Mit den Migrationsströmen kamen seit 2014/15 auch viele Minderjährige nach Deutschland, die ohne Begleitung von Erwachsenen unterwegs waren. Sie stellten die Behörden vor besondere Herausforderungen. Beim Amt für Jugend und Familie erarbeitete Andreas Wedel eine Zusammenfassung über die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre, die als Information für die Mitglieder des zuständigen Ausschusses im Coburger Kreistag gedacht ist.

Unbegleitete minderjährige Ausländer, die im Behördendeutsch als umA abgekürzt bezeichnet werden, fallen nicht unter die normalen flüchtlingsrechtlichen Zuständigkeiten, erklärt Andreas Wedel. Sie genießen besonderen Schutz. Daher gelten für sie die Vorgaben der Jugendhilfe. "Im Landkreis Coburg kamen die ersten unbegleiteten minderjährigen Ausländer im September 2014 an", so Wedel in der Informationsvorlage für die Ausschussmitglieder. Den Höhepunkt erreichte der Zuzug dieser jungen Menschen rund ein Jahr später. Damals waren rund 100 Jugendliche in der Altersspanne zwischen sechs und 17 Jahren unterzubringen und zu betreuen.

Die vorgegebene Unterbringung in Einrichtungen der Jugendhilfe konnte nur durch breite Zusammenarbeit gestemmt werden. Städte und Gemeinden schöpften alle Möglichkeiten aus und zahlreiche Familien zeigten sich bereit, Kinder und Jugendliche aufzunehmen. Von 2015 bis 2017 existierten über den Landkreis verteilt sechs Wohngruppen unterschiedlicher Größe und es gab 28 Pflegefamilien, die junge Migranten aufgenommen hatten.

Nur noch eine Wohngruppe

Heute sind alle speziell für diesen Zweck ausgelegten Wohngruppen aufgelöst. Nur eine existiert noch. Dabei handelt es sich um die beim Institut für psychosoziale Gesundheit geschaffene Gruppe, die zur heilpädagogischen Jugendhilfeeinrichtung weiterentwickelt wurde, so der Bericht aus dem Jugendamt.

Von den 2015 im Landkreis angekommenen Kindern und Jugendlichen ohne Begleitung von Erwachsenen leben demnach nur noch sechs in der Obhut der Jugendhilfe. Sie kamen als Kinder an und konnten bis heute nicht mit Angehörigen zusammengeführt werden.

Andreas Wedel fasste auch zusammen, was aus den übrigen betreuten Jugendlichen wurde. Dazu berichtet er: "Das Spektrum des weiteren Lebensweges der anderen jungen Menschen reicht von der Abschiebung bis zur erfolgreichen Schul- und Berufsausbildung." Als glückliches Beispiel nennt Wedel Rohullah Mirzai. Der heute 20-Jährige kann ein Zeugnis des qualifizierenden Hauptschulabschlusses vorlegen, in dem die schlechteste Note "gut" ist. Damit bekam er einen Ausbildungsplatz bei einem großen Coburger Unternehmen als Anlagen- und Maschinenführer.

Aktuell ist der Landkreis für 16 junge Migranten aus Afghanistan, Guinea, Irak, Tunesien, Somalia, Syrien und Albanien zuständig. Sie sind teils noch in Pflegefamilien untergebracht, teils in Wohngruppen in Coburg, Burgkunstadt oder Bamberg. In aller Regel kommen die jungen Leute nach einem bundesweit geltenden Verteilschlüssel nach Coburg. In Einzelfällen wird das Landratsamt aber auch zuständig, wenn etwa Minderjährige bei bereits im Landkreis lebenden Angehörigen ankommen.

Die Vormundschaften für die betroffenen Jugendlichen stellt der Caritasverband auf Grundlage einer Vereinbarung mit dem Landratsamt sicher. Diese gilt seit März 2015 und soll nun verlängert werden.

Nach dem so genannten Königsteiner Schlüssel werden nämlich auch weiterhin unbegleitete minderjährige Migranten verteilt. Entsprechend rechnen die zuständigen Stellen des Landratsamtes damit, dass dauerhaft rund 15 unbegleitete jugendliche Migranten betreut werden müssen.

Die Kosten für die Vormundschaften werden nach Auskunft des Amtes überwiegend von der Justiz getragen. Der Landkreis trägt nach der geltenden Vereinbarung eine monatliche Fallpauschale von 45 Euro zu den Gesamtkosten bei.