Stephan Herbert Fuchs

Viel Lärm um nichts: am Freitag wurde ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht in Kulmbach ohne Auflagen eingestellt. Nicht einmal die geladenen Zeugen wollte das Gericht mehr hören.
Angeklagt war ein 45-jähriger Lagerist aus Pegnitz, der im Nebenjob als Security-Mitarbeiter im Tanzcenter Schwingen arbeitet. Er soll während einer Auseinandersetzung am 31. Oktober 2015 morgens gegen 3.30 Uhr an der Eingangstür der Diskothek einen 19-jährigen Auszubildenden aus dem Landkreis Kulmbach brutal zu Boden geworfen, ihn fixiert und anschließend dreimal mit den Füßen auf ihn eingetreten haben.
Zuvor hatte der 19-Jährige den Security-Mitarbeiter mit seinem Smartphone gefilmt, weil er sich unangemessen behandelt fühlte.
"Es war alles ganz anders", sagte der Angeklagte vor Gericht. Seiner Einlassung zufolge hatte der 19-Jährige Hausverbot bis zum Saisonende bekommen, wollte aber unbedingt wieder in das Tanzcenter.


"Pass auf, der hat was"

"Die Leute wissen heute gar nicht mehr, was Hausverbot wirklich bedeutet", sagte der Beschuldigte. Plötzlich habe sich der 19-Jährige hinter ihm postiert. Ein Kollege habe ihm zugerufen: "Pass auf, der hat was." Damit meinte er das Smartphone, das der junge Mann in der Hand hielt.
Der Angeklagte war davon ausgegangen, dass der 19-Jährige ein Pfefferspray oder einen Elektroschocker in Händen hielt. Als der junge Mann damit auf einen Kollegen losging, sei er dazwischen gegangen, habe ihn zu Boden gebracht und fixiert, berichtete der Angeklagte. Zu keinem Zeitpunkt aber hätten er oder seine Kollegen ihn getreten. "Schwingen ist wirklich keine einfache Baustelle", sagte der Angeklagte noch.


Mit den Füßen getreten?

Eine ganz andere Version präsentierte der 19-Jährige. Er sei von den Security-Kräften beleidigt worden, da habe er die Männer mit dem Smartphone gefilmt. Plötzlich hätten ihn die Leute gepackt, nach hinten geschleift, zu Boden geschmissen, festgehalten. Der Angeklagte habe ihn schließlich dreimal mit den Füßen getreten.
Gericht und Staatsanwalt standen nun vor dem Problem, dass sowohl der Angeklagte als auch das Opfer in ihrer polizeilichen Aussage gleich nach der Tat vor über eineinhalb Jahren ganz andere Angaben gemacht hatten. So gab der Angeklagte damals an, dass nicht er, sondern seine zwei Kollegen den 19-jährigen zu Boden gebracht hatten. Der 19-Jährige hatte damals angegeben, er könne nicht genau sagen, welcher von den Security-Leuten ihn getreten habe. Jetzt war er sich plötzlich sicher, dass es der Angeklagte war.
Nach langem Hin und Her räumte der 19-Jährige, der damals über 1,4 Promille Alkohol im Blut hatte, ein: "Es ist schon möglich, dass ich etwas durcheinandergebracht habe." Das war für alle Beteiligten das Zeichen, die Verhandlung einzustellen, zumal sich andere Zeugen nach Aktenlage an gar nichts mehr erinnern konnten.


Mehrere Versionen

"Wir wissen, dass es eine Auseinandersetzung gegeben hat, allerdings gibt es mehrere Versionen davon", so Richterin Sieglinde Tettmann. Die Einstellung erfolgte ohne Auflagen, die Verfahrenskosten muss die Staatskasse tragen.