Eine Viertelmillion Euro bräuchte die katholische Pfarrei St. Michael in Stadtsteinach, um ihre Orgel in ihren Idealzustand zurückzuversetzen. Mindestens aber 50 000 bis 80 000 Euro, um das inzwischen 100 Jahre alte Instrument überhaupt spielfähig zu erhalten. Die Pfarrei hat das Geld nicht. Sie muss sogar ihre jetzigen laufenden Ausgaben reduzieren. Doch in St. Michael steht ein Instrument, das weit und breit seinesgleichen sucht. Das ist von Fachleuten anerkannt.
Die Orgel wurde 1985 zum letzten Mal generalüberholt. Im Zug der Restaurierungen der Kirche bis 1996 war sie zwar eingepackt, wurde anschließend aber nicht einmal gereinigt. Nicht nur Unmengen von Staub liegen im eigentlichen Orgelgehäuse hinter dem dekorativen Prospekt herum, sondern sogar Gipsreste und anderer Unrat, der sich wohl nicht nur im Gehäuse sondern auch in den Pfeifen selbst findet. Jetzt macht sich auch Schimmel breit.
Auch die elektrische Verkabelung ist nicht mehr garantiert sicher, somit eventuell brandgefährlich. Zudem funktioniert ein Register nur, wenn es mal mag, einige Pfeifen sind nicht mehr vorhanden. Allein, um den augenblicklichen Verfall der Orgel zu stoppen, wären mehr als 50 000 Euro nötig. Die müsste die Pfarrei aber aus der eigenen klammen Kasse aufbringen.
Damit wäre das Instrument aber immer noch nicht das, was es einmal war. Um 1960 wurde nämlich am Klang der Orgel "herumgemacht," möglicherweise einem damaligen Zeitgeist folgend, der auf mehr geradem, barocken Klang aus war, vermutet Jürgen Stapf. Er hat sich im Lauf des Jahres mit der Orgel selbst und deren Werdegang befasst. Der selbstständige Grafiker und Layouter in Kupferberg ist auch Diplom-Theologe und einer der Organisten an St. Michael. Über seine Recherchen hielt er nach der Messe am Cäcilientag (die heilige Cäcilie gilt als die Patronin der Kirchenmusik) in St. Michael einen umfangreichen Vortrag.
Zum Ende der Cäcilien-Feier überreichte Pfarrer Wolfgang Eßel die ersten Urkunden an Pfeifen-Paten der Orgel. Mit einem regelmäßigen oder einmaligen Betrag in der Höhe je nach der Größe der Pfeife kann jedermann die Patenschaft für einen bestimmten Teil der Orgel übernehmen und damit zur Restaurierung des Instruments beitragen. Man könnte die Orgel instandhalten, wenn jede der 1500 Pfeifen einen Paten fände, dem die Sache jeweils 50 Euro wert wäre, überschlägt Jürgen Stapf.
Damit könnte man das unbedingt Nötige bewerkstelligen - nicht aber das Wünschenswerte. Die Stadtsteinacher Orgel wäre nämlich in ihrem früheren Zustand mit ihrem "französischen" Klang weit und breit einmalig. Deren Erbauer, Johannes Strebel, war nicht nur bei den renomierten Firmen Steinmeyer und Walcker zur Aus- beziehungsweise Weiterbildung, sondern auch bei Aristide Cavaille-Coll in Paris, der als der Großmeister der französischen Orgelbaukunst gilt. Die St.-Michael-Orgel ist möglicherweise Strebels Meisterwerk.
Der Vortrag von Jürgen Stapf ist auf youtube.com über die Suchfunktion unter "Strebel-Orgel in St. Michael zu Stadtsteinach" zu finden.