Die Gemeinde Obertrubach ist eine "Traumgegend zum Wandern", sagt Eggolsteins Bürgermeister Claus Schwarzmann. Dies liegt aber nicht nur am herrlichen Trubachtal, sondern auch an den einzigartigen Felshängen in und um Obertrubach. Allerdings müssen die Felsen ständig gepflegt werden, um nicht zu verbuschen.

Auch bei den Felsfreilegungen und der anschließenden Pflege ist Obertrubach geradezu vorbildlich, weil die Waldgenossenschaft und aktive Bürger in enger Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Forchheim ihre Felsen freistellen, so zum Beispiel das imposante Felsmassiv "Altarstein" gegenüber der sogenannten "Alten Küche". Hier überzeugten sich nun Landrat Hermann Ulm (CSU) zusammen mit Bürgermeister Markus Grüner, seinem Stellvertreter Bernd Reichel, Gemeinderat und Jagdfachberater Erich Fiedler, Vertretern der Oberen und Unteren Naturschutzbehörde und des Landschaftspflegeverbandes von dem beispielhaften Projekt der Beweidung mit den Burenziegen von Schäfer Georg Distler aus Eggloffstein.

Bürger und Waldgenossen fleißig

Bürger aus Obertrubach und einigen Ortsteilen sowie vor allem die Mitglieder der Waldgenossenschaft waren schon in den letzten Jahren sehr fleißig und haben einige Felsmassive und die einzigartigen Magerrasenhänge von der Verbuschung befreit. So wurden im letzten Winter beispielsweise die Felsen und Hänge bei der Schöttermühle entbuscht, damit die Felswände wieder in ihrer vollen Pracht schon von weitem sichtbar sind. Was vor allem auch das Auge eines Wanderers erfreut.

Der Vorsitzende des Landschaftspflegeverbands, Claus Schwarzmann, kündigte für diesen Herbst weitere Maßnahmen an. So soll der imposante Altarstein, den seit fünf Wochen die Ziegen von Schäfer Distler abgrasen, vom restlichen Gehölzaufwuchs befreit werden. Auch die Ruine Wolfsberg soll noch heuer von Wolfsberger Bürgern entbuscht werden.

Wie Schwarzmann erläuterte, sind dies in erster Linie alles Naturschutzmaßnahmen, um seltene Pflanzen und Tiere der Felslebensräume wie Mauerblümchen, Küchenschelle, Hauswurz, Wanderfalke und Uhu zu schützen und zu fördern. Deshalb werden solche Maßnahmen über die Regierung von Oberfranken und die Untere Naturschutzbehörde durch den Freistaat Bayern über die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie gefördert.

Hoher Fördersatz

Die Beantragung und Organisation übernimmt der Landschaftspflegeverband unter der Federführung von Geschäftsführer Andreas Niedling. Noch heuer sind für diese Maßnahmen in der Gemeinde Obertrubach mehr als 12 000 Euro eingeplant. Der Fördersatz liegt bei 80 Prozent, die weiteren 20 Prozent teilen sich die Gemeinde und der Landschaftspflegeverband zu gleichen Teilen. Möglich wird dies vor allem aber auch, weil der Landkreis pro Einwohner und Jahr einen Euro als Zuschuss an den Landschaftspflegeverband für diese und andere Naturschutzmaßnahmen bezahlt.

Wie Niedling erklärte, seien die Arbeiten an den sehr steilen Hängen und Felsen nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich. Teilweise müssten diese Arbeiten deshalb auch mit Seilsicherungen erfolgen.

Eine kleine Naturbühne

Die Beweidungsmaßnahmen am Altarstein mit Distlers Burenziegen drängen die Gehölze zurück und erweisen sich als voller Erfolg. Dass die Ziegen gute Arbeit geleistet haben, freute vor allem Bernd Reichel, der diese Maßnahme initiiert hatte. Inzwischen wurde am Fuße des Altarsteins eine kleine Naturbühne angelegt, die laut Reichel wegen des einmaligen Felsgebildes dahinter sogar die Luisenburg erblassen lässt.

Wie Erich Fiedler, der auch Jagdpächter ist, versicherte, hätten die Jäger kein Problem mit der Beweidung der Hänge durch Schafe oder Ziegen.

Siegfried Weid von der Regierung von Oberfranken liegt die Schäferei besonders am Herzen. Jedoch werden sowohl die Schafe als auch die Schäfer immer weniger. In Bayern gebe es aktuell noch 6000 Schafhalter mit 200 000 Schafen, aber nur zwei Prozent davon seien noch Wanderschäfer. So gebe es in ganz Oberfranken nur noch zehn Hüteschäfer, vier davon in der Fränkischen Schweiz.

Kritik an der Bezahlung

Für Schäfer Georg Distler ist das auch kein großes Wunder. Denn pro Hektar Beweidung bekommt er maximal 470 Euro im Jahr bei sieben Monaten Arbeit. Wenn ein Landwirt mit seinem Traktor in einer Stunde einen Hektar Naturschutzfläche abmäht, bekommt er fast genauso viel vom Staat. "Das passt nicht zusammen", sagte Schäfer Distler, dem Siegfried Weid recht gibt. Auch für ihn ist das viel zu wenig Förderung für einen Schäfer.