Simone Bastian Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Die Stadt könnte aus einem Förderprogramm des Bundes Geld für eine Teilsanierung des Aquaria-Bades erhalten. Doch für Harald Beetz schwingt hier auch eine schlechte Nachricht mit: Wenn das Hallenbad saniert wird, kann dort lange nicht geschwommen werden. Harald Beetz, zuständig für die Schwimmkurse beim Schwimmverein Coburg, sorgt sich um die Kinder: "Vor Corona hatten die Vereine, die Schwimmkurse anbieten, dreistellige Zahlen auf den Wartelisten Nach dem ersten Lockdown 1000. Wenn das Bad zwei Jahre schließt, sind es 3000."

Das würde ein Problem verschärfen, das aus Sicht der Sportvereine eh schon besteht: Es gibt zu wenig Schwimmbecken für alle, die schwimmen wollen oder sollen. Der Sportverband Coburg als örtlicher Dachverband aller Sportvereine habe dem Oberbürgermeister und Sportreferenten Dominik Sauerteig (SPD) deshalb vorgeschlagen, dass sich das Aquaria auf den Bereich Freizeit und Wellness konzentrieren solle, sagt Michael Schulz. Für Schwimmkurse und Schulen, "das, was gesellschaftspolitisch wichtig ist", solle eine eigene Lösung her, fordert der Vorsitzende des Sportverbands Coburg.

Im Aquaria stehen ein Lehrschwimmbecken und ein Sportbecken zur Verfügung. Beide nutzen Schulen, VHS, und die Coburger Schwimmvereine. Allein das Lehrschwimmbecken ist pro Woche 24 Stunden und 45 Minuten belegt, hat Harald Beetz ausgerechnet. Die Schulen haben dabei ein Zeitkontingent von insgesamt 12 Stunden. Aber allein für die Schwimmkurse gebe es einen Bedarf von 34 Stunden, sagt Beetz.

Daneben wird auch das Sportbecken für Kurse und das Training der Sportvereine belegt. Das führt immer wieder zu Konflikten mit den Badbesuchern, die im Sportbecken ihre Bahnen ziehen wollen. Die hätten nicht immer Verständnis dafür, dass ihnen nur eine Bahn zur Verfügung steht, sagt Beetz.

Für Schulz steht fest, dass allein der Bedarf der Vereine und Schulen reichen würde, um eine Schwimmhalle allein zu belegen. Außerdem lege das Aquaria ohnehin schon einen Schwerpunkt auf den Freizeitbereich: Neben den Schwimmbecken gibt es im Hallenbereich zwei Erlebnisbecken mit Strömungskanal und Sprudelliegen, das Kindererlebnisbecken und die Riesenrutsche.

In den vergangenen Jahren wurde nicht nur das Lehrschwimmbecken an der Rückertschule abgerissen, sagt Beetz. Auch in Witzmannsberg, Weitramsdorf und Seßlach wurden diese Becken geschlossen. Die Coburger Sportvereine weichen mit ihren Schwimmkursen schon in die umliegenden Bäder aus - einmal sogar in ein Hotel - aber es gebe insgesamt immer noch eine höhere Nachfrage nach Schwimmkursen, als bedient werden könne, sagt Beetz.

Sauna statt Sportbad

2010 sei am Aquaria ein neues Vereins- und Schulbad geplant worden, erinnert sich Klaus Geuther, Ehrenvorsitzender des Schwimmvereins und selbst viele Jahre an der Spitze des Sportverbands. Auf die dafür vorgesehene Fläche wurde nun die neue Sauna gebaut. "Unsere Interessen spielen bei den Betreibern des Aquaria keine Rolle", sagt Schulz. Seit 1998 sind die SÜC für das Bad zuständig und damit auch für die Investitionen. Außerdem übernehmen die SÜC das Betriebskostendefizit für das Bad, das sonst die Stadt decken müsste.

Trotzdem halten Michael Schulz, Harald Beetz und Klaus Geuther die Trennung und den Bau eines Vereinsbades für sinnvoll: Das Aquaria könnte den Bereich Freizeit, Gesundheit, Wellness übernehmen, ein eigenes Sportbad könnte den Schulen und Vereinen zur Verfügung stehen. Als mögliche Standorte nennt Schulz den Badparkplatz, den Hinteren Floßanger, "oder das Aquaria braucht gar nicht mehr so viele Flächen".