"Drei gegen einen ist keine Notwehr", erklärte Richter und Amtsgerichtsdirektor Matthias Huber am Mittwoch den drei Männern auf der Anklagebank. Die sorgten am 24. November 2019 für einen Vorfall an der Bahnunterführung in der Lichtenfelser Innenstadt. Was sich dort gegen 0.55 Uhr ereignete, wertete Staatsanwältin Jana Müller als gefährliche Körperverletzung, begangen an einem Passanten.

20 Jahre alt. Jeweils. Das ließ sich über die Täter sagen. Zwei von ihnen stammten aus Lichtenfels bzw. Bad Staffelstein, der dritte lebt in Nordheim, zwei sind Kfz-Mechaniker und einer Logistiker. Auch sind zwei von ihnen eher von schmächtiger Natur, und keiner von ihnen hatte sich jemals etwas zuschulden kommen lassen.

Faustschläge ins Gesicht

Hatte sich der Gewaltvorfall also wirklich so zugetragen, wie von Staatsanwältin Mülller in der Anklageverlesung geschildert? Dort hieß es, dass es aus der Gruppe heraus Faustschläge ins Gesicht eines Mannes gehagelt habe. Als dieser die Straßenseite wechselte, sei er von zwei der jungen Männern verfolgt und wieder mit Schlägen malträtiert worden. Dabei habe ihm einer aus dem Trio dreimal auf den Kopf geschlagen. Blutergüsse am Auge, am Brustkorb und am Oberschenkel habe das Opfer davongetragen.

Doch wer war das Opfer überhaupt? Tatsächlich sollte der betroffene Mann nicht in den Zeugenstand treten, und somit wurde nichts zu ihm bekannt, weder Alter noch Beruf oder Herkunft. Der Grund für all das lag in der erkennbaren Absicht Hubers, das Verfahren abzukürzen. Allerdings war dem vorgeschaltet, was die Angeklagten zu Protokoll gaben. Der 20-jährige Nordheimer Kfz-Mechaniker etwa erklärte gleich nach Anklageverlesung seinen Standpunkt. "Das stimmt natürlich nicht" und "da muss man weiter ausholen", erklärte er und holte weiter aus. Es sei so gewesen, dass man von dem Passanten an der Unterführung angesprochen worden sei. Dieser habe förmlich auf einen gemeinsamen Barbesuch gedrängt und als man das ablehnte, habe er den Lichtenfelser Kfz-Mechaniker geschubst, weshalb daraus eine Rangelei entstand. Der Schmächtigste aus dem Trio, der Staffelsteiner Logistiker, geriet sogar "außer Gefecht", sei aber von dem Passanten weiter traktiert worden. Das Ende vom Lied war, dass die Polizei kam, dass Handschellen klickten und ein Krankenwagen gebraucht wurde.

Das Thema Alkohol spielte in jener Nacht auch eine Rolle. Darauf angesprochen, was er wohl selbst konsumiert habe, antwortete der Nordheimer mit erstaunlichen Mengen: "Sieben, acht Kurze, ein Bier, eine halbe Flasche Wodka." Was gegen ihn sprach, dürfte eine Tonaufnahme an dem Abend gewesen sein, bei der nicht klar wurde, ob sie vom Handy des Opfers oder von der Polizei aufgenommen wurde. Was hingegen klar war, war der Wortlaut und der war massiv: "Ich hau dir die Fresse ein (...), bis der Kopf bricht."

Dass dieser Satz von ihm sei, bestritt der Angeklagte vor Gericht mit: "Meine Wortwahl wäre nicht so, ich komme aus gutem Hause." Allerdings existierte die Aufnahme nun mal und Huber setzte dem Trio auseinander, dass wenig Entlastendes vorläge. Er suchte das Verfahren abzukürzen, auch anbetrachts der bis dato Unbescholtenheit der drei Männer. Sein Vorschlag: je 500 Euro Geldstrafe für die Männer. Staatsanwältin Müller lenkte nur bedingt ein. Sie forderte 600 Euro, was letztlich auch entschieden wurde. Aber sie forderte auch, dass eine Entschuldigung beim Opfer zu erfolgen habe.