Der Mindestlohn steigt ab Januar um 35 Cent auf jetzt 9,19 Euro pro Stunde - und mit ihm der Verdienst von 920 Menschen im Landkreis Kulmbach. So viele Beschäftigte arbeiten hier derzeit zum gesetzlichen Lohn-Minimum. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hin.

Auch die Wirtschaft im Kreis profitiert laut NGG: Die Kaufkraft wachse durch das Mindestlohn-Plus in diesem Jahr um rund 228 000 Euro. Die Gewerkschaft beruft sich auf eine aktuelle Analyse des Pestel-Instituts aus Hannover, das die Auswirkungen der Mindestlohn-Entwicklung regional untersucht hat.

"Mal ins Kino oder Essen gehen. Und auch mal etwas Neues für den Haushalt anschaffen - fast jeder Euro, den Mindestlohn-Beschäftigte am Monatsende extra haben, fließt in den Konsum. Und einen Großteil davon geben sie vor Ort aus", sagt Michael Grundl von der NGG-Region Oberfranken.

Nach wie vor zu niedrig?

Denn wer zum untersten Lohn arbeite, könne nichts auf die hohe Kante legen. Für den Gewerkschafter ist der gesetzliche Mindestlohn aber auch nach der aktuellen Erhöhung zu niedrig: "Selbst für eine Vollzeitkraft ist es extrem schwer, mit dem Mindestlohn klarzukommen. Gerade dann, wenn Kinder im Haushalt leben", so Grundl.

Die NGG fordere deshalb ein deutlich stärkeres Mindestlohn-Plus. Erst in einer Größenordnung von mehr als zwölf Euro pro Stunde werde die Untergrenze "langsam armutsfest".

Grundl sieht bei den Löhnen "Luft nach oben" und die Arbeitgeber in der Pflicht: "In Branchen wie dem Gastgewerbe und dem Bäckerhandwerk gehen trotz guter Wirtschaftslage selbst Fachkräfte oft nur mit dem gesetzlichen Minimum nach Hause." Grundl prangert die zunehmende Tarifflucht als Hauptgrund dafür an. "Wer nach Tarif zahlt, der hat auch zufriedenere Mitarbeiter", ist der Gewerkschafter überzeugt. Es gebe viel zu viele Schlupflöcher, Arbeitszeiten würden nicht korrekt erfasst, Überstunden nicht

bezahlt. "Das ist ein Skandal", kritisiert er. red