Miriam hegner

Langsam senkt der Gabelstapler seine wuchtige Fracht ab, eine nagelneue CNC-Maschine, eingepackt in Plastikfolie und Klebeband. Tobias Reinhardt beobachtet den Vorgang mit wachsamem Blick. Denn diese Maschine ist, zusammen mit den zwei anderen, die der Gabelstapler eine nach der anderen in die Halle karrt, der Grundstein für den neuen Maschinenpark der Firma Reinhardt Präzisionsdrehteile, der Grundstein für den Neuanfang nach der Katastrophe.


Werkhalle brannte komplett aus

Vor sechs Wochen, am 9. August, war die Produktionshalle des Unternehmens in Gundelsdorf bei einem durch einen technischen Defekt ausgelösten Großfeuer komplett abgebrannt, sämtliche Maschinen waren zerstört worden. Dass die Reinhardts ihre Firma weiterführen, in neue Maschinen investieren und so bald wie möglich die Produktion wieder aufnehmen würden, war für sie keine Frage. Nur an welchem Standort war kurz nach dem Brand nicht gleich klar.
Inzwischen sind die Entscheidungen gefallen: "Wir werden auf unseren Firmengelände in Gundelsdorf neu bauen", erklärt Tobias Reinhardt, Geschäftsführer und zuständig für die technische Leitung. "Das neue Gebäude ist schon in Planung, im Moment klären wir mit dem Architekt die ersten Details." Bereits in dieser Woche werden die Überreste der alten Halle abgerissen. "Wir hoffen, dass wir in etwa einem Jahr in den Neubau einziehen können."


Übergangsweise in Marktrodach

Bis dahin wird in Marktrodach gefertigt: Im Gewerbegebiet Im Gries haben die Reinhardts eine Halle gemietet. Bereits seit dieser Woche läuft die Produktion wieder, mit zwei von vom Maschinenhersteller übergangsweise zur Verfügung gestellten Maschinen. "Zusätzlich haben wir ab sofort die drei neuen CNC-Maschinen und noch eine weitere, die schon vor dem Brand bestellt war und inzwischen auch geliefert wurde." Rund 400 000 bis 500 000 Euro kostet jede dieser Maschinen. Die Kosten übernimmt die Versicherung, genauso wie die Kosten für den Neubau der Produktionshalle. Weitere Maschinen sollen in der nächsten Zeit gekauft werden. "Welche, wie viele und wann wir die kaufen hängt natürlich auch von der Auftragslage ab", erklärt Tobias Reinhardt.
Reinhardt Präzisionsdrehteile beliefert Unternehmen aus dem Bereich Automobil- und Elektroindustrie, Medizintechnik und Maschinenbau mit Dreh- und Frästeilen aus Metall und Stahl.
Einige der Kunden nähmen die Verzögerung der Produktion durch den Brand in Kauf, so Tobias Reinhardt, andere hätten ihre Aufträge zwar anderweitig vergeben, gleichzeitig aber zugesichert, zur Firma zurück zu kehren, sobald die Fertigung wieder aufgenommen worden ist. "Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Langfristig wollen wir wieder auf etwa die gleiche Anzahl an Maschinen kommen wie vor dem Feuer, etwa 30 Stück."
Bis zum Umzug in den Neubau werden es allerdings maximal zehn sein, was auch der Größe der gemieteten Halle geschuldet ist. "Die ist etwa ein Drittel so groß wie die in Gundelsdorf. Aber sie ist von der Versorgung her optimal, hat Heizung, Druckluft- und Stromanschlüsse und Aufenthaltsräume."
Die Büros werden auch in der Übergangszeit in Gundelsdorf bleiben, weil diese vom Feuer relativ unversehrt blieben. "Mein Bruder Oliver und ich werden dann wohl mehrmals täglich zwischen den beiden Orten pendeln, um einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen", so Tobias Reinhardt.