Erst die Verschiebung, jetzt das Aus: Die vierten Passionsspiele in Gemünda finden nicht statt. "Rechtzeitig die Reißleine ziehen" möchten die Macher der Passionsspiele in Gemünda (Stadt Seßlach): Schweren Herzens sagen sie die für diesen Sommer geplanten Aufführungen ersatzlos ab. "Angesichts der unklaren Entwicklung der Infektionszahlen und deren Folgen sehen wir uns derzeit außerstande, die Qualität auf die Bühne zu bringen, die unsere Zuschauer zu Recht von uns erwarten", erläuterte Regisseurin Heike Stelzner am Freitag bei einem Pressegespräch. Alle Akteure seien bereits informiert.

Bereits im Mai 2020 hatte der Rat der Stiftung "1150 Jahre Dorfgemeinschaft Gemünda" wegen der Corona-Pandemie beschlossen, die vierten Passionsspiele gleich um zwei Jahre auf den Juni 2022 zu verschieben. "Wir haben es uns nicht leicht gemacht", sagte Stiftungsvorstand Josef Starkl damals, die Gesundheit der Menschen stehe aber über allem. Wie schon 2015 sollte erneut das anspruchsvolle Stück "Ich bin der Weg" von Martin Bernard zur Aufführung kommen, das die Nachfolgegeschichte der Jünger nach Jesu Tod erzählt. Rund 100 Personen aus dem 550-Seelen-Dorf und der Umgebung wirkten bei den letzten Passionsspielen mit. Fünf Vorstellungen waren nun vom 17. bis 26. Juni 2022 geplant, die Termine sollten aus 2020 eins zu eins übernommen werden.

"Selbst die Verschiebung um zwei Jahre hat nichts gebracht", bedauerte nun 2. Stiftungsvorstand Harald Buchner. Lange hätten die Verantwortlichen gehofft, die Aufführungen noch "durchboxen" zu können, "doch im Moment spricht alles gegen uns". Das Risiko einer kurzfristigen Absage sei der Dorfgemeinschaft letztendlich zu groß gewesen, erläuterte der Vorsitzende des Stiftungsrats, Carsten Höllein. Rahmenbedingungen wie die Abstandsregeln, da zeigte er sich zuversichtlich, hätten die Organisatoren hinbekommen. Sorgen bereitete eher die Qualität. bek