Komplett in schwarz gekleidet kam er mit dem Motorrad, überfiel eine Tankstelle in Stockheim und wenig später eine Metzgerei in Nurn: Ein "Ghost Rider" machte Anfang des Jahres Kronachs Straßen unsicher.

Zuerst versetzte der Räuber eine Angestellte der Stockheimer OMV-Tankstelle in Angst und Schrecken: Vermummt mit dem Motorradhelm, betritt er an einem Sonntagnachmittag Anfang Januar die Tankstelle, bedroht die Frau mit einer Schusswaffe und fordert Bargeld. Völlig eingeschüchtert händigt ihm die Mitarbeiterin einen vierstelligen Geldbetrag aus. Dann macht sich der Kriminelle aus dem Staub - trotz sofort eingeleiteter Fahndung kann das Phantom auf dem mattschwarzen Motorrad entkommen.

Doch drei Wochen später schlägt der Ghost Rider erneut zu: Leichte Beute verspricht er sich an einem Freitagnachmittag beim Frankenwaldmetzger in Nurn. Durch das große Schaufenster sieht er die Verkäuferin alleine im Laden stehen. Er parkt sein Motorrad, tritt ein, zückt die Waffe und blafft: "Kasse auf!"

Doch da hat er die Rechnung ohne Doris Deuerling gemacht. Anstatt seiner Forderung nachzukommen, läuft die Metzgersgattin quer durch den Laden, öffnet die Tür, die in den Wohnbereich der Familie führt und ruft nach ihrem Sohn. Der Ganove sucht unverrichteter Dinge das Weite - von der renitenten Dame bekam er keinen Cent.

Nur wenige Minuten später trifft die Polizei ein und sperrt die Straße nach Tschirn ab. Doch der Ghost Rider entkommt erneut. Bereits am nächsten Tag steht Doris Deuerling wieder im Laden. "Ich weiß nicht warum, aber ich habe keine Sekunde daran gedacht, ihm das Geld zu geben", erzählt sie im Gespräch mit dem Fränkischen Tag. Der Räuber hat aus ihrer Sicht keinen souveränen Eindruck gemacht: "Ein Profi kann das nicht gewesen sein."

Profi-Gauner oder nicht: Bis heute fehlt vom Kronacher Ghost Rider jede Spur. "Die Ermittlungen laufen noch", berichtet Alexander Czech vom Polizeipräsidium Oberfranken auf Nachfrage. Zuletzt haben die Ermittler geprüft, ob der Räuber wegen der grenznahen Tatorte einen Bezug zu Thüringen haben oder sogar dort wohnen könnte. Die eine heiße Spur fehlt jedoch bislang. "Wir geben die Hoffnung jedoch nicht auf", betont Czech. saha