Karl-Heinz Hofmann Im Gemeindewald Tettau entsteht das erste Klima-Arboretum, eine Baumpflanzung verschiedenartiger Gehölze, im Frankenwald. Der Klimawandel stellt die Forstwirtschaft vor eine neue große Herausforderung. Die Anpflanzung verschiedenartiger Bäume aus mehreren Klimazonen der Welt ist ein Modellprojekt und wird Waldbesitzern und Förstern als Vorzeigeprojekt dienen.

Mit diesem Projekt im Rahmen der "Initiative Zukunftswald Bayern" (IZW) möchte die Bayerische Forstverwaltung Waldbesitzer zu Waldpflege- und Anpassungsmaßnahmen motivieren und bei deren Umsetzung unterstützen. Die zahlreichen klimastabilen Bäume, die zwischen Langenau und Sattelgrund gepflanzt werden, sollen Aufschluss darüber geben, ob diese Arten in der Region angebaut werden können.

Revierförster Martin Körlin informierte bei einer Exkursion mit Bürgermeister Peter Ebertsch (BfT) über Hintergründe und Ziele der Entstehung des Projektes. Begonnen habe alles mit einer umfangreichen Baumfällung von einem 60 Jahre alten Fichtenreinbestand auf einer Fläche von rund 1,5 Hektar, der wegen Borkenkäfer-Schäden nicht mehr zu retten war. Nun stellt sich die Frage: Welche Baumarten sind in Zukunft aufgrund des Klimawandels bei diesen standörtlichen Gegebenheiten geeignet? Mit den "klassischen" Baumarten des Frankenwaldes (Tanne, Buche, Fichte) wird es zunehmend schwieriger, solche Kahlflächen in Bestockung zu bringen.

Welche Alternativen gibt es?

Die Projektfläche liegt im Wuchsbezirk 8.1 "Frankenwald" auf einer Höhenlage von circa 620 bis 650 Meter. Eigentümer des Waldgebietes ist der Markt Tettau. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach (AELF) hat hierfür die Betriebsleitung. Somit bleibt das Projektgebiet auch in Zukunft unter Betreuung des AELF. Gemeinsam mit den Waldbesitzern vor Ort verstärkt die Bayerische Forstverwaltung in jeweils zweijährigen Projekten den Waldumbau in räumlich abgegrenzten Gebieten. Die Projektfläche bei Langenau- Sattelgrund beträgt mindestens 10 000 Quadratmeter, davon werden circa 8000 Quadratmeter von acht Testanbauten bepflanzt, der Rest sind Freiräume. Jede Testanbaufläche hat eine Größe von 1000 Quadratmeter und wird jeweils mit eigenem Zaun geschützt.

Zwischen den Zäunen bleibt Platz für Naturverjüngung (mit ökologisch wertvollen Pionierbaumarten) und für Wildwechsel, da dort Rot- und Schwarzwild vorkommen.

Schlechtere Anbaubedingungen

Für viele heimische Baumarten in den warm-trockenen Regionen Bayerns und Baden-Württembergs werden sich mit dem Klimawandel die Anbaubedingungen verschlechtern. Die Praxis fordert aus diesem Grund Untersuchungen zu Alternativbaumarten und die Erweiterung der Baumartenpalette. Die Anlage eines Klima-Arboretums übersteigt jedoch die finanziellen Möglichkeiten des Marktes Tettau. Die Finanzierung der geschätzten Gesamtkosten von circa 30 000 Euro läuft über die Bayerische Forstverwaltung im Rahmen des Programms IZW.

Den Beginn markierte im April/Mai 2019 die Pflanzung der Alternativbaumart Atlaszeder. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Algerien und Marokko zeigt diese Baumart eine hohe Anpassung an die Sommertrockenheit. Es folgte heuer im Mai eine Anbaufläche mit der Libanonzeder. Im Herbst dieses Jahres folgen weitere Baumarten. Zur Anpflanzung kommen heimische Baumarten wie die Stil-/Traubeneiche und die Roteiche, die sich schon in Analoggebieten bewährt haben. Aber auch weitere fremdländische Baumarten wie die Hybrid-Lärche und die Korsische Schwarzkiefer. Wichtig ist es für Martin Körlin auch, dass die Jäger Guido und Johannes Rösler ihre Mitarbeit angeboten haben, denn es ist nicht auszuschließen, dass trotz Schutzzäunen das Wild in die Anbaufläche gelangen kann.

Nutzen in Jahren beurteilbar

Es ist ein Projekt, dessen Wirksamkeit und Nutzen man erst in etwa 20 bis 30 Jahren beurteilen kann. Die Bepflanzung soll bis Herbst 2021 abgeschlossen sein, dazu wird auch ein Zufahrtsweg angelegt. Die Fläche soll den Waldbesitzern und Förstern zukünftig für Exkursionen zur Verfügung stehen und ein Hoffnungsschimmer für eine zukünftige Waldbepflanzung im Frankenwald sein.

Bürgermeister Ebertsch ist Körlin und der Forstverwaltung am AELF Kulmbach sehr dankbar, dass diese die Initiative ergriffen hat. "Wer jetzt den Klimawandel nicht erkennt, geht mit verschlossenen Augen durch die Landschaft", so Ebertsch. Für den Markt Tettau sei es ein großes Anliegen und eine große Aufgabe, Innovation und Ökologie in Einklang zu bringen.

Das Projekt wird überdies wissenschaftlich begleitet. Auch die Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) und deren Präsident Olaf Schmidt zeigen großes Interesse an diesen Praxisanbauversuchen. Die LWF wird bei diesem Projekt aktiv mit eingebunden, gerade auch im Hinblick für künftige Auswertungen und wissenschaftliche Begleitung. Ferner ist als wissenschaftlicher Begleiter auch Dr. Muhidin Seho vom Bayerischen Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht im Projekt involviert.