Philipp Bauernschubert Am 3. Oktober werden es 70 Jahre, dass der Benediktinerpater Lucius Roth 0.S.B. in Pyongyang in Korea den Märtyrertod durch Erschießen starb. In seine Seligsprechung ist jetzt Bewegung gekommen. Pater Willibrord Driever hatte im Februar einen Termin wegen der Dokumente in Rom. Die Schriftstücke werden dort auf ihre Gültigkeit überprüft. Nach einem positiven Ergebnis erlässt die Kongregation das Dekret über die Gültigkeit, was wahrscheinlich nach Ostern im kommenden Jahr sein wird.

Willibrord: "Wenn ich das Dekret über die Gültigkeit erhalten habe, kann ich um die Ernennung eines Relators bitten und unter Anleitung mit der Erarbeitung der Postio beginnen. Diese Positio enthält in kritischer und vertiefter Weise den gesamten Beweisapparat (Dokumente und Zeugenaussagen) bezüglich der historischen Faktizität und theologischen Stichhaltigkeit des Matyriums der Märtyrer von Tokwon. Auf die Frage nach dem aktuellen Stand antwortet Pater Willibrord "Ich warte auf das Dekret der Validität der nachgereichten Akten."

Der Missionar Lucius Roth, mit bürgerlichen Namen Konrad, wurde am 19. Februar 1890 als Sohn der Bauersleute Isidor und Katharina Roth in Weichtungen geboren. Alle seine fünf Schwestern entschieden sich wie er für das Klosterleben.

Nach dem Gymnasium beschloss Konrad Roth im Alter von 19 Jahren in den Benediktinerorden einzutreten. 1914 erwarb er den theologischen Doktorgrad, am 5. Juli 1914 wurde er in Rom zum Priester geweiht. 1924 wurde Pater Lucius in die Abtei Seoul entsandt und wirkte als Kaplan in Pyouhfohpou und später als Pfarrer in Wonsan. 1930 wurde er Prior und Generalvikar in der Abtei Tokwon.

Dann kam der Zweite Weltkrieg, die Landkarte Koreas wurde entscheidend verändert. Russische Truppen marschierten im August 1945 ein. Jedes missionarische Wirken wurde von nun an brutal unterdrückt. Am 9. und 10. Mai 1949 wurde die Abtei durch die Geheimpolizei (ISAAK) besetzt und drei deutsche Patres wurden, zusammen mit einem koreanischen Priester, an einen unbekannten Ort abtransportiert. Die verbliebenen Mönche wurden unter Hausarrest gestellt. Auch 15 deutsche Schwestern der Tutzinger Missionsbenediktinerinnen aus dem Kloster Wonsan wurden an einen unbekannten Ort gebracht. Am 11. und 12. Mai 1949 wurden acht deutsche Patres, 22 deutsche Brüder und vier koreanische Patres von der koreanischen Geheimpolizei gefangen genommen und auf Lastwagen abtransportiert. Mit dem Zug wurden sie weiter geschickt nach Pyongyang und dort in Gefängnissen verteilt.

Vom 13. Mai bis 5. August 1949 begann die Leidenszeit in den Gefängnissen. Es gab Hinrichtungen, Hungertode und Verhöre. Auch Pater Lucius Roth wurde zu Personalfragen und zur Schuldfrage verhört. Am 3. Oktober 1950 wurde auch Pater Lucius Roth aus Weichtungen, zusammen mit zwei weiteren Patres hingerichtet.

Am Samstag vor Pfingsten, im Mai 2007, gab es einen großen Gottesdienst in der Abteikirche zu St. Ottilien. Es war der deutsche Auftakt zum Seligsprechungsprozess für die 36 Glaubenszeugen, die im Gebiet der Abtei Tokwon in Nordkorea als Missionare tätig waren und zwischen 1949 und 1952 um ihres Glaubens willen zu Tode gekommen waren. An dieser Feier hatten auch Verwandte von Pater Lucius und weitere Weichtunger teilgenommen.

2008 wurde der Informationsprozess eröffnet. Die letzte Sitzung fand am 19. Oktober 2017 statt. Die Historische Kommission studierte die Schriften der Märtyrer und überprüfte sie auf Widerspruchsfreiheit mit dem Glauben und der Moral der Kirche. Am 6. Dezember 2017 wurden die Akten in Rom geöffnet. Damit hatte die "Römische Phase" des Prozesses der Seligsprechung begonnen.