Hatte das Ende des Verfahrens einen Beigeschmack oder nicht? Die Schuld des Angeklagten war ebenso schwer zu beweisen wie seine Unschuld. Überdies warf das Geschehen die Frage auf, weshalb die Frau sich bei der Polizei anders als vor Gericht äußerte. Einmal belastete sie ihren Mann, nun entlastete sie ihn.

Es ging um einen Vorfall aus dem Herbst 2019, bei dem ein Burgkunstadter Ehepaar in Streit geriet. Dabei soll der Mittdreißiger seiner Frau erst eine Wasserflasche an den Kopf geworfen und ihr dann mit Sicherheitsschuhen gegen das Becken getreten haben. Auch an den Haaren sei sie gezogen worden. Das jedenfalls fand sich in Polizeiakten, denn die 30-jährige Frau suchte die Polizei damals auch auf. Ihr Mann beteuerte, keinen Gegenstand nach ihr geworfen zu haben, und wunderte sich, dass seine Frau ihn "angeklagt" habe. An dieser Stelle nahm sich Richterin Daniela Jensch Zeit, ihm auseinanderzusetzen, dass es nicht seine Frau war, die ihn anklagte, sondern die Staatsanwaltschaft. Jensch erklärte dem Verdutzten auch, dass die Staatsanwaltschaft, sobald bei einer Gewalttat von einem wie auch immer gearteten Hilfsmittel die Rede ist, hellhöriger wird und in Richtung gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Seine Frau habe darauf keinen Einfluss mehr gehabt.

Diese, vielleicht auch darum, weil sie als Ehefrau ein Zeugnisverweigerungsrecht besitzt, hielt sich überwiegend bedeckt. Wenn sie sprach, dann den Umstand versichernd, von ihrem Mann nicht geschlagen worden zu sein. "Sie hat aus einer Mücke einen Elefanten gemacht", erklärte dieser hierzu und suchte zu erklären, was es mit der Wasserflasche auf sich gehabt habe. Man habe eben einen Ehestreit gehabt und bei ihm hätten "die Nerven blank" gelegen. Darum habe er eine Wasserflasche geworfen, wobei er jedoch mit dem Rücken zur Getroffenen stand, sie also weder treffen wollte noch anvisierte. Und Sicherheitsschuhe besitze er gar nicht.

Als Richterin Jensch sich bei der Frau danach erkundigte, ob sie an den Haaren gepackt worden sei, verneinte diese. "Und ich bin auch nicht getreten worden." Es war eine Pattsituation entstanden. Das Verfahren wurde eingestellt.