Manfred Wagner

Wer als Fahranfänger einen Führerschein auf Probe hat, darf sich im Straßenverkehr nichts zuschulden kommen lassen. Falls doch etwas passiert, wird bei dem Verkehrssünder neben dem fälligen Bußgeld oft eine Nachschulung - abgekürzt ASF, das bedeutet: "Aufbauseminar für Fahranfänger" - angeordnet. Dieses Schicksal ereilte einen 18-jährigen Gymnasiasten, weil er an einer Haßfurter Kreuzung zu schnell fuhr und an einem Verkehrsschild hängen blieb. Da er im Mai Abitur schreiben will, kommt ihm das verordnete Seminar zeitlich äußerst ungelegen.
Sein Anwalt Alexander Wessel legte gegen den Bußgeldbescheid Einspruch ein und fand bei einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Haßfurt einen Weg, dass sein Mandant die Nachschulung zu einem späteren Zeitpunkt absolvieren kann.


In dem Moment verschätzt

Dem Schüler passierte das Malheur am 6. Oktober letzten Jahres kurz nach fünf Uhr nachmittags. Er kam mit seinem Auto von der Haßfurter Osttangente und stand an der Ampel. Als die auf grün schaltete, verschätzte sich der junge Mann auf der regennassen Fahrbahn und touchierte mit dem Kotflügel das Schild. Vorschriftsmäßig hielt er daraufhin an und versuchte, die Straßenmeisterei zu erreichen. Dort nahm aber zu diesem Zeitpunkt niemand mehr den Hörer ab, so dass er die Haßfurter Polizei verständigte.
Obwohl er sich vorbildlich verhielt und zeitnah den angerichteten Schaden an dem Verkehrsschild von 170 Euro beglich, wurde ein Bußgeld gegen den jungen Mann verhängt.


Führerschein auf Probe

Laut Bescheid vom 17. November 2016 muss er 145 Euro bezahlen und - da er den Führerschein auf Probe hat - sich mit dem oben genannten ASF nachschulen lassen.
Dieser Unterricht findet in der Regel in einer dafür zugelassenen Fahrschule statt. Der Kurs wird in Gruppen von sechs bis zwölf Teilnehmern abgehalten, die durch aktiven Erfahrungsaustausch und gemeinsame Analysen ihres Fahrverhaltens lernen sollen, wie sie Unfallrisiken künftig vermindern können.


Ein teurer Spaß

Organisatorisch besteht das ASF aus insgesamt vier Sitzungen zu je 135 Minuten sowie einer Fahrprobe. Die Kosten betragen durchschnittlich 250 Euro.
Dass er um diese beschriebene Nachschulung nicht herumkommt, war dem Jugendlichen und seinem Anwalt klar.


Völlig legaler Trick

Damit sie aber nicht gerade in die Abiturzeit fällt, fand der Advokat einen völlig legalen Trick, um auf Zeit zu spielen: Er stellte den Beweisantrag, den damals herbeigerufenen Polizisten als Zeugen zu vernehmen. Daraufhin setzte Jugendrichter Martin Kober als neuen Termin für die Hauptverhandlung den 8. Mai 2017 fest. Dadurch kann der Abiturient sich voll auf seine Prüfungen konzentrieren und das ASF anschließend absolvieren.