Im Mordprozess um eine getötete Ärztin haben Polizisten von der Festnahme des tatverdächtigen 31-Jährigen berichtet. Er habe teilnahmslos gewirkt und keinerlei Widerstand geleistet.

Einmal mehr wirken die Schilderungen am Landgericht in Fulda wie Szenen aus einem Krimi. "Polizei, keine Bewegung! Ich möchte die Hände sehen!" Das habe er gerufen, als er das Schlafzimmer betreten hat, erklärt ein 44-jähriger Kriminalpolizist als Zeuge am Landgericht Fulda.

Gemeinsam mit seinem Kollegen (45) traf er den Tatverdächtigen am 7. Dezember gegen 11 Uhr in einer Wohnung in der Fuldaer Walahfridstraße an - drei Stunden, nachdem die getötete Ärztin gefunden worden war. Es war die Wohnung einer Bekannten, wo der 31-Jährige sich oft aufgehalten habe. Das Auto des Tatverdächtigen wurde dort gefunden - um 8.40 Uhr, eine Dreiviertelstunde nach der Tat. Die Motorhaube sei noch warm gewesen, berichteten mehrere Zeugen.

Die Wohnung zu stürmen - das war nicht nötig. Die Wohnungsinhaberin wollte Müll rausbringen. Als sie in den Flur treten wollte, standen die beiden Kriminalpolizisten vor der Tür.

Den Mann, den sie suchten, fanden sie in einem Schlafzimmer. Er habe nicht geschlafen, aber zugedeckt im Bett gelegen.

Die Polizisten hätten ihn aufgefordert aufzustehen. Man habe ihn auf den Boden gesetzt und gefesselt, erklären sie. "Wir trugen zivile Kleidung, hatten aber Polizeibinden am Arm und unsere Dienstausweise vorgezeigt. Er hat nicht gefragt, wer wir sind oder was wir wollen. Es fand überhaupt keine Kommunikation statt", berichtet einer der Polizisten. Als sie ihn mit seinem Namen ansprachen und fragten, ob er so heiße, habe er bloß genickt.

Der Rumäne habe sich widerstandslos festnehmen lassen, auf Deutsch wurden ihm seine Rechte vorgetragen. Er habe teilnahmslos vor sich hingestarrt, erklärt der Polizist. "Ich hatte den Eindruck, dass er wusste, was passiert und warum wir hier sind." Er habe eine Jogginghose und ein T-Shirt getragen. "Er wirkte gepflegt, so, als hätte er sich vorher noch gereinigt", beschreibt der Polizist.

Sein Kollege wiederum erklärt, auf ihn habe der junge Mann sehr müde gewirkt, "schläfrig und neben der Spur". Im anderen Raum hätten sich zum Zeitpunkt der Festnahme zwei Frauen und drei kleine Kinder befunden.

Es waren weitere Polizisten an dem Einsatz beteiligt, die vor Gericht aussagten. Ein Beamter erklärt, er sei während der Festnahme draußen vor dem Wohnhaus geblieben. Vier Personen hätten dort gestanden - darunter ein Bruder und eine Schwester des Beschuldigten. Er habe ihnen den Tatvorwurf gegen den 31-Jährigen erläutert, - dass er verdächtigt wird, am Morgen seine Ex-Freundin getötet zu haben. Die Schwester habe gut Deutsch gesprochen. Sie habe zu dem Polizisten gesagt, seit der Trennung sei die Beziehung ihres Bruders zu der Ärztin schwierig gewesen. Er habe sich sehr verschlossen und kaum mehr darüber gesprochen. Auch in seinem Verhalten habe er sich sehr verändert.

Der Angeklagte hat fünf Geschwister. Die meisten von ihnen verfolgen den Prozess als Zuschauer, ein Bruder und eine Schwester haben bereits erklärt, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch zu machen - also vor Gericht nicht als Zeugen aussagen zu wollen.

Der Angeklagte selbst beteiligt sich mitunter aktiv an der Verhandlung - stellt Fragen an die Zeugen, die seine Dolmetscherin ins Deutsche übersetzt. Manchmal sind seine Fragen unzusammenhängend oder nicht nachvollziehbar. Er wirkt dabei selbstbewusst und wird schnell ungeduldig, wiederholt seine Fragen mehrfach. Von Richter Josef Richter muss er nicht selten unterbrochen und zurechtgewiesen werden. Der 31-Jährige bestreitet die Tat.

In dem Prozess wurden bislang gut zwei Dutzend Zeugen gehört - darunter Nachbarn, Arbeitskollegen und Polizisten. Insgesamt sind knapp 50 Zeugen geladen. Ein Urteil wird für Juli erwartet.