Anno 1633 wurde Höchstadt durch die Schweden im Zuge des Dreißigjährigen Krieges vollkommen zerstört. Gerade einmal zwölf Familien sollen die Kämpfe überlebt haben. Nach getaner Wiederaufbauarbeit findet seit 1639 ohne Unterbrechung die Wallfahrt Dettelbach einmal im Jahr statt, um das Friedensgelübde einzulösen. Dieses Gelübde verspricht, jährlich eine Wallfahrt von Höchstadt nach Dettelbach zu unternehmen und so den inneren und äußeren Frieden für die Stadt zu erbitten. Egal ob bei Wind und Wetter, die gläubigen waren stets zu Fuß unterwegs. Doch mit den fortschreitenden technischen Errungenschaften haben sich auch die Fortbewegungsmittel für die spirituelle Reise geändert. Waren zunächst die Eisenbahnen beliebt, standen danach immer mehr Omnibusse im Fokus, die die Wallfahrtskirche "Maria im Sand" ansteuerten. "Heutzutage steuern fast mehr private Autos die Kirche an als Wallfahrer", meint Dekan Kilian Kemmer.


Ergänzung zur Fußwallfahrt

Dennoch findet die Wallfahrt nach wie vor jedes Jahr aufs Neue statt. Wie schon 1639. Doch dass auch die Kirche mit der Zeit gehen muss, das hat auch Kemmer bemerkt. So hat sich in Zusammenarbeit mit Elmar Gerner jemand gefunden, der nun auch für Höchstadt die sogenannte Fahrradwallfahrt übernimmt.
"Es geht hier auch nicht darum, eine Konkurrenz zur Fußwallfahrt aus dem Boden zu stampfen, sondern vielmehr eine Ergänzung zum bestehenden Angebot zu haben", erklärt Gerner. "Damit erhoffen wir uns auch die Erschließung völlig neuer Zielgruppen. Menschen, die vielleicht auch ein Stück weit eine spirituelle, mit einer sportlichen Reise verknüpfen möchten." Vor allem fitte ältere Menschen, die sich allerdings die 53 Kilometer Fußmarsch nicht mehr zutrauen, haben nach Ansicht von Fahrradwallfahrt-Organisator Elmar Gerner mit einem Rad wieder die Möglichkeit teilzunehmen. Auch die sogenannten "E-Bikes" sind erlaubt. So sollte jeder, der Wallfahrten will, auch die Möglichkeit dazu bekommen. "Außerdem", so führt Gerner weiter aus, "haben wir darauf geachtet, dass die Strecke eine relativ einfache ist. Ohne große Steigungen und Höhenunterschiede". Sollten sich das manche trotzdem nicht zutrauen, können interessierte auch ab einem Rastpunkt in die Wallfahrt einsteigen. "Es ist ja durchaus eine Leistung, diese Strecke zurückzulegen. Vielleicht keine Höchstleistung, aber dennoch beachtlich" meint Ger-ner.


Strecke auf ruhigen Wegen

Die Fußwallfahrt, für die sich Angela Neudörfer sowie Gerhard Wirkner und Hans Häfner verantwortlich zeigen, soll dann auf der letzten Etappe mit der Fahrradgruppe zusammenstoßen, um dann gemeinsam zur "Maria im Sand"-Kirche in Dettelbach zu laufen. Gerade zu Fuß sind es jedes Jahr um die 50 bis 60 Personen, die den Fußmarsch von 53 Kilometer an einem Tag auf sich nehmen. "Die Idee hinter dem Ganzen ist der Einklang mit Gott und der Natur. Das frühe Aufstehen, das Erleben des Morgens und auch des Tages sind dafür ideal geeignet", sind sich Kemmer und Gerner einig.
Die Strecke für die Radwallfahrt orientiert sich sehr nah an der Fußwallfahrt. Sie verläuft meist auf ruhigen Neben- bzw. Fahrradwegen und führt von Höchstadt über Geiselwind nach Wiesentheid und Schwarzach. Danach treffen die "Radler" auf die "Läufer".
Genaue Streckendetails werden am 1. August um 19.30 Uhr im Pfarrsaal von St. Georg abgeklärt. Interessenten sind eingeladen vorbeizuschauen.