Frische Bergluft, der Duft von würzigem Heu und bunten Wildblumen: Schließt man die Augen, denkt man, man wäre in den Alpen. Tatsächlich steht man in einem Zimmer des Seniorenzentrums Albrecht Dürer mitten in Bamberg-Ost.
Es ist ein besonderes Zimmer: Gemeinsam mit der Spezialisierten Ambulanten Palliativ Versorgung (SAPV) ermöglicht das Team des Pflegeheims Menschen, den letzten Weg in Ruhe und Würde zu gehen. "Uns hier im Haus ist eine sehr gute Palliativversorgung eine Herzensangelegenheit", erzählt Hausleiterin Christine Lechner in der Mitteilung des Diakonischen Werks Bamberg-Forchheim.
Als erstes Pflegeheim der Region hält das Albrecht Dürer-Seniorenzentrum, das zur Diakonie Bamberg-Forchheim gehört, drei Zimmer für sterbende Menschen frei, die durch eine akute Krise oder eine langwierige chronische Erkrankung nicht mehr länger zu Hause gepflegt werden können. "Unser Angebot vermeidet, dass Menschen während ihrer letzten Tage von zu Hause ins Krankenhaus verlegt werden und dort vielleicht sogar während des allgemeinen, meist doch sehr hektischen Krankenhausalltags sterben", so Pflegedienstleiterin Nihal Schumm. "Eigentlich möchte man ja zu Hause seine letzte Lebenszeit verbringen, aufgrund des Pflegebedarfs ist das aber manchmal für die Angehörigen nicht mehr zu organisieren. Hier kommen wir ins Spiel."


Lebensbejahend bis zuletzt

Fachlich unterstützt durch den SAPV, begleitet durch den Hospizverein Bamberg, basierend auf den christlichen Werten als diakonische Einrichtung und mit einem besonderen Konzept ist im Dürer-Haus ein dichtes Netz entstanden, das Menschen würdevoll, weitestgehend schmerz- und angstfrei und lebensbejahend bis zuletzt begleitet.
Auch Pfarrerin Anne Schneider von der evangelischen Erlöserkirche, die regelmäßig das Haus und die Bewohner besucht, steht als Seelsorgerin den Sterbenden, Angehörigen und auch den Mitarbeitenden zur Seite, wenn dies gewünscht wird.
Das Team im Diakonie-Seniorenzentrum möchte den besonderen Palliativ-Bereich im Haus noch ausbauen. "Die Zimmer haben wir ganz bewusst im Wohnbereich neben dem Eingang eingerichtet, nicht versteckt. Der Tod gehört für uns zum Leben", meint Christine Lechner. Mittlerweile haben vier Mitarbeitende die Weiterbildung zu Fachkräften im Palliativbereich erfolgreich abgeschlossen und ein weiteres ehemaliges Bewohnerzimmer wurde zu einem Gästezimmer für die Angehörigen umgestaltet.
"Wir sind nicht nur für die Sterbenden da", erklärt Christine Lechner. Oft seien die Angehörigen sehr verunsichert und bedürften ebenso Aufmerksamkeit und Zuspruch. "Da kommt es schon mal vor, dass ein Aufnahmegespräch am Sonntag einige Stunden dauert." Diese Zeit nehmen sich die beiden Frauen aber, da sie wissen, wie wichtig sie für die Angehörigen ist: "Wir wollen gemeinsam mit den Angehörigen diesen letzten Weg gehen und auch sie unterstützen." Oft seien diese ratlos, was sie ihren im Sterben liegenden Lieben noch Gutes tun könnten. Die Sinne wolle man berühren durch ein besonderes Farb- und Lichtkonzept in den Räumen und über den gezielten Einsatz von Düften.
Finanziert wird dieses für die Bewohner kostenfreie Angebot über Spenden. So kam es auch zur frischen Bergluft mitten in Bamberg: "Ein Bewohner in unserem Palliativbereich war leidenschaftlicher Bergsteiger. Jutta Pauly-Schroll mischte für ihn einen Duft, der ihn noch einmal in seine geliebten Berge entführte." red