Ein Urteil für frauenverachtende Chauvinisten: Ein "Po-Klatscher" kann unter Umständen ins Gefängnis führen. Für ein Richter Wolfgang Pelzl nicht ganz unbekanntes Gesicht gab es dafür zumindest eine Bewährungsstrafe - mit ganzen fünf Jahren Bewährungszeit.

Folgendes war angeklagt: Der 47-jährige Leiharbeiter habe Anfang September einer jungen Frau am Erlanger Hauptbahnhof im Vorbeigehen auf den Hintern geklatscht. Er bestritt dies. "Ja, ich habe einen Spruch gemacht und eine Ausholbewegung, aber ich habe niemanden berührt."

Mit 1,8 Promille

Er hatte sich zum Feierabendbier am Bahnhofsplatz mit Bekannten getroffen und zuvor schon im Zug von Nürnberg nach Erlangen "Bier und Jägermeister" getrunken. Ergebnis: 1,8 Promille beim späteren Eintreffen der Polizei. An die Frau, die er - "zugegeben angemacht" - hatte, konnte er sich angeblich nicht mehr erinnern. An die Ausholbewegung jedoch schon. Diese habe ihr und einer Gruppe von anderen gegolten, die er vor sich in den Bahnhof lassen wollte. "Ich wollte, dass sie schneller gehen." Daraufhin habe sich ein kurzer, nicht ganz freundlicher Dialog entsponnen. Sonst sei aber nichts gewesen.

Die Geschädigte, die mit offensichtlichem Unbehagen in Anwesenheit des Angeklagten ihre Aussage machte, stellte die Situation ganz anders dar. Sie sei auf dem Weg zu ihrem Freund gewesen - schick gemacht mit einem Sommerkleid für einen schönen Abend. Auf dem Weg in den Bahnhof sei ihr der Angeklagte entgegen gekommen. Offenbar betrunken, mit Bier in der Hand. "Das war mir schon unangenehm, weshalb ich ausgewichen bin." Im Vorbeigehen habe ihr der Mann dann mit einer auffälligen Ausholbewegung auf den Hintern geklatscht. "Ich bin erschrocken, habe mich beleidigt gefühlt." Aber offenbar nicht nur das: Bis heute habe sie das Kleid von diesem Abend nicht mehr angehabt - es ekle sie. Auch machte sie im Gerichtssaal einen sehr verschüchterten und ängstlichen Eindruck.

Geschädigte glaubwürdig

An dem Abend selbst habe sie den Täter - ermutigt von den vielen Menschen auf dem Bahnhofsvorplatz - angeschrien. Eine Frau sei ihr zur Hilfe gekommen, habe sie in den Arm genommen und getröstet. Dann habe sie die Polizei gerufen.

Der Staatsanwalt machte deutlich, dass er die Aussage der 20-Jährigen für wesentlich glaubhafter hielt, als die des Angeklagten und forderte "eine schmerzhafte" Geldstrafe von 120 Tagessätzen.

Dieser entsprach Pelzl quasi - nur dass er sie in eine viermonatige Freiheitsstrafe umwandelte und als Bewährungsauflage satte 2400 Euro Buße an den Weißen Ring obendrauf legte. "Es gibt keinen Grund, der Zeugin zu misstrauen - warum sollte sie sich so etwas ausdenken, um dann einen Abend mit der Polizei am Erlanger Bahnhof zu verbringen, anstatt mit ihrem Freund?"

Der Straftatbestand der sexuellen Belästigung ist relativ neu - aber war schon zuvor als Beleidigung strafbar. "Und man weiß auch, dass man so etwas nicht tut", schimpfte der Amtsrichter. Da der Angeklagte nicht nur vorbestraft, sondern offenbar auch uneinsichtig sei, müsse etwas her, was Eindruck macht. Das erhofft sich Pelzl von den fünf Jahren Bewährung - die bei neuen Straftaten oder Verstößen gegen die Auflagen widerrufen werden können.