In der Flüchtlingshilfe herrscht sowohl bei hauptamtlichen Trägern als auch bei ehrenamtlichen Helfern hoher Personalmangel. "Alle sind an der Belastungsgrenze angelangt", sagte Philipp Herrmann, Masterstudent der Humangeographie an der Universität Bayreuth. Zusammen mit fünf Studentinnen aus seinem Studiengang hatte Herrmann ein Jahr lang die Flüchtlingssituation in Stadt und Landkreis Bayreuth untersucht. Mithilfe von Interviews und Fragebögen haben sie im Rahmen eines Forschungsprojekts eine empirische Studie darüber verfasst.
Er folgerte, dass ohne die ehrenamtliche Hilfe vieles nicht möglich gewesen wäre: "Wir sehen eine enorme Belastung dieses Personenkreises." Die "unglaubliche Polarisierung der Gesellschaft", die ein Zuhörer bei der Vorstellung ansprach, bestätigte Herrmann. Die nicht repräsentative Umfrage hatte ergeben, dass ein Drittel der Menschen als "Gegner", zwei Drittel als "Befürworter" der Flüchtlinge einzustufen seien.
Wirklich Neues kam bei der Studie nicht heraus. Es gebe Verbesserungsbedarf auf allen Ebenen, etwa bei der Information, bei der Transparenz und bei der Vernetzung von Politik, Haupt- und Ehrenamt, sagte Susan Tomschke. Sie stellte nicht nur das überwiegend positive Meinungsbild der Umfrage heraus, sondern auch die positiven Ausführungen der Geflüchteten.
Tomschke empfahl der Politik, das Ehrenamt stärker zu unterstützen, bestehende Angebote für Flüchtlinge auszubauen und Begegnungen zwischen Gesellschaft und Flüchtlingen zu fördern. "Menschen, die positiv eingestellt sind, haben auch mehr persönliche Kontakte zu Flüchtlingen, sie suchen aber auch mehr den persönlichen Kontakt", heißt es in der Studie.
Außerdem hänge vieles von der Sprache ab. In Politik und Medien sei die Rede von Flüchtlingssituation oder -problematik bis hin zu Flüchtlingslawine. Allzu leichtfertig würden viele Menschen die Phrasen der Politiker übernehmen. Als entscheidende Triebkraft der "Gegner" machten die Studenten die Angst vor Veränderung aus, wobei Veränderung zu Unrecht stets negativ besetzt sei.
Aber auch bei den Flüchtlingen selbst gibt es Kritik. Viele wüssten zu wenig über ihren Status und über das Verfahren. Viele seien zum Nichtstun verdammt, was wiederum zu großer Unsicherheit führe. shf