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Bamberg

Raus aus der Abseitsfalle

Ein Straßentheater der DGB-Hochschulgruppe pfiff am Donnerstag am Gabelmann das Match Profifußball gegen systemrelevante Berufe an.
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Mit ihrer Protestaktion machten die Studierenden auf die Ungleichbehandlung der Gesellschaft in der Corona-Krise aufmerksam. Foto: Julian Megerle
Mit ihrer Protestaktion machten die Studierenden auf die Ungleichbehandlung der Gesellschaft in der Corona-Krise aufmerksam. Foto: Julian Megerle

Da würde der "Gabelmoo" vielleicht auch die Augenbrauen hochziehen, wenn er erfassen könnte, was zu seinen Füßen passiert: Da dribbelt ein Fußballer vergnügt mit dem runden Leder, während nebendran mehrere andere Berufsgruppen entfernt stehen und misstrauisch rüberschauen. Ein Schild weist in Richtung "Abseitsfalle". Aber das stört den Kicker nicht, der sich großspurig freut, "dass es endlich mit der Liga weitergeht". Man sei ja schließlich super vorbereitet trotz Corona mitsamt Hygieneregeln und ausreichenden Tests. Am 16. Mai ist Startschuss für die Bundesliga mit Geisterspielen. Ein beispielhafter Greuther-Fürth-Fan beklatscht nach jeder Aussage sein Idol.

Aufzeigen der aktuellen Situation

Ein Schauspiel der DGB-Hochschulgruppe an der Uni Bamberg, in welchem die jungen Gewerkschaftsmitglieder die Gräben der aktuellen Situation aufzeigen wollen. Im Abseits fordert den Sportler ein Team heraus: der Pflegebereich, der Handel, Lehrkräfte, Studierende und Geflüchtete. So klagt ein Pfleger, dass Beifall und Fußball zwar schön seien, aber die Situation nicht verbesserten. "Wir müssen die Dilemmasituation, die Auswahl, wem wir das Leben retten, unbedingt verhindern", mahnt der junge Gewerkschafter.

"Meine Kolleginnen und Kollegen müssen sich ihren Mundschutz selbst bezahlen und alle drei Stunden wechseln", erzählt Antonia, welche den Handel symbolisiert. Gestiegene Arbeitsbelastung und trotzdem kein Anstieg der Löhne kämen zusammen. Im Bildungsbereich macht der Lehramtsstudent Hendrik Torner klar: "Eine schrittweise Öffnung der Schulen geht nur mit Bedacht." Gerade mit den Jüngsten sei die Einhaltung der Hygienemaßnahme sehr schwer zu bewerkstelligen. Und beim Staatsexamen bleiben weiter viele Umstände ungewiss.

Lutz Keller alias der Profifußballer mault derweil rum, dass "ich ja auch wieder so viele Spiele jede Woche zu bewältigen habe". Und dass dieses Homeoffice überhaupt nicht auszuhalten sei. Denke doch einer mal an seine Gehaltseinbußen! Da können andere Gruppen nur müde lächeln: "Viele Kommilitonen haben ihren Job in der Gastronomie verloren und jetzt haben wir mit den Bedingungen eines Corona-Semesters zu kämpfen!", stellt Jakob Dieckhoff heraus. Für die Studierenden brauche es keine KfW-Kredite mit höheren Schuldenbergen am Ende des Studiums, sondern eine Öffnung des BaföGs.

Solidarität tut auch mal weh

Ein junger Mann mit einem "Refugees welcome"-T-Shirt beklagt, dass es "in unserem Lager in Moria mit 40 000 Menschen nicht mal die Chance gibt, sich die Hände zu waschen". Mit Blick auf die Gesamtsituation fordert Torner "wahre Solidarität, die auch mal weh tut. Und zwar am Geldbeutel der schwarzen Null". Dass die Profiliga nun starte sei an Ignoranz gegenüber den systemrelevanten Gruppen nicht zu übertreffen. Damit diese Gruppen es aus der Abseitsfalle schaffen, ruft er über den Markt: "Gesundheit vor Profiten! Menschenleben vor Unterhaltung!" Der Applaus des Publikums ist sicher. Doch wer wird das Spiel für sich entscheiden?