mit einer Berufsausbildung begonnen (die BR berichtete).

Für zwei von Zakis Freunden hingegen ist die Zukunft noch ungewiss. Darauf hat der "Helferkreis Mohammad Zaki" hingewiesen und in einem offenen Brief an Landrat Klaus Peter Söllner und die Mitglieder des Kreistags um Unterstützung für die jungen Männer geworben.

Zum einen geht es um Razaq Yar, zum anderen um Fahim Hosseini. Beide kamen 2015 als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Kulmbach.

Der Helferkreis habe, so heißt es in dem Brief, den jungen Afghanen Mohammad Zaki Sharifi unterstützt, der nach Kabul abgeschoben wurde, mit einem Ausbildungsvisum zurückgekommen ist und nun endlich seine Lehre in Thurnau beginnen konnte. Dies habe fast anderthalb Jahre gedauert. "Anderthalb Jahre, in denen sich der junge Mann verstecken und verstellen musste, um zu überleben und in denen er jeden Tag Gefahr lief, Opfer von Terror und Gewalt zu werden." Der Helferkreis weist darauf hin, dass Afghanistan das gefährlichste Land der Welt mit den meisten zivilen Toten bei Konflikten ist. In den letzten Monaten habe die Gewalt noch zugenommen.

"Stehen vor dem Nichts"

Razaq Yar und Fahim Hosseini, für die sich der Helferkreis jetzt einsetzt, kamen 2015 nach Kulmbach. Zwei Jahre später machten sie ihren Schulabschluss. Ihre Anträge auf Ausbildungsgenehmigung wurden abgelehnt und die zwischenzeitlich erteilte Beschäftigungserlaubnis wieder entzogen. Ihr Asylverfahren ist negativ beendet, heißt es in dem Brief weiter. Die Familie von Razaq Yar lebe nicht in Afghanistan. Seine Eltern und Geschwister seien nach Tadschikistan geflohen, der Vater an den Folgen eines Anschlages der Taliban verstorben.

Die nächsten Angehörigen von Fahim Hosseini seien in den Iran geflohen, von dort wieder abgeschoben worden. "Sie stehen jetzt in Afghanistan vor dem völligen Nichts."

Angesichts Millionen Hungernder in Afghanistan und angesichts der sich durch Corona noch einmal verschlechternden ökonomischen Situation sei für Rückkehrer ohne unterstützungswilliges und -fähiges familiäres Netzwerk kein Überleben möglich. Das zeige die Erfahrung, die Zaki Sharifi in Kabul machen musste, das belege aber auch ein aktuelles Gutachten.

Dazu komme, dass Rückkehrer aus Europa mit dem Stigma des Verräters behaftet sind und verfolgt werden. "Bei einer Abschiebung nach Afghanistan drohen Razaq Yar und Fahim Hosseini Verelendung, Hunger, Gewalt und Krankheit. Aus eigener Kraft werden sie sich aus dieser Situation nicht befreien können, auf Unterstützung vor Ort können sie nicht zählen", schreibt der Helferkreis weiter.

"Uns, die wir diese beiden völlig integren jungen Männer als ihre ehemaligen LehrerInnen und BetreuerInnen kennen, ist das nicht egal. In der jetzigen Zeit wird viel über Solidarität gesprochen: Wir halten zusammen." Der Helferkreis liefert detaillierte Informationen über die beiden jungen Männer. Razaq Yar hat in einem Altenheim als Helfer gearbeitet, war bei Bewohnern und Kollegen geschätzt und hätte in den schlimmen Wochen, als viele Bewohner infiziert waren, gute Hilfe leisten können. Stattdessen saß er mit Beschäftigungsverbot in seiner Gemeinschaftsunterkunft, während über die Medien nach Hilfswilligen gesucht wurde.

Fahim Hosseini verfügt über exzellente Deutschkenntnisse und einen qualifizierenden Hauptschulabschluss. Er möchte eine Ausbildung zum Hauswirtschaftler beginnen. Er hat seine Fähigkeiten schon in einem Kulmbacher Restaurant unter Beweis stellen können und auch mit sozialen Kompetenzen in einem Praktikum in einem Seniorenwohnheim überzeugt. Einen Ausbildungsplatz bei der Awo hat er sicher.

"Niemand, der auf der Seite des Auswärtigen Amtes die Reisewarnungen zu Afghanistan liest, würde unter solchen Umständen freiwillig in das Land fahren. Den beiden jungen Männern aber wurde eine freiwillige Ausreise nahegelegt und die Abschiebung angedroht."

Der Helferkreis weist darauf hin, dass die Kosten einer Abschiebung sehr hoch sind. "Dazu kommen alle Ausgaben für Bildung und Betreuung, die bereits geleistet wurden und die durch die Abschiebung verloren wären." Demgegenüber stehe der Gewinn durch die Integration in den Arbeitsmarkt.

In dem Brief heißt es: "Wir haben für Razaq Yar und für Fahim Hosseini beim Landtag Petitionen (vermutlicher Verhandlungstag 10. Februar - red.)eingereicht, die von fast 30 000 Menschen unterstützt und begleitet werden. Doch wir machen uns große Sorgen und wenden uns deshalb mit diesem offenen Brief an Sie. Bitte helfen Sie als politische VertreterInnen des Landkreises, in denen sich die beiden zu Hause fühlen. Helfen Sie mit Ihrem Einfluss und Ihren politischen Kontakten, dass beide ihre Ausbildungen beginnen können. Sie könnten, wenn die ZAB (Zentrale Ausländerbehörde Bayreuth - red.) ihre Erlaubnis geben würde, dann ein Ausbildungsvisum an der Deutschen Botschaft in Neu Dehli beantragen und nach der Corona-Epidemie dort abholen. In mehreren anderen Fällen war dies bereits möglich. Es liegt in unser aller Verantwortung, diesen zwei jungen Menschen eine Chance zu geben."

Unterzeichnet ist das Schreiben von Katrin Fischer für den Helferkreis Mohammad Zaki Kulmbach und von Hans-Georg Friedmann für Amnesty International Kulmbach.